Zur Haupt­na­vi­ga­ti­on sprin­gen [Alt]+[0] Zum Sei­ten­in­halt sprin­gen [Alt]+[1]

Ziel des Re­li­gi­ons­un­ter­richts in der Kurs­stu­fe

In­fo­box

Diese Seite ist Teil einer Ma­te­ria­li­en­samm­lung zum Bil­dungs­plan 2004: Grund­la­gen der Kom­pe­tenz­ori­en­tie­rung. Bitte be­ach­ten Sie, dass der Bil­dungs­plan fort­ge­schrie­ben wurde.


Die all­ge­mei­ne Hoch­schul­rei­fe

Fragt man einen Schü­ler/ eine Schü­le­rin, ein El­tern­teil oder eine Lehr­kraft, was das Ziel des Un­ter­richts in der gym­na­sia­len Ober­stu­fe ist, wird er/ sie ant­wor­ten: „das Ab­itur“, die Be­rech­ti­gung zu einem Hoch­schul­stu­di­um. Ge­ra­de die stei­gen­den Ab­itu­ri­en­ten­quo­ten in einem Al­ters­jahr­gang (von 6,1 % im Jahre 1960 auf 43,1 % im Jahre 2005 [1] ), wer­fen je­doch die Frage auf, was die „ All­ge­mei­ne Hoch­schul­rei­fe “ über­haupt be­deu­tet. Was kann es be­deu­te­ten, wenn Schü­le­rin­nen und Schü­ler stu­dier­fä­hig sind? Wel­che Rolle kann in die­sem Kon­text das Fach ka­tho­li­sche Re­li­gi­ons­leh­re spie­len?

Die Ver­ein­ba­rung zur Ge­stal­tung der gym­na­sia­len Ober­stu­fe in der Se­kun­dar­stu­fe II for­mu­liert fol­gen­de Merk­ma­le des Un­ter­richts in der Kurs­stu­fe: „Der Un­ter­richt in der gym­na­sia­len Ober­stu­fe ver­mit­telt eine ver­tief­te All­ge­mein­bil­dung, all­ge­mei­ne Stu­dier­fä­hig­keit sowie wis­sen­schafts­pro­pä­deu­ti­sche Bil­dung. Von be­son­de­rer Be­deu­tung sind dabei ver­tief­te Kennt­nis­se, Fä­hig­kei­ten und Fer­tig­kei­ten in den ba­sa­len Fä­chern Deutsch, Fremd­spra­che und Ma­the­ma­tik. Dar­über hin­aus trägt der Un­ter­richt (…) in Re­li­gi­ons­leh­re bzw. einem Er­satz­fach we­sent­lich zur Ver­wirk­li­chung der Ziele der gym­na­sia­len Ober­stu­fe bei. Der Un­ter­richt in der gym­na­sia­len Ober­stu­fe ist fach­be­zo­gen, fach­über­grei­fend und fä­cher­ver­bin­dend an­ge­legt. Er führt ex­em­pla­risch in wis­sen­schaft­li­che Fra­ge­stel­lun­gen, Ka­te­go­ri­en und Me­tho­den ein und ver­mit­telt eine Er­zie­hung, die zur Per­sön­lich­keits­ent­wick­lung und Stär­kung, zur Ge­stal­tung des ei­ge­nen Le­bens in so­zia­ler Ver­ant­wor­tung sowie zur Mit­wir­kung in der de­mo­kra­ti­schen Ge­sell­schaft be­fä­higt. Im Un­ter­richt in der gym­na­sia­len Ober­stu­fe geht es dar­über hin­aus um die Be­herr­schung eines fach­li­chen Grund­la­gen­wis­sens als Vor­aus­set­zung für das Er­schlie­ßen von Zu­sam­men­hän­gen zwi­schen Wis­sens­be­rei­chen, von Ar­beits­wei­sen zur sys­te­ma­ti­schen Be­schaf­fung, Struk­tu­rie­rung und Nut­zung von In­for­ma­tio­nen und Ma­te­ria­li­en, um Lern­stra­te­gi­en, die Selbst­stän­dig­keit und Ei­gen­ver­ant­wort­lich­keit sowie Team- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­fä­hig­keit un­ter­stüt­zen.“ [2]

In die­sem Aus­zug wer­den die Ziele der gym­na­sia­len Ober­stu­fe all­ge­mein als „ eine ver­tief­te All­ge­mein­bil­dung, all­ge­mei­ne Stu­dier­fä­hig­keit sowie wis­sen­schafts­pro­pä­deu­ti­sche Bil­dung“ be­zeich­net . Die Hoch­schul­rei­fe be­inhal­tet also den An­spruch einer All­ge­mein­bil­dung . Hier­für spielt das Fach Re­li­gi­on vor allem in der kul­tur­her­me­neu­ti­schen Di­men­si­on eine wich­ti­ge Rolle, denn es leis­tet einen wich­ti­gen Bei­trag zum Ver­ste­hen kul­tu­rel­ler Zeug­nis­se wie Ar­chi­tek­tur, Bil­den­de Kunst, Musik und Li­te­ra­tur. Be­reits hier wird deut­lich, dass der Re­li­gi­ons­un­ter­richt sich nicht auf die ei­ge­ne Fach­lo­gik und die Ver­mitt­lung von aus der Sicht der Theo­lo­gie wich­ti­gen In­hal­te be­schränkt, son­dern der Bezug zu an­de­ren Fä­chern und vor allem zur Le­bens­welt der Schü­le­rin­nen und Schü­ler und zu ak­tu­el­len und spä­te­ren An­for­de­rungs­si­tua­tio­nen wie dem Ver­ständ­nis der ei­ge­nen Kul­tur eine große Rolle spielt.

