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Er­war­tungs­ho­ri­zont neuer Art

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Diese Seite ist Teil einer Ma­te­ria­li­en­samm­lung zum Bil­dungs­plan 2004: Grund­la­gen der Kom­pe­tenz­ori­en­tie­rung. Bitte be­ach­ten Sie, dass der Bil­dungs­plan fort­ge­schrie­ben wurde.


Neue­rung: Lö­sungs­hin­wei­se for­mu­lie­ren, was die Prüf­lin­ge kön­nen sol­len.

Auf­ga­be 1:

(3 x 3 = 9 VP)

Rich­tig sind die Lö­sun­gen:

  1. II
  2. VII
  3. VI

Auf­ga­be 2 a:

„Ein Haus­halt ist in Zah­len ge­gos­se­ne Po­li­tik“ (M 2, Z 1)
Stel­len Sie die Struk­tur des Haus­hal­tes der EU für 2013 und des­sen Be­son­der­hei­ten (M 3) unter Ein­be­zie­hung des Zi­tats dar.
(9 VP)

a) Die Auf­ga­be ver­langt von den Prüf­lin­gen , dass sie die­ses Ku­chen­dia­gramm mit Hilfe der Er­läu­te­run­gen ana­ly­sie­ren kön­nen und be­wei­sen, dass sie die Be­son­der­heit des eu­ro­päi­schen Haus­halts mit vor­lie­gen­dem Ma­te­ri­al iden­ti­fi­zie­ren kön­nen. Dazu be­nen­nen sie die Seg­men­te und er­läu­tern die Titel mit Hilfe der Er­klä­run­gen. Da­durch kön­nen sie die durch den eu­ro­päi­schen Haus­halt fi­nan­zier­ten Auf­ga­ben ge­wich­ten und fest­stel­len, dass der eu­ro­päi­sche Haus­halt nur be­dingt die eu­ro­päi­sche Po­li­tik wi­der­spie­gelt.

Sie kön­nen aus der Be­nen­nung der vier Seg­men­te schlie­ßen, dass der Haus­halt im We­sent­li­chen von zwei Po­si­tio­nen be­stimmt ist: der Wachs­tums- und Be­schäf­ti­gungs­po­li­tik und der Agrar­po­li­tik. Sie er­ken­nen, dass haus­halts­be­zo­ge­ne Eu­ro­pa­po­li­tik zu einem Drit­tel Agrar­po­li­tik ist. Eben­falls ist die Dis­kre­panz zwi­schen der in­ter­na­tio­na­len Be­deu­tung der EU und dem gleich­zei­tig re­la­tiv ge­rin­gen An­teil von 6,4 % Haus­halts­aus­ga­ben als glo­ba­ler Ak­teur her­vor­zu­he­ben. Das der Auf­ga­be vor­an­ge­stell­te Zitat muss ent­spre­chend ge­deu­tet wer­den. Die Be­son­der­heit des eu­ro­päi­schen Haus­halts be­steht also darin, dass er nicht alle mög­li­chen Po­li­tik­fel­der ab­deckt, son­dern die na­tio­na­len Haus­hal­te zum Teil die Fol­gen eu­ro­päi­scher Po­li­tik fi­nan­zie­ren müs­sen. Dies be­zieht sich so­wohl auf Ver­ord­nun­gen als auch auf Richt­li­ni­en.

Auf­ga­be 2 b:

Er­klä­ren Sie das in M 2 und M 4 be­schrie­be­ne Ver­hal­ten der eu­ro­päi­schen Ak­teu­re bei den Haus­halts­be­ra­tun­gen in Hin­blick auf ihre po­li­ti­sche Rolle.
(12 VP)

Die Auf­ga­be ver­langt von den Prüf­lin­gen zu­nächst die Her­aus­ar­bei­tung des un­ter­schied­li­chen Ver­hal­tens der be­trof­fe­nen Ak­teu­re aus M2 und M 4. Im wei­te­ren Ver­lauf sind die Ur­sa­chen für un­ter­schied­li­ches Ver­hal­ten den ver­schie­de­nen In­ter­es­sen zu­zu­ord­nen. Sie müs­sen die Mul­ti­per­spek­ti­vi­tät der In­ter­es­sen er­ken­nen.

