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Ein­füh­rung

Diese Emp­feh­lungs­lis­te ver­steht sich als An­ge­bot an Kol­le­gen und Kol­le­gin­nen. Sie soll bei der Aus­wahl ge­eig­ne­ter Ganz­schrif­ten für die Ober­stu­fe von der Klas­se 10 bis in die Kurs­stu­fe 2 eine Ent­schei­dungs­hil­fe bie­ten. Die aus­führ­li­chen Dar­stel­lun­gen sol­len auch Per­spek­ti­ven auf li­te­ra­tur­wis­sen­schaft­li­che und fach­di­dak­ti­sche Ver­tie­fun­gen er­mög­li­chen.

Diese Emp­feh­lungs­lis­te be­rück­sich­tigt ei­ner­seits un­ver­zicht­ba­re Werke des Kern­ka­nons (z. B. Faust I), für die zum Teil auch die bis­he­ri­gen Un­ter­richts­pra­xis er­wei­tern­de Les­ar­ten vor­ge­schla­gen wer­den (z.B. Na­than der Weise ); an­de­rer­seits be­zieht sie sich auf einen mög­li­chen Ge­gen­ka­non, der aus be­reits be­kann­ten Al­ter­na­ti­ven zu be­stimm­ten eta­blier­ten Tex­ten be­steht. Zudem sind Werke no­mi­niert, die sich im Hin­blick auf die An­schluss­fä­hig­keit an ak­tu­el­le De­bat­ten und die ge­ne­rel­le Re­zep­ti­on eines Werks in Wis­sen­schaft und Öf­fent­lich­keit ge­eig­net oder wich­tig er­wie­sen haben. So ließe sich an­ge­sichts des in den letz­ten Jah­ren si­gni­fi­kant ge­stie­ge­nen wis­sen­schaft­li­chen In­ter­es­ses an rea­lis­ti­scher Li­te­ra­tur eine Re­ka­no­ni­sie­rung von aus­ge­wähl­ten Tex­ten Wil­helm Raa­bes und auf­grund der stark nach­las­sen­den Wer­k­re­zep­ti­on eine De­ka­no­ni­sie­rung des li­te­ra­ri­schen Schaf­fens Hein­rich Bölls be­grün­den.

Teil des Prüf­ver­fah­rens war auch die mög­li­che Ver­net­zung mit wei­te­ren Wer­ken auf der Aus­wahl­lis­te. Bei­spiels­wei­se lässt sich Grill­par­zers Der arme Spiel­mann gut mit Stif­ters Tur­ma­lin (beide No­mi­nie­run­gen) kom­bi­nie­ren. Les­sings Na­than der Weise kann mit Aus­zü­gen aus den nicht no­mi­nier­ten, aber im ent­spre­chen­den Lis­ten­ein­trag unter „Ver­net­zung“ an­ge­führ­ten Wer­ken von Fe­ri­dun Zai­mog­lu Na­than Death und Ge­or­ge Ta­bo­ri Na­thans Tod ver­knüpft wer­den.

Bei der No­mi­nie­rung von Tex­ten wurde auf eine an­ge­mes­se­ne Be­rück­sich­ti­gung von Frau­en sowie von Min­der­hei­ten ge­ach­tet. Für den Aus­wahl­pro­zess bil­de­te die Re­prä­sen­ta­ti­on je­doch nur eines von meh­re­ren Kri­te­ri­en. Neben der zu prio­ri­sie­ren­den An­schluss­fä­hig­keit an die Vor­ga­ben des Bil­dungs­plans spiel­ten auch Fra­gen der the­ma­ti­schen Ori­en­tie­rung, der me­dia­len und in­ter­tex­tu­el­len Ver­net­zung, der Li­te­ra­ri­zi­tät sowie der di­dak­ti­scher Eig­nung und Um­setz­bar­keit im Un­ter­richt eine wich­ti­ge Rolle.

Eine Gat­tungs- und Epo­chen­zu­ord­nung hat sich als pro­ble­ma­tisch er­wie­sen. Diese ge­hört zu den theo­re­tisch be­son­ders vor­aus­set­zungs­rei­chen Fel­dern der Li­te­ra­tur­wis­sen­schaft und bil­det häu­fig den Ge­gen­stand wis­sen­schaft­li­cher Kon­tro­ver­sen.

