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Verschenkter Strom?


IV.
Verschenkter Strom? Rheinfall-Ideen

Der Rheinfall bei Schaffhausen, Europas größter Wasserfall, ist ein Stück überwältigender Natur pur – bis jetzt. Bis zu 700 Kubikmeter Wasser stürzen pro Sekunde 23 Meter in die Tiefe. Vor 150 Jahren dichtete Eduard Mörike angesichts der Erhabenheit des Naturspektakels: „ Halte dein Herz, o Wanderer, fest in gewaltigen Händen!/ Mir entstürzte vor Lust zitternd das meinige fast./ Rastlos donnernde Massen auf donnernde Massen geworfen .“ Wie lange man diese grandiose und vielbewunderte Urgewalt noch als authentisch bestaunen kann, ist unsicher, weil die schweizerische Firma Rheinkraftwerk Neuhausen AG viel handfesteren Nutzen daraus ziehen will und den Rheinfall zur Stromerzeugung anzapfen will. Geplant sind unterirdischer Turbinen, durch die bis zu 20 Prozent der Wassermassen des Rheinfalls abgeleitet werden sollen.

Die Gewässerschutzorganisation Aqua Viva Rheinaubund ist empört über die Pläne, denn beim Rheinfall handle es sich um „ein einmaliges Naturdenkmal“, und das Anzapfen zum Zwecke der Stromproduktion hält der Sprecher der Schutzorganisation für einen absoluten Tabubruch.

Die Kraftwerkbetreiber und die Verantwortlichen im Kanton Schaffhausen wollen nun zwar den Rheinfall nicht komplett stilllegen und räumen auch ein, dass der touristische Wert nicht geschmälert werden dürfe. Und eine schweizer Naturschutzkommission fordert immerhin, dass der „Erlebniswert“  des Naturschauspiels, zu dem jedes Jahr ca. eine Million pilgern, nicht beschädigt werden dürfe.

Die Rheinkraftwerk AG schlägt nun einen Kompromiss vor, der die genannten Bedenken ausräumen soll: Vorstellbar wäre ein Anzapfen des Rheinfalls und ein Umleiten der Wassermassen „nur in der Nacht“, denn da gebe es ja keine Touristen am Wasserfall.

Nach: Wolfgang Koydl: „Rinnsal von Schaffhausen. Stromerzeuger will 20 Prozent des Rheinfall-Wassers abzweigen“ In: Süddeutsche Zeitung Nr. 84, Donnerstag, 11. April 2013, S. 9

Beurteilen Sie den möglichen Bau des Kraftwerks unter naturethischen Aspekten.