Die In­ter­es­sen sind un­ter­scheid­bar nach der Wirt­schafts­struk­tur der ein­zel­nen Län­der, der grund­sätz­li­chen Hal­tung ge­gen­über der Struk­tur und zu­künf­ti­gen po­li­ti­schen Rolle der EU, der in­ner­staat­li­chen Mei­nungs­bil­dung sowie dem Selbst­ver­ständ­nis des je­wei­li­gen eu­ro­päi­schen Or­gans. Die Prüf­lin­ge iden­ti­fi­zie­ren die un­ter­schied­li­chen na­tio­na­len In­ter­es­sen als auch der Or­gan­in­ter­es­sen und der damit ver­bun­den Schluss­fol­ge­run­gen für die Fi­nan­zie­rung.

So muss das ab­wei­chen­de Ver­hal­ten zwi­schen Eu­ro­päi­schem Rat und dem Eu­ro­pa­par­la­ment be­nannt, gleich­zei­tig aber er­kannt wer­den, dass das Er­geb­nis des eu­ro­päi­schen Rates nur ein Kom­pro­miss un­ter­schied­li­cher In­ter­es­sen war, ins­be­son­de­re die Son­der­rol­le Groß­bri­tan­ni­ens sei hier­bei er­wähnt. Auch das Veto des Eu­ro­pa­par­la­ments war kein ein­stim­mi­ges Veto. Ein­flüs­se von Lob­by­grup­pen („Zu­cker­lob­by“) be­ein­fluss­ten z. B. die Ab­stim­mung des Eu­ro­pa­par­la­ments.

Auf­ga­be 3:

Die Ka­ri­ka­tur (M 4) kom­men­tiert die Ent­schei­dung des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments zum Fi­nanz­rah­men.
Ana­ly­sie­ren Sie die Ka­ri­ka­tur. (10 VP)

Die Auf­ga­be ver­langt von den Prüf­lin­gen eine Be­schrei­bung der Ka­ri­ka­tur. Sie ver­langt im zwei­ten Schritt die Über­tra­gung der Bild­in­for­ma­tio­nen auf das Thema. Die Prüf­lin­ge ver­wen­den dazu pas­sen­de Ka­te­go­ri­en und Struk­tu­rie­rungs­be­grif­fe wie z. B. Ak­teu­re, Pro­blem, Ziel, Macht, Kon­flikt, Ent­schei­dung um ihre Fach­kom­pe­tenz in Spra­che sicht­bar zu ma­chen.

Sie iden­ti­fi­zie­ren in der Ka­ri­ka­tur bei­spiels­wei­se den „Straß­bur­ger Jäger“ in Ge­stalt des EU-Par­la­ments als macht­vol­len Ak­teur bei der Durch­set­zung sei­ner In­ter­es­sen. Sie er­ken­nen den dar­aus ent­stan­de­nen Kon­flikt um einen „Spar­haus­halt“ und das Pro­blem bei der Er­rei­chung des Zie­les des Haus­halts­rah­men­plans im zer­bro­che­nen Spar­schwein. Die „un­sanf­te Lan­dung“ des Spar­schweins trotz eines Fall­schirms kann vom Prüf­ling da­hin­ge­hend ge­deu­tet wer­den, dass der Eu­ro­päi­sche Rat die Macht des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments un­ter­schätzt hat.

Auf­ga­be 4:

Ent­schei­dungs­pro­zes­se in der EU – de­mo­kra­tisch und ef­fi­zi­ent?“
Be­ur­tei­len Sie das Ver­hält­nis von De­mo­kra­tie und Ef­fi­zi­enz bei Ent­schei­dungs­pro­zes­sen in der EU. Gehen Sie dabei vom Fall­bei­spiel EU-Haus­halt aus. (20 VP)

Die Auf­ga­ben­stel­lung ver­langt von den Prüf­lin­gen eine Be­ur­tei­lung eu­ro­päi­scher Ent­schei­dungs­pro­zes­se. Die Be­ur­tei­lungs­kri­te­ri­en sind durch die Leit­fra­ge vor­ge­ge­ben. Sind die Ent­schei­dungs­pro­zes­se de­mo­kra­tisch? Sind die Ent­schei­dungs­pro­zes­se in­ner­halb der EU ef­fi­zi­ent? Aus­gangs­punkt sind die Ent­schei­dungs­pro­zes­se bei der Er­stel­lung des eu­ro­päi­schen Haus­halts bzw. eu­ro­päi­schen Fi­nanz­rah­mens. Im An­schluss müs­sen die Kri­te­ri­en auf an­de­re Ent­schei­dungs­pro­zes­se über­tra­gen wer­den, um das Ur­teil quan­ti­ta­tiv zu er­wei­tern und even­tu­ell qua­li­ta­tiv zu dif­fe­ren­zie­ren.

