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1.1 Die Un­ter­richts­se­quenz zur Prag­ma­tik im Kon­text der Jah­res­pla­nung

Die vor­lie­gen­de Un­ter­richts­se­quenz um­fasst alle im Bil­dungs­plan „Ver­tie­fungs­kurs Spra­che“ für den The­men­be­reich Prag­ma­tik (ein­schließ­lich Ver­tie­fung Prag­ma­tik) vor­ge­se­he­nen In­hal­te. Au­ßer­dem wird die Drei­strah­lig­keit des Zei­chens (Ver­tie­fung Se­man­tik) im Kon­text der Sprech­akt­theo­rie be­han­delt, da man das Büh­ler’sche Or­ga­non­mo­dell als grund­le­gend für die Sprech­akt­theo­rie ver­ste­hen kann, „näm­lich in­so­fern sich die Aus­drucks­funk­ti­on in der Auf­rich­tig­keits­be­din­gung, die Dar­stel­lungs­funk­ti­on im pro­po­si­tio­na­len Ge­halt und die Ap­pell­funk­ti­on in den il­lo­ku­tio­nä­ren und per­lo­ku­tio­nä­ren Ef­fek­ten wie­der­fin­den las­sen“1. Die Sprech­akt­theo­rie, die den kom­mu­ni­ka­ti­ven Sinn einer Äu­ße­rung un­ter­sucht, ist an einer „Schnitt­stel­le zwi­schen Se­man­tik und Prag­ma­tik“2 zu ver­or­ten.

Im Bil­dungs­plan nicht ex­pli­zit er­wähnt ist das tra­di­tio­nel­le Sprach­mo­dell, das für das Ge­samt­ver­ständ­nis der Theo­ri­en von Aus­tin und Se­ar­le je­doch sehr hilf­reich ist und daher zu Be­ginn zu­min­dest kurz be­han­delt wer­den soll­te. Auf die kur­zen Er­gän­zun­gen in der Ein­heit zur Kon­ver­sa­ti­ons­ana­ly­se (Prin­zi­pi­en der In­for­ma­ti­ons­ver­tei­lung, Re­pa­ra­tur­se­quen­zen), die gemäß dem Bil­dungs­plan nicht be­han­delt wer­den müs­sen, kann ggf. ver­zich­tet wer­den. So­fern man im 3./4. Kurs­halb­jahr einen ent­spre­chen­den Schwer­punkt wählt, kön­nen diese The­men auch dann noch be­han­delt wer­den.

Es ist sinn­voll, die Un­ter­richts­se­quenz di­rekt im An­schluss an die Ein­füh­rung „Phä­no­men Spra­che“ zu be­han­deln, und zwar aus meh­re­ren Grün­den:

  • Es kommt dem in­tui­ti­ven Vor­ge­hen der Schü­le­rin­nen und Schü­ler ent­ge­gen, zu­nächst die kom­mu­ni­ka­ti­ve Be­deu­tung einer Aus­sa­ge zu ana­ly­sie­ren, wäh­rend be­son­ders die Ana­ly­se der cha­rak­te­ris­ti­schen Be­deu­tung von ihnen ein we­sent­lich hö­he­res Maß an Abs­trak­ti­on er­for­dert.

  • Für die The­men­be­rei­che der Prag­ma­tik fin­det man pro­blem­los zahl­rei­che mo­ti­vie­ren­de Ein­stie­ge sowie viel­fäl­ti­ge, schü­ler­na­he An­wen­dungs­bei­spie­le.

  • Der Um­fang der zu er­ler­nen­den Fach­ter­mi­ni der Prag­ma­tik ist im Ver­hält­nis zur vor­ge­se­he­nen Un­ter­richts­zeit für die Schü­le­rin­nen und Schü­ler re­la­tiv über­schau­bar.

Die hier vor­ge­schla­ge­ne Un­ter­richts­se­quenz um­fasst ca. 20-22 Un­ter­richts­stun­den − je nach­dem, in wel­chem Um­fang die The­men aus den Mo­du­len Ver­tie­fung Prag­ma­tik und Ver­tie­fung Se­man­tik sowie die vor­ge­schla­ge­nen Er­gän­zun­gen be­han­delt wer­den. Es emp­fiehlt sich, be­son­ders die gut ver­ständ­li­chen Texte zum The­men­be­reich „Die Ent­wick­lung der lin­gu­is­ti­schen Dis­zi­plin der Prag­ma­tik“ (M2) zu­min­dest teil­wei­se als Vor- und/oder Nach­be­rei­tung in häus­li­cher Lek­tü­re lesen zu las­sen. Auch die Auf­ga­ben sind so ge­stal­tet, dass die Schü­le­rin­nen und Schü­ler sie nach der Be­hand­lung ent­spre­chen­der Bei­spie­le zu­neh­mend selbst­stän­dig be­ar­bei­ten kön­nen. Die viel­fäl­ti­gen Auf­ga­ben­vor­schlä­ge kann die Lehr­kraft fle­xi­bel nut­zen. In der zur Ver­fü­gung ste­hen­den Un­ter­richts­zeit kön­nen si­cher­lich nicht alle Auf­ga­ben de­tail­liert be­han­delt wer­den; viel­mehr be­steht die Mög­lich­keit, an ei­ni­gen Stel­len je nach den In­ter­es­sen und Be­dürf­nis­sen der Schü­le­rin­nen und Schü­ler eine ad­äqua­te Aus­wahl zu tref­fen.

Er­fah­rungs­ge­mäß lohnt es sich, zu Be­ginn des Kur­ses eine nicht allzu schnel­le Pro­gres­si­on zu wäh­len, ins­be­son­de­re was den Um­fang der neu zu er­ler­nen­den lin­gu­is­ti­schen Theo­ri­en und Fach­ter­mi­ni be­trifft. Bei den fol­gen­den Mo­du­len (Se­man­tik, Mor­pho­lo­gie, Syn­tax, So­zio­lin­gu­is­tik) ist eine etwas schnel­le­re Pro­gres­si­on mög­lich, da die Schü­le­rin­nen und Schü­ler dann schon rou­ti­nier­ter mit lin­gu­is­ti­schen Theo­ri­en um­ge­hen kön­nen. Durch die Un­ter­richts­se­quenz ist zudem die im Bil­dungs­plan vor­ge­ge­be­ne Be­hand­lung von zwei Ver­tie­fun­gen3 be­reits zu einem gro­ßen Teil ab­ge­deckt. Der zwei­te The­men­block der Ver­tie­fung Se­man­tik (Be­deu­tungs­kon­zep­tio­nen: Be­deu­tungs­an­ga­be durch De­fi­ni­tio­nen, Merk­mals­se­man­tik, Pro­to­ty­pen­theo­rie, Frames/Skripts) kann dann am Ende der Un­ter­richts­se­quenz zur Se­man­tik durch­ge­nom­men wer­den.

 


1 Staf­feldt, Sprech­akt­theo­rie, S. 131.

2 Staf­feldt, Sprech­akt­theo­rie, S. 15. Zur Er­läu­te­rung die­ser These an­hand eines Bei­spiels siehe S. 15-16.

3 Vgl. Bil­dungs­plan „Ver­tie­fungs­kurs Spra­che“, S. 2.

 

Hand­rei­chung Prag­ma­tik: Her­un­ter­la­den [docx][2 MB]

Hand­rei­chung Prag­ma­tik: Her­un­ter­la­den [pdf][2 MB]

 

Wei­ter zu The­men und Auf­bau der Un­ter­richts­se­quenz im Über­blick