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Frauenbilder in der Romantik

Material 6

Joseph von Eichendorff: Waldgespräch

Es ist schon spät, es wird schon kalt,
Was reit’st du einsam durch den Wald?
Der Wald ist lang, du bist allein,
Du schöne Braut! Ich führ’ dich heim!

„Groß ist der Männer Trug und List,
Vor Schmerz mein Herz gebrochen ist,
Wohl irrt das Waldhorn her und hin,
O flieh! Du weißt nicht, wer ich bin.“

So reich geschmückt ist Roß und Weib,
So wunderschön der junge Leib,
Jetzt kenn’ ich dich – Gott steh’ mir bei!
Du bist die Hexe Lorelei.

„Du kennst mich wohl – von hohem Stein
Schaut still mein Schloß tief in den Rhein.
Es ist schon spät, es wird schon kalt,
Kommst nimmermehr aus diesem Wald!“

(zitiert nach Projekt Gutenberg-DE)

Joseph von Eichendorff: Schlimme Wahl

Du sahst die Fei ihr goldnes Haar sich strählen,
Wenn morgens früh noch alle Wälder schweigen,
Gar viele da im Felsgrund sich versteigen,
Und weiß doch keiner, wen sie wird erwählen.

Von einer andern Dam hört ich erzählen
Im platten Land, die Bauern rings dir zeigen
Ihr Schloß, Park, Weiler - alles ist dein eigen,
Freist du das Weib - wer möcht im Wald sich quälen!

Sie werden dich auf einen Phaeton heben,
Das Hochzeitskarmen tönt, es blinkt die Flasche,
Weitrauschend hinterdrein viel vornehm Wesen.

Doch streift beim Zug dich aus dem Walde eben
Der Feie Blick, und brennt dich nicht zu Asche:
Fahr wohl, bist nimmer ein Poet gewesen!

(zitiert nach Projekt Gutenberg-DE)

Novalis: Marienlied

Ich sehe dich in tausend Bildern,
Maria, lieblich ausgedrückt,
Doch keins von allen kann dich schildern,
Wie meine Seele dich erblickt.

Ich weiß nur, daß der Welt Getümmel
Seitdem mir wie ein Traum verweht,
Und ein unnennbar süßer Himmel
Mir ewig im Gemüte steht.

(zitiert nach Projekt Gutenberg-DE)

Material 7

Clemens Brentano: Frühes Lied

Fahre fort mit Dornenschlägen,
Weiße Rose, meinem Herzen,
Dem verbrannten, quillt ein Segen,
Aus den Tränen aus den Schmerzen,

Breche ganz mein altes Leben,
Ich muß dir, die so erschienen
Einen bessern Bruder geben
Gott und dir in ihm zu dienen

Alles muß von dir ich nehmen
Kann dir nichts, ach gar nichts geben,
Denn du mußt den Drachen zähmen,
Um dem Herrn den Schatz zu heben,

Sieh, ich beug mich dir zu Füßen
Du Erbarmen, weine nieder,
Lehre mich, wie du zu büßen
Tränenquell der frommen Lieder

All mein Letzen und Verletzen,
All mein Lügen, Trachten, Scheinen,
Darauf sollst den Fuß du setzen
Und so im Triumph erscheinen.

Alles, was du still gelitten,
Deine Not, dein fromm Entsagen,
Hat auch mir das Herz durchschnitten,
Doch du, du hast es getragen

Alles was du je getragen,
Sieh, das hab ich all verschuldet,
Meine Schuld hat dich geschlagen,
Und du hast so fromm geduldet.

Und nun trägst du dies versunkne,
Das dich marterte, dies Herz,
O du Gottesmitleidtrunkne
An dem deinen, himmelwärts!

(zitiert nach Projekt Gutenberg-DE)

Clemens Brentano: Frühes Lied

Wie wohlgefällig hat auf mir
Des teuern Vaters Auge geruht!
Wie sprach der stumme Blick doch schier:
Bist meine Lust, ich bin dir gut.

Wie hat die Mutter früh und spat
Für mich sich bemühet so liebereich!
Und was sie geschäftig auch alles that,
Wie war ihr Segen auf mir zugleich.

Wie sehen die lieben Schwestern mich
So trauernd scheiden aus ihrer Zahl,
Die, feuchten Auges, heute für dich
Mich noch geschmückt zum letzten Mal!

Wie glücklich war ich im Mutterhaus!
Wie haben alle mich doch geliebt!
Und dir, Geliebter, folg' ich hinaus,
Dich hab' ich mehr als alle geliebt.

Ich werde, Geliebter, dir unterthan,
Und werde dir dienen in treuer Pflicht.
Was ich verlassen, was ich gethan
Für dich, du Guter, vergiß es nicht.

(zitiert nach Projekt Gutenberg-DE)

Ludwig Uhland: Der Wirtin Töchterlein

Es zogen drei Bursche wohl über den Rhein,
Bei einer Frau Wirtin, da kehrten sie ein:

»Frau Wirtin, hat Sie gut Bier und Wein?
Wo hat Sie Ihr schönes Töchterlein?«

»Mein Bier und Wein ist frisch und klar.
Mein Töchterlein liegt auf der Totenbahr'.«

Und als sie traten zur Kammer hinein,
Da lag sie in einem schwarzen Schrein.

Der erste, der schlug den Schleier zurück
Und schaute sie an mit traurigem Blick:

»Ach, lebtest du noch, du schöne Maid!
Ich würde dich lieben von dieser Zeit.«

Der zweite deckte den Schleier zu
Und kehrte sich ab und weinte dazu:

»Ach, daß du liegst auf der Totenbahr'!
Ich hab' dich geliebet so manches Jahr.«

Der dritte hub ihn wieder sogleich
Und küßte sie an den Mund so bleich:

»Dich liebt' ich immer, dich lieb' ich noch heut'
Und werde dich lieben in Ewigkeit.«

(zitiert nach Projekt Gutenberg-DE)

 

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