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Romantik

Informationen zur Epoche:

Material 3 – Romantik I

Novalis: [Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren]

Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren
sind Schlüssel aller Kreaturen
wenn die, so singen oder küssen,
mehr als die Tiefgelehrten wissen,
wenn sich die Welt ins freie Leben
und in die Welt wird zurückbegeben,
wenn dann sich wieder Licht und Schatten
zu echter Klarheit werden gatten
und man in Märchen und Gedichten
erkennt die wahren Weltgeschichten,
dann fliegt von einem geheimen Wort
das ganze verkehrte Wesen fort.

(zitiert nach Projekt Gutenberg-DE)

Ludwig Tieck: An Novalis

Es steigen alle Kräfte aus dem Kerne,
Und wurzeln in ihr stilles Herz zurücke,
So giebt Natur uns tausend Liebesblicke,
Damit der Mensch der Gottheit Liebe lerne.
Ich weihe mich dem großen Schauspiel gerne,
Und wenn ich mich am vollen Glanz erquicke,
Führt mich zum Himmel eine lichte Brücke,
Ich fühl' in mir den Schwung der hohen Sterne.
Doch weilt mein Aug, wenn heitre Lüfte spielen
Am liebsten auf der bunten Welt im Mayen,
Ausblumend, duftend und in Farben brennend.
So, liebster Freund, das Höchste sanft erkennend
Will ich mich dein und der Magie erfreuen,
Den Wundergeist in süßen Bildern fühlen

(zitiert nach Projekt Gutenberg-DE)

Clemens Brentano: Der Spinnerin Lied

Es sang vor langen Jahren
Wohl auch die Nachtigall,
Das war wohl süßer Schall,
Da wir zusammen waren.

Ich sing' und kann nicht weinen
Und spinne so allein
Den Faden klar und rein,
So lang der Mond wird scheinen.

Da wir zusammen waren,
Da sang die Nachtigall,
Nun mahnet mich ihr Schall,
Daß du von mir gefahren.

So oft der Mond mag scheinen,
Gedenk ich dein allein,
Mein Herz ist klar und rein,
Gott wolle uns vereinen.

Seit du von mir gefahren,
Singt stets die Nachtigall,
Ich denk bei ihrem Schall,
Wie wir zusammen waren.

Gott wolle uns vereinen,
Hier spinn ich so allein,
Der Mond scheint klar und rein,
Ich sing und möchte weinen!

(zitiert nach Projekt Gutenberg-DE)

Achim von Arnim: Gebet

Gib Liebe mir und einen frohen Mund,
Daß ich dich, Herr der Erde, tue kund;
Gesundheit gib bei sorgenfreiem Gut,
Ein frommes Herz und einen festen Mut;
Gib Kinder mir, die aller Mühe wert;
Verscheuch die Feinde von dem trauten Herd;
Gib Hügel dann und einen Hügel Sand;
Den Hügel Sand im lieben Vaterland;
Die Hügel schenk dem abschiedschweren Geist,
Daß er sich leicht der schönen Welt entreißt.

(zitiert nach Projekt Gutenberg-DE)

Material 4 – Romantik II

Joseph von Eichendorff: Frische Fahrt

Laue Luft kommt blau geflossen,
Frühling, Frühling soll es sein!
Waldwärts Hörnerklang geschossen,
Mut’ger Augen lichter Schein,
Und das Wirren bunt und bunter
Wird ein magisch wilder Fluß,
In die schöne Welt hinunter
Lockt dich dieses Stromes Gruß.

Und ich mag mich nicht bewahren!
Weit von Euch treibt mich der Wind,
Auf dem Strome will ich fahren,
Von dem Glanze selig blind!
Tausend Stimmen lockend schlagen,
Hoch Aurora flammend weht,
Fahre zu! ich mag nicht fragen,
Wo die Fahrt zu Ende geht!

(zitiert nach Projekt Gutenberg-DE)

Eduard Mörike: Um Mitternacht

Gelassen stieg die Nacht ans Land,
Lehnt träumend an der Berge Wand,
Ihr Auge sieht die goldne Waage nun
Der Zeit in gleichen Schalen stille ruhn;
Und kecker rauschen die Quellen hervor,
Sie singen der Mutter, der Nacht, ins Ohr
Vom Tage,
Vom heute gewesenen Tage.

Das uralt alte Schlummerlied,
Sie achtet’s nicht, sie ist es müd;
Ihr klingt des Himmels Bläue süßer noch,
Der flüchtgen Stunden gleichgeschwungnes Joch.
Doch immer behalten die Quellen das Wort,
Es singen die Wasser im Schlafe noch fort
Vom Tage,
Vom heute gewesenen Tage.

(zitiert nach Projekt Gutenberg-DE)

Wilhelm Hauff: Reiters Morgenlied

(nach einem schwäbischen Volkslied)

Morgenrot!
Leuchtest mir zum frühen Tod?
Bald wird die Trompete blasen,
Dann muß ich mein Leben lassen,
Ich und mancher Kamerad!

Kaum gedacht,
War der Lust ein End gemacht!
Gestern noch auf stolzen Rossen,
Heute durch die Brust geschossen,
Morgen in das kühle Grab.

Ach, wie bald
Schwindet Schönheit und Gestalt!
Tust du stolz mit deinen Wangen,
Die wie Milch und Purpur prangen?
Ach, die Rosen welken all!

Darum still
Füg ich mich, wie Gott es will,
Und so will ich wacker streiten,
Und sollt ich den Tod erleiden,
Stirbt ein braver Reitersmann.

(zitiert nach Projekt Gutenberg-DE)

Ludwig Uhland: Der gute Kamerad

Ich hatt’ einen Kameraden,
Einen bessern findst du nit.
Die Trommel schlug zum Streite,
Er ging an meiner Seite,
In gleichem Schritt und Tritt.

Eine Kugel kam geflogen,
Gilt’s mir oder gilt es dir?
Ihn hat es weggerissen,
Er liegt mir vor den Füßen,
Als wär’s ein Stück von mir.

Will mir die Hand noch reichen,
Derweil ich eben lad’.
Kann dir die Hand nicht geben,
Bleib du im ew’gen Leben
Mein guter Kamerad!

(zitiert nach Projekt Gutenberg-DE)

 

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