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Naturlyrik

Naturlyrik: ...          
neues Abiturschwerpunktthema ab 2016 im Fach Deutsch

Vorüberlegung Literarische Texte zeigen etwas. Man kann Literatur als indirekten Sprechakt verstehen und Romane wie Gedichte als Veranschaulichung von allgemein-menschlichen Erlebnis-, Empfindungs- und Denkweisen deuten. Damit sind sie auch auslegbar als metaphorische Darstellungen mit impliziten Aussagen (Propositionen) und Thesen; auch solchen über Werte, über die Werthaftigkeit oder Güte menschlichen Denkens, Wollens und Handelns, über mehr oder weniger gelingendes Leben im Ganzen (vgl. Allegorese). - Sofern man diesen Pfad nicht austrampelt und weder im Ethikunterricht einen fortgesetzten Deutschunterricht betreibt noch Romane oder Gedichte auf Thesenillustration reduziert, könnte er für Schüler reizvoll bleiben.

Anwendungsvorschläge

1) Ausgehend von der Beschäftigung mit einzelnen Gedichten kann gefragt werden,

  • welcher Wert der Natur im Gedicht zukommt bzw. zugesprochen wird;
  • welches Selbstverständnis bzw. Bild des Menschen vermittelt wird  (vgl. Konzepte der Anthropologie; basic needs ; capability , ...) und:
  • welches Bild der Natur ( vgl. Konzepte wie „physis“ / Kosmos / ‚Objekt’ / Umwelt / Heimat / Lebensraum / Heiligkeit, mythische Größe / Reflexionsmedium: Spiegel, ‚Seelenlandschaft’, Sehnsuchtsort, Indikator für  Defizitäres / ... )
  • wie sich die Beziehung Mensch (Sprecher / „lyrisches Ich“) – Natur    näherhin bestimmen lässt; geht es (nur) um Faktisches (Deskription) hinsichtlich   äußerer und innerer Wahrnehmungen (Präferenzen) oder auch um   Gesolltes/Geschuldetes (Präskriptives) um das, was (nicht) „gut“ für den Menschen   ist (eudaimonistische Werte)? Und: ob sie begrifflich in die Richtung einer der   Positionen der Ökologischen Ethik weist bzw. eine dieser Positionen negiert.

2) Ein fächerübegreifender Ansatz kann ausgehen von einer allgemeinen  vergleichenden Betrachtung der  Leistungen der menschlichen Sprache      

  • sprachphilosophische Überlegungen zu dem, was wir machen, indem wir sprechen und wozu wir sprechen, setzen an
    • bei den Satzarten (Aussage/Frage/Aufforderung);
    • bei Mitteilungszwecken (Kommunikationsmodelle; Organonmodell);
    • bei der Beziehung Sprache-Denken-Wirklichkeit (W. v. Humboldt: Sprache als „ bildendes Organ des Denkens “, als energeia );
    • bei der pragmatischen Beobachtung, dass Sprechen „ Teil einer Tätigkeit oder einer Lebensform “ ist und die Mannigfaltigkeit von „Sprachspielen [...]  nichts Festes, ein für alle Mal Gegebenes ist, sondern neue Typen der Sprache entstehen, ... und andere veralten und werden vergessen.“ (Wittgenstein, Phil. Unt. § 23)
  • Man kann eine Liste spezifischer Sprechakte und entsprchender performativer Verben für lyrische Texte erarbeiten; vgl. für die Philosophie bei M. Wittschier: Textschlüssel, S. 51 und 116-120;

Eine generelle Behauptung über die der Naturlyrik eigentümliche appellative Funktion der Sprache, ein zugrunde liegendes magisches Denken und archaisch-mythisches Weltbild (Heinz Schlaffer: Geistersprache , S. 144 f) kann weiter exemplifiziert werden. Als These genommen sollte sie aber so nicht nur verifiziert werden, sondern gegebenenfalls auch korrigiert/falsifiziert oder komplettiert/rektifiziert werden: denn der sprachliche Gestus der Naturlyrik kann durch Ausdrucks- (sog. Erlebnislyrik) Darstellungs- oder Reflexions-Funktion (sog. Gedankenlyrik) ebenso geprägt werden wie durch Appell („Zauber“) – es gibt auch ein Denken in (sprachlichen) Bildern.

3) Anthropologische bzw. interkulturelle Konstanten der Mensch-Natur-Beziehung

könnten deutlich werden bei einem Vergleich mit einem englischen, französischen, spanischen, lateinischen, altgriechischen oder chinesischen Gedicht.

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