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homo faber

Max Frisch: Homo faber. Ein Bericht , 1957/2013 81
(D –Abiturschwerpunktthema)

Vorüberlegung

Literarische Texte zeigen etwas. Man kann Literatur als indirekten Sprechakt verstehen und Romane wie Gedichte als Veranschaulichung von allgemein-menschlichen Empfindungs- Denk- und Erlebnisweisen deuten. Damit sind sie auch auslegbar als metaphorische Darstellungen mit impliziten Aussagen (Propositionen) und Thesen; auch solchen über Werte, über die Werthaftigkeit oder Güte menschlichen Handelns, über mehr oder weniger gelingendes Leben im Ganzen (vgl. Allegorese). - Sofern man diesen Pfad nicht austrampelt und weder im Ethikunterricht einen fortgesetzten Deutschunterricht betreibt noch Romane oder Gedichte auf Thesenillustration reduziert, könnte er für Schüler reizvoll bleiben.

Anwendung

Naturbeschreibungen in Ausschnitten (ohne Quellen- und ohne Kontextangabe):

Ich sehe den Mond über der Wüste von Tamaulipas – klarer als je, mag sein, aber eine errechenbare Masse, die um unseren Planeten kreist, eine Sache der Gravitation, interessant, aber wieso ein Erlebnis? ... “ S. 14 f

Mein letzter Flug! ... Wunsch, Heu zu riechen!... Wunsch, auf der Erde zu gehen! ... Zone des Lebens, wie dünn sie eigentlich ist ... wie eine Halskette, bläulich, in großer Schleife um eine Firn-Büste gehängt. “ S. 194-196

Restringierte Naturwahrnehmung und – beschreibung [nur sachlich, ohne Empfindungen, quantifizierender Blick, nur vermittelt/Kamera, ohne „Gestaltwahrnehmung“, unpoetisch] als Symptom/Ausdruck/Metapher eines restringierten Selbstverständnisses des/dieses Menschen Walter Faber, seiner exklusiven Identifikation mit der Rolle des Ingenieurs als (Mit-)Ursache für das Scheitern dieses Lebensentwurfs - Sehnsucht nach „anderer“ Natur, nach lebendiger „Gestalt-Wahrnehmung“ der Natur und Erleben der Natur als „Heimat“ und sinnhaften Ort = Symptom /Ausdruck von (verspäteter) Selbsterkenntnis

  • Fabula docet / argumentum : Der Mensch (der Mann), der sich als homo faber definiert, verkennt dadurch die Natur, die Welt, den Kosmos (mythische Kräfte), den Zufall, die eigene (Lebens-)Zeit; verstrickt sich dadurch in Schuld; entdeckt erst im Scheitern das „bessere“ Selbstbild, „Teil der Erde“ zu sein. - Lebenslauf Walter Fabers = Kritik des „verkürzten“ Anthropozentrismus, der in der Natur nur einen instrumentellen Wert als Ressource sieht und scheitert, weil er jede Form von eudaimonistischem Eigenwerte der Natur (für uns) verleugnet (= Anwendung der Terminologie von A. Krebs, Naturethik im Überblick , S. 337-379)
  • Ein kleiner philosophischer Gegentext zu Homo faber ist der Essay „ Der falsche Frühling “ von Vilém Flusser, der an einem konkreten Beispiel zeigt, inwiefern bei der Naturwahrnehmung eines modernen Menschen naturwissenschaftliche, aristote-lische und mythisch-religiöse Kategorien ineinandergreifen und nicht – wie in Homo faber – gegeneinander ausgespielt werden müssen. – Ein literarischer Gegentext ist Primo Levis Der Ringschlüssel ., München, Hanser 1992 (ital. Orig. 1978)

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Hinweis: Hier finden Sie einen ausführlichen Projektvorschlag zu Homo Faber.