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Sternthaler Fortbildungsaufgabe

Zum identifikatorischen Lesen in den Klassenstufen 5/6: Das Märchen

Zum Abstecken des Bereichs, in dem das identifikatorische Lesen texterschließend wirksam wird, ist es nützlich, sich seine Wirksamkeit vor Augen zu führen. Dies hilft auch dabei, die neuen Anforderungen, die die Klassenstufen 7/8 stellen, einzuschätzen sowie den Weg zu ihrer Bewältigung zu planen.

Die Sternthaler

Es war einmal ein kleines Mädchen, dem war Vater und Mutter gestorben, und es war so arm, daß es kein Kämmerchen hatte darin zu wohnen und kein Bettchen mehr darin zu schlafen und endlich gar nichts mehr als die Kleider auf dem Leib und ein Stückchen Brot in der Hand, das ihm ein mitleidiges Herz geschenkt hatte. Es war aber gut und fromm. Und weil es so von aller Welt vergessen war, ging es im Vertrauen auf den lieben Gott hinaus in's Feld. Da begegnete ihm ein alter Mann, der sprach: »Ach, gieb mir etwas zu essen, ich bin so hungrig.« Es reichte ihm das ganze Stückchen Brot und sagte: »Gott segne dir's« und ging weiter. Da kam ein Kind, das jammerte und sprach: »Es friert mich so an meinen Kopf, schenke mir etwas, womit ich ihn bedecken kann.« Da that es seine Mütze ab und gab sie ihm. Und als es noch eine Weile gegangen war, kam wieder ein Kind und hatte kein Leibchen an und fror: da gab es ihm seins; und noch weiter, da bat eins um ein Röcklein, das gab es auch von sich hin. Endlich gelangte es in einen Wald, und es war schon dunkel geworden, da kam noch eins und bat um ein Hemdlein, und das fromme Mädchen dachte: »Es ist dunkle Nacht, da sieht dich niemand, du kannst wohl dein Hemd weggeben,« und zog das Hemd ab und gab es auch noch hin. Und wie es so stand und gar nichts mehr hatte, fielen auf einmal die Sterne vom Himmel, und waren lauter harte blanke Thaler: und ob es gleich sein Hemdlein weggegeben, so hatte es ein neues an und das war vom allerfeinsten Linnen. Da sammelte es sich die Thaler hinein und war reich für sein Lebtag.

Kinder und Hausmärchen, Grimm 1819 1, Quelle: http://gutenberg.spiegel.de/buch/-6248/162

Im Bereich Texte und andere Medien der inhaltsbezogenen Kompetenzen heißt es bei den Standards der Klassenstufen 5/6: Die Schülerinnen und Schüler können

(13) ihr Verständnis literarischer Figuren und ihrer Beziehung zueinander formulieren, dabei innere und äußere Merkmale sowie ihr Verhalten beschreiben, begründen und bewerten

  • Formulieren Sie einen Arbeitsauftrag, der in einer fünften oder sechsten Klasse den oben stehenden Standard abbildet und die Fähigkeit zum identifikatorischen Lesen nutzt.
  • Skizzieren Sie einen Erwartungshorizont für den Arbeitsauftrag.

1   Die Textgestalt entspricht der der Originalausgabe.

 

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