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Vor­wort

Mit der Än­de­rung des Schul­ge­set­zes 2015 haben El­tern von Schü­le­rin­nen und Schü­lern mit einem fest­ge­stell­ten An­spruch auf ein son­der­päd­ago­gi­sches Bil­dungs­an­ge­bot die Wahl zwi­schen einer all­ge­mei­nen Schu­le und einem son­der­päd­ago­gi­schen Bil­dungs- und Be­ra­tungs­zen­trum als Bil­dungs­ort.

Mit in­klu­si­ven Bil­dungs­an­ge­bo­ten an all­ge­mei­nen Schu­len gibt es neben den bis­her schon be­kann­ten und be­währ­ten For­men des Mit- und Von­ein­an­der-Ler­nens eine ge­setz­lich ver­an­ker­te wei­te­re Form. Damit kann jede all­ge­mein bil­den­de und be­ruf­li­che Schu­le mit einer Se­kun­dar­stu­fe I grund­sätz­lich auch ein Lern­ort für junge Men­schen mit einem fest­ge­stell­ten An­spruch auf ein son­der­päd­ago­gi­sches Bil­dungs­an­ge­bot sein. Diese Schu­len haben den Auf­trag, ihre Bil­dungs­an­ge­bo­te und ihre Schul­kul­tur so wei­ter zu ent­wi­ckeln, dass Schü­le­rin­nen und Schü­ler mit und ohne einen sol­chen An­spruch ihre Po­ten­zia­le im so­zia­len Mit­ein­an­der ent­wi­ckeln kön­nen. Das stellt Lehr­kräf­te aller Lehr­äm­ter vor große Her­aus­for­de­run­gen und es gilt, Wege zu fin­den und ko­ope­ra­ti­ve Kon­zep­te zu ent­wi­ckeln, nach denen mehr ge­mein­sa­me Er­fah­run­gen im Mit- und Von­ein­an­der-Ler­nen be­reits in der Aus­bil­dung, in Schu­le und Un­ter­richt und in der Leh­rer­fort­bil­dung mög­lich wer­den. Dies stellt eine wich­ti­ge Basis für die Wei­ter­ent­wick­lung von in­klu­si­ven Un­ter­richts­an­ge­bo­ten dar.

Un­ter­richt ge­mein­sam zu ge­stal­ten ist eine ko­ope­ra­ti­ve Auf­ga­be und er­for­dert die Zu­sam­men­ar­beit von Lehr- und Fach­kräf­ten mit äu­ßerst un­ter­schied­li­chen Kom­pe­tenz­pro­fi­len. Vor­aus­set­zung für ein ge­lin­gen­des Mit­ein­an­der ist ein Wis­sen um die je­weils spe­zi­fi­schen Fach- und Lehr­plan­lo­gi­ken, die ent­wi­ckel­ten Hand­lungs­kon­zep­te der je­wei­li­gen Schul­ar­ten bzw. Bil­dungs­gän­ge und ein Wis­sen um ge­lin­gen­de Un­ter­richts­for­men in der Zu­sam­men­ar­beit. Die Fach­lich­keit der Fä­cher und Lehr­äm­ter ei­ner­seits und die der För­der­schwer­punk­te in der Son­der­päd­ago­gik an­de­rer­seits muss im In­ter­es­se der Er­war­tung, dass jede ein­zel­ne Schü­le­rin und jeder ein­zel­ne Schü­ler den Vor­aus­set­zun­gen ent­spre­chend best­mög­lich ge­för­dert wird, gleich­zei­tig wei­ter­hin Be­stand haben. Damit die Bil­dungs­an­sprü­che der Schü­le­rin­nen und Schü­ler am Lern­ort all­ge­mei­ne Schu­le in­ho­her Qua­li­tät ein­ge­löst wer­den kön­nen, ist es im Sinne der Schul­ge­setz­än­de­rung, dass Lehr­kräf­te der all­ge­mei­nen Schu­len und der son­der­päd­ago­gi­schen Bil­dungs- und Be­ra­tungs­zen­tren einen kon­ti­nu­ier­li­chen und be­darfs­ge­rech­ten fach­li­chen Aus­tausch pfle­gen. Grund­sätz­lich ist es so, dass die Lehr­kräf­te un­ter­schied­li­cher Lehr­äm­ter sich die Auf­ga­ben für das Ge­lin­gen der Bil­dungs­bio­gra­fi­en ihrer Schü­le­rin­nen und Schü­ler tei­len und jede Lehr­kraft ihre Fach­lich­keit dabei ein­bringt. Dabei bleibt es über­ge­ord­ne­tes Ziel in­klu­si­ver Bil­dungs­an­ge­bo­te, die so­zia­le Teil­ha­be von jun­gen Men­schen mit Be­hin­de­rung aus­zu­wei­ten und sie wie Schü­le­rin­nen und Schü­ler in son­der­päd­ago­gi­schen Bil­dungs- und Be­ra­tungs­zen­tren ver­gleich­bar auf eine best­mög­li­che Ak­ti­vi­tät und Teil­ha­be in allen Le­bens­be­rei­chen vor­zu­be­rei­ten. Die all­ge­mei­nen Schu­len haben damit nicht nur die Auf­ga­be, den Un­ter­richt vor dem Hin­ter­grund ihrer all­ge­mei­nen Hand­lungs­grund­sät­ze zu kon­zi­pie­ren, son­dern auch auf der Basis der son­der­päd­ago­gi­schen Hand­lungs­grund­sät­ze der ver­schie­de­nen För­der­schwer­punk­te. Um die­ses Ziel zu er­rei­chen, gilt es, gleich­zei­tig die Ent­wick­lungs- und Bil­dungs­zie­le, die im Rah­men der in­di­vi­du­el­len Lern- und Ent­wick­lungs­be­glei­tung (ILEB) ge­mein­sam ge­klärt und fest­ge­legt sind, den Bil­dungs­plan der je­wei­li­gen all­ge­mei­nen Schu­le sowie den zum fest­ge­stell­ten För­der­schwer­punkt gehö- ren­den Bil­dungs­plan zu be­rück­sich­ti­gen.