Fol­gen­de Kri­te­ri­en wur­den der Aus­wahl zu­grun­de ge­legt:

  • Be­rück­sich­ti­gung ent­wick­lungs­be­ding­ter In­ter­es­sen der Schü­ler(innen), Le­se­mo­ti­va­ti­on, Al­ters­ge­mäß­heit, Zu­gäng­lich­keit

  • the­ma­ti­sche Ori­en­tie­rung: Fokus auf Grund­fra­gen des mensch­li­chen Zu­sam­men­le­bens; In­ter­ak­tio­nen von so­zia­len Grup­pen; Ver­hält­nis zu Natur und Um­welt; Ent­wick­lung der Per­sön­lich­keit (Bil­dungs- und So­zia­li­sa­ti­ons­mo­del­le); kul­tu­rel­le Prak­ti­ken (z.B. Ver­traut­wer­den mit den Zei­chen und Prak­ti­ken der eig­nen Kul­tur sowie frem­der Kul­tu­ren); Aus­ein­an­der­set­zung mit an­thro­po­lo­gi­schen Dis­po­si­ti­ven von Liebe, Freund­schaft, Feind­schaft, Aus­gren­zung etc.

  • Li­te­ra­ri­zi­tät und äs­the­ti­sche Qua­li­tät: Ver­ständ­nis li­te­ra­ri­scher Texte als Kunst­wer­ke (Ori­gi­na­li­tät, Sen­si­bi­li­sie­rung für äs­the­ti­sche Fra­ge­stel­lun­gen, ex­pe­ri­men­tel­ler Um­gang mit Spra­che); Pro­ble­ma­ti­sie­rung des Ver­hält­nis­ses von Zweck­frei­heit und de­fi­nier­ten An­lie­gen

  • Kom­ple­xi­tät (in­halt­li­cher An­spruch; Ei­gen­stän­dig­keit ge­gen­über kon­ven­tio­nel­len Er­zähl­mus­tern; Wi­der­stän­dig­keit gegen ein­fa­che Lö­sun­gen und sim­pli­fi­zie­ren­de Fi­gu­ren­zeich­nun­gen)

  • Er­fah­rung von Al­te­ri­tät (Ken­nen­ler­nen von Ge­gen­po­si­tio­nen, auch sol­chen die schwie­rig zu ver­ste­hen oder ab­zu­leh­nen sind; Fremd­heits­er­fah­run­gen durch Fik­tio­na­li­tät, his­to­ri­sche Set­tings, Zu­kunfts­mo­del­le, Dys­to­pi­en, ...)

  • An­schluss­fä­hig­keit an zeit­spe­zi­fi­sche sowie ak­tu­el­le De­bat­ten und Fra­ge­stel­lun­gen (z.B. im Feld von Macht­dis­kur­sen, Un­ter­drü­ckungs­me­cha­nis­men, ko­lo­nia­len Denk­mus­tern, Gen­der­fra­gen, Fa­mi­li­en­bil­dern, Rechts­vor­stel­lun­gen etc.)

  • li­te­ra­tur­ge­schicht­li­che Be­deu­tung ein­zel­ner Werke und deren me­dia­le Ver­net­zung (In­ter­textua­li­tät, Ge­gen­tex­te, me­dia­le Um­set­zun­gen etc.)

  • Be­deu­tung für die Teil­ha­be am kul­tu­rel­len Leben , Dis­kurs­fä­hig­keit

  • di­dak­ti­sche Er­gie­big­keit für den Un­ter­richt in Bezug auf In­halt und Form in ihrer Wech­sel­wir­kung und dem per­sön­li­chen Ent­wick­lungs­stand der Schü­le­rin­nen und Schü­ler

  • An­bin­dung an den Bil­dungs­plan (Leit­per­spek­ti­ven, Epo­chen, Me­di­en­un­ter­richt, Eig­nung für gän­gi­ge Klau­sur­for­ma­te, z. B. In­ter­pre­ta­ti­on und li­te­ra­ri­sche Er­ör­te­rung)

Wei­ter zu Alle Werke