Ein wei­te­rer we­sent­li­cher Be­stand­teil der All­ge­mei­nen Hoch­schul­rei­fe ist die Stu­dier­fä­hig­keit . Der Re­li­gi­ons­un­ter­richt in der Kurs­stu­fe muss nicht nur grund­le­gen­des fach­spe­zi­fi­sches Wis­sen ver­mit­teln, son­dern die Schü­le­rin­nen und Schü­ler müs­sen auch in fach­spe­zi­fi­sche und fä­cher­über­grei­fen­de Me­tho­den ein­ge­führt wer­den, die die Grund­la­ge für ein er­folg­rei­ches Hoch­schul­stu­di­um bil­den kön­nen. Dies wird in den Bil­dungs­plä­nen 2001 und 2004 rea­li­siert, wenn dort be­son­de­rer Wert auf fä­cher­über­grei­fen­des Ler­nen und Trai­ning aller Kom­pe­tenz­be­rei­che ge­legt wird. Die me­tho­di­sche Kom­pe­tenz ist somit ein we­sent­li­cher Be­stand­teil der Stu­dier­fä­hig­keit der Schü­le­rin­nen und Schü­ler.

Die wis­sen­schafts­pro­pä­deu­ti­sche Bil­dung schließ­lich ver­weist auf zen­tra­le In­hal­te und Grund­fra­gen des Fachs, mit denen sich die Schü­le­rin­nen und Schü­ler im Laufe des Re­li­gi­ons­un­ter­richts in der Kurs­stu­fe aus­ein­an­der­set­zen sol­len. Diese In­hal­te wer­den durch den Bil­dungs­plan 2001/ 2004 zu­min­dest in den je­weils ver­pflich­ten­den Halb­jahrsthe­men ent­fal­tet und sind somit für den Un­ter­richt ver­bind­lich.

Ein wei­te­res we­sent­li­ches – wenn nicht zen­tra­les Ziel – des Un­ter­richts in der Ober­stu­fe ist die Per­sön­lich­keits­bil­dung , die es den Schü­le­rin­nen und Schü­ler er­mög­licht, als re­flek­tier­te junge Men­schen ihre Rolle in der Ge­sell­schaft ver­ant­wor­tungs­voll aus­zu­fül­len. Zu die­ser rei­fen und ge­bil­de­ten Per­sön­lich­keit ge­hört auch der ad­äqua­te Um­gang mit dem Phä­no­men Re­li­gi­on, so dass man hier einen Bezug zu den Di­men­sio­nen der re­li­giö­sen Kom­pe­tenz her­stel­len kann. Es wird deut­lich, dass die jun­gen Er­wach­se­nen, die zu einer ver­ant­wor­tungs­vol­len Mit­wir­kung in der de­mo­kra­ti­schen Ge­sell­schaft fähig sind, genau über die Kom­pe­tenz ver­fü­gen sol­len, die z.B. Ul­rich Hemel be­schreibt, wenn von der „er­lern­ba­re(n), kom­ple­xe(n) Fä­hig­keit zum ver­ant­wort­li­chen Um­gang mit der ei­ge­nen Re­li­gio­si­tät in ihren ver­schie­de­nen Di­men­sio­nen und in ihren le­bens­ge­schicht­li­chen Wand­lun­gen“ [3] spricht.

Ein Re­li­gi­ons­un­ter­richt, der den An­for­de­run­gen der Ver­ein­ba­rung zur Ge­stal­tung der gym­na­sia­len Ober­stu­fe ge­recht wird, muss somit genau diese „Kom­pe­tenz in Sa­chen Re­li­gi­on“ för­dern und kann sich nicht pri­mär auf die Ver­mitt­lung von Fach­wis­sen be­schrän­ken. Wel­che­kon­kre­ten Grund­la­gen durch EPA, Bil­dungs­plan und Grund­la­gen hier re­le­vant sind und wie sich dies in der Un­ter­richts­pra­xis kon­kre­ti­sie­ren lässt, soll im Fol­gen­den ge­zeigt wer­den.

 

zu­rück: Eine Be­stands­auf­nah­me - Be­ob­ach­tun­gen im Re­li­gi­ons­un­ter­richt in der Kurs­stu­fe

wei­ter: Grund­la­gen des Un­ter­richts

 


[1] http://​de.​wi­ki­pe­dia.​org/​wiki/​Ab­itur#​Abi​turi​ente​nzah​len_​und_-​quo­ten
[2] Ver­ein­ba­rung zur Ge­stal­tung der gym­na­sia­len Ober­stu­fe in der Se­kun­dar­stu­fe II. Be­schluss der Kul­tur­mi­nis­ter­kon­fe­renz vom 7.7.1972, in der Fas­sung vom 2.6.2006. S. 5.
Down­load unter: http://​www.​kmk.​org/​fi­lead­min/​pdf/​Pre​sseU​ndAk​tuel​les/​1999/​Ver­einb-​z-​Ge­stalt-​d-​gymOb-​i-​d-​SekII.​pdf

[3] zi­tiert nach: Hemel, Re­li­giö­se Kom­pe­tenz als Ziel des Re­li­gi­ons­un­ter­richts, S. 6.

 

Kom­pe­tenz­ori­en­tier­ter Re­li­gi­ons­un­ter­richt in der Kurs­stu­fe: Her­un­ter­la­den [pdf] [411 KB]