Im Rah­men des Schul­ver­suchs und seit dem Wirk­sam­wer­den der schul­ge­setz­li­chen Än­de­run­gen konn­ten in den zu­rück­lie­gen­den Jah­ren viel­fäl­ti­ge Er­fah­run­gen im ge­mein­sa­men Ler­nen von jun­gen Men­schen mit und ohne An­spruch auf ein son­der­päd­ago­gi­sches Bil­dungs­an­ge­bot an all­ge­mei­nen Schu­len ge­won­nen wer­den. Der Er­kennt­nis­ge­winn aus die­sem Wei­ter­ent­wick­lungs­pro­zess fin­det sei­nen Nie­der­schlag in vie­len Pro­gram­men der Leh­rer­fort­bil­dung an den Lan­des­aka­de­mi­en wie auch im Rah­men re­gio­na­ler Fort- und Wei­ter­bil­dungs­maß­nah­men. In der Leh­rer­bil­dung der zwei­ten Phase wur­den im Zeit­raum 2015/16 zum The­men­be­reich In­klu­si­on Kom­pe­tenz­stan­dards für alle Lehr­äm­ter ent­wi­ckelt und im­ple­men­tiert. Auch die vom Kul­tus­mi­nis­te­ri­um im Jahr 2016 allen Se­mi­na­ren aus­ge­hän­dig­ten Leit­li­ni­en für die Aus­ge­stal­tung in­klu­si­ver Bil­dungs­an­ge­bo­te für junge Men­schen mit Be­hin­de­rung und ohne Be­hin­de­rung sind für den Vor­be­rei­tungs­dienst eine wich­ti­ge Ori­en­tie­rungs­hil­fe.

Diese Hand­rei­chung soll so­wohl den in der Leh­rer­aus­bil­dung als auch den in der Leh­rer­fort­bil­dung tä­ti­gen Lehr- bzw. Fach­kräf­ten eine in­halt­lich-fach­li­che Ori­en­tie­rung bie­ten. Es wer­den The­men­be­rei­che ab­ge­bil­det, die sich als be­deut­sam für eine ge­lin­gen­de Schul- und Un­ter­richts­kul­tur im Um­gang mit jun­gen Men­schen mit An­spruch auf ein son­der­päd­ago­gi­sches Bil­dungs­an­ge­bot an all­ge­mei­nen Schu­len er­wie­sen haben.

Dem­entspre­chend

  • wird auf­ge­zeigt, wie kom­plex die Her­aus­for­de­run­gen für Schü­le­rin­nen und Schü­ler, Lehr­kräf­te und auch El­tern sein kön­nen (Fall­bei­spiel).
  • wird der ak­tu­el­le wis­sen­schaft­li­che Kennt­nis­stand be­leuch­tet.
  • wird deut­lich ge­macht, dass in­klu­si­ve Bil­dungs­an­ge­bo­te eine Pro­zess­struk­tur er­for­dern, die sich nur durch per­ma­nen­te Ab­stim­mungs- und Aus­hand­lungs­pro­zes­se zwi­schen den be­tei­lig­ten Lehr- und Fach­kräf­ten in einem ko­ope­ra­ti­ven Ver­ständ­nis ge­stal­ten lässt.
  • wer­den The­men und In­hal­te be­schrie­ben, die in der Leh­rer­aus­bil­dung und in der Leh­rer­fort­bil­dung zu er­ör­tern sind.

In einem di­gi­ta­len Teil der Hand­rei­chung wer­den in der Pra­xis ent­wi­ckel­te Bei­spie­le ab­ge­bil­det und an­wen­dungs­ori­en­tiert ver­tieft, die den Zu­gang zu ver­schie­de­nen The­men und In­hal­ten in der Leh­rer­aus­bil­dung und Leh­rer­fort­bil­dung me­tho­disch-di­dak­tisch er­leich­tern kön­nen.

 

In­klu­si­on und Lehr­kräf­te­bil­dung: Her­un­ter­la­den [pdf][1,4 MB]

 

Wei­ter zu Fall­vi­gnet­te