Die Prüf­lin­ge er­klä­ren de­mo­kra­tisch z.B. mit dem Be­griff der de­mo­kra­ti­schen Le­gi­ti­ma­ti­on, z. B. indem sie un­ter­schied­li­che Le­gi­ti­ma­ti­ons­for­men dar­stel­len. Sie ar­gu­men­tie­ren auf der Grund­la­ge die­ser Prä­mis­se. Sie un­ter­schei­den dann die je­wei­li­gen Rol­len bei der Er­stel­lung des Haus­halts und wägen zur Be­ur­tei­lung das Ver­hält­nis von de­mo­kra­ti­scher Le­gi­ti­ma­ti­on und bei­spiels­wei­se Macht ab. So soll­ten sie er­ken­nen, dass das eu­ro­päi­sche Par­la­ment auf­grund der di­rek­ten Wahl über die höchs­te de­mo­kra­ti­sche Le­gi­ti­ma­ti­on ver­fügt und sich dies auch im Veto-Recht beim Haus­halts­plan wi­der­spie­gelt. Al­ler­dings führt die hohe de­mo­kra­ti­sche Le­gi­ti­ma­ti­on nicht dazu, dass am Ende des Haus­halt­s­pro­zes­ses das Eu­ro­päi­sche Par­la­ment über das letz­te Ent­schei­dungs­mo­ment ver­fügt; ein Kom­pro­miss mit dem Eu­ro­päi­schen Rat, wel­cher nur in­di­rekt (über die Mehr­heits­ver­hält­nis­se der na­tio­na­len Par­la­men­te) de­mo­kra­tisch le­gi­ti­miert ist, ist not­wen­dig.

In einem zwei­ten Schritt er­klä­ren sie das Kri­te­ri­um der Ef­fi­zi­enz und wen­den es beim Ent­schei­dungs­pro­zess zum eu­ro­päi­schen Haus­halt (bzw. Rah­men­plan) an. Der Prüf­ling er­kennt, dass auf­grund der An­zahl der be­tei­lig­ten Ak­teu­re der Pro­zess lang­wie­rig wer­den kann.

Aus­ge­hend von der Haus­halts­si­tua­ti­on über­prü­fen sie an einer oder an meh­re­ren an­de­ren ge­setz­ge­be­ri­schen Ent­schei­dun­gen die Ef­fi­zi­enz, die durch die un­ter­schied­li­chen Macht­ver­hält­nis­se her­vor­ge­ru­fen wer­den. Sie kön­nen dabei aus­ge­hend von der un­ter­richt­li­chen Si­tua­ti­on ex­em­pla­risch ar­gu­men­tie­ren. In der ab­schlie­ßen­den Be­ur­tei­lung dif­fe­ren­zie­ren die Prüf­lin­ge das Maß an De­mo­kra­tie, bei­spiels­wei­se könn­ten sie ar­gu­men­tie­ren, dass mit dem Ver­trag von Lis­sa­bon dem EU-Par­la­ment we­sent­lich mehr Mit­wir­kungs­rech­te zu­ge­spro­chen wur­den und damit die Le­gi­ti­ma­ti­on eu­ro­päi­scher Po­li­tik einen hö­he­ren wenn nicht gar hohen Stel­len­wert zu­ge­spro­chen wurde. Sie er­ken­nen den damit ein­her­ge­hen­den Ef­fi­zi­enz­ver­lust. Sie zei­gen also auf, dass Kon­trol­le zu Las­ten der zeit­li­chen Ef­fi­zi­enz des Sys­tems füh­ren kann.

 

Wei­ter mit Un­ter­richt­li­che Vor­aus­set­zun­gen