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Er­geb­nis­se der Un­ter­richts­stun­den

In­fo­box

Diese Seite ist Teil einer Ma­te­ria­li­en­samm­lung zum Bil­dungs­plan 2004: Grund­la­gen der Kom­pe­tenz­ori­en­tie­rung. Bitte be­ach­ten Sie, dass der Bil­dungs­plan fort­ge­schrie­ben wurde.

Wie lau­ten nun die Er­geb­nis­se der Un­ter­richts­stun­den? Alle vier Klas­sen for­mu­lie­ren den Satz des Py­tha­go­ras. In Klas­se A sagt der Leh­rer ir­gend­wann: „Tau­schen kann man nur in dem Fall, wenn das Drei­eck recht­wink­lig ist.“ Das ist die For­mu­lie­rung, sehr nah an der An­wen­dungs­si­tua­ti­on.


Klas­se A

Tau­schen kann man nur in dem Fall, wenn das Drei­eck recht­wink­lig ist.

münd­lich
vom Leh­rer

Klas­se B

Wenn das Drei­eck einen rech­ten Win­kel hat, dann ist die Summe der obe­ren Fel­der ge­nau­so groß wie das große Feld.

münd­lich
vom Leh­rer

Klas­se C

In einem recht­wink­li­gen Drei­eck ist die Summe der Flä­chen­in­hal­te über den klei­nen Sei­ten ge­nau­so groß wie die Flä­che der gro­ßen Seite.

schrift­lich
von der Leh­re­rin

Klas­se D

In einem recht­wink­li­gen Drei­eck sind die Flä­chen der Qua­dra­te an den Ka­the­ten zu­sam­men gleich groß wie die Flä­che des Qua­drats an der Hy­po­the­nu­se.

schrift­lich
Schü­ler und Leh­rer im Ge­spräch

In Klas­se B wird schon eine wenn-dann-Struk­tur for­mu­liert. Dies ist also schon etwas ma­the­ma­ti­siert, aber es ist immer noch von „Fel­dern“ die Rede: „Wenn das Drei­eck einen rech­ten Win­kel hat, dann ist die Summe der obe­ren Fel­der ge­nau­so groß wie das große Feld.“ Das ist ein biss­chen un­glück­lich for­mu­liert, weil mit der „Summe der Fel­der“ na­tür­lich die „Flä­che der Fel­der“ ge­meint ist.

In Klas­se C ist schon von der Summe der Flä­chen­in­hal­te die Rede. Dann steht aber an der Tafel, sehr ver­ein­facht und ma­the­ma­tisch un­kor­rekt: „ ... ge­nau­so groß wie die Flä­che der gro­ßen Seite“ – was na­tür­lich nicht stimmt.

In Klas­se D , die 18 Mi­nu­ten in die­sen Pro­zess in­ves­tiert hat, ent­wi­ckeln die Schü­ler die Dinge schritt­wei­se, und zum Schluss steht der ma­the­ma­tisch kor­rekt for­mu­lier­te Satz an der Tafel. Eine ein­fa­che Be­trach­tungs­wei­se wäre zu sagen, das sind Leh­rer, die sind gut und strikt in Ma­the­ma­tik. Wir haben mit den Leh­rern lei­der kei­nen Test zu ihrem ma­the­ma­ti­schen Wis­sen ge­macht. Ich habe die star­ke Ver­mu­tung, dass wir große Un­ter­schie­de fin­den wür­den und dass die Leh­rer A und B deut­lich we­ni­ger ma­the­ma­ti­sches Fach­wis­sen haben als die Leh­rer C und vor allem Leh­rer D. In der Art, wie sie diese Un­ter­richts­ein­heit um­set­zen, of­fen­bart sich das ma­the­ma­ti­sche Fach­wis­sen und ver­mut­lich auch ein un­ter­schied­li­ches Ver­ständ­nis von ma­the­ma­ti­scher Strin­genz.

Ins­ge­samt sehen Sie, dass C und D in der all­ge­mei­nen Un­ter­richts­qua­li­tät durch­aus ver­gleich­bar sind. C ist eine Leh­re­rin, die sehr klar or­ga­ni­sier­ten Un­ter­richt macht, die sich mit Grup­pen­un­ter­richt aus­kennt, eine vor­bild­li­che Leh­re­rin. Was ihr im Un­ter­schied zu D fehlt, ist das Mehr an ma­the­ma­ti­scher Ar­gu­men­ta­ti­on, an ma­the­ma­ti­scher Dis­kur­si­vi­tät und Klar­heit. Leh­re­rin C in­ves­tiert in Ko­ope­ra­ti­on, Leh­rer D in­ves­tiert in ma­the­ma­ti­sche Ar­gu­men­te. Die bei­den Lehr­kräf­te A und B kön­nen of­fen­bar weder in das Eine noch in das An­de­re so rich­tig in­ves­tie­ren, was mit fol­gen­dem Hin­ter­grund zu tun hat: B ist die Klas­se, die von den vier Klas­sen die ge­rings­ten Vor­aus­set­zun­gen an ko­gni­ti­ven Grund­fä­hig­kei­ten hat, auch die An­stren­gungs­be­reit­schaft der Schü­ler/innen ist we­ni­ger groß als in den an­de­ren Klas­sen. A ist eine Klas­se, in der die Schü­ler/innen von einem hohen Leis­tungs­druck aus dem El­tern­haus be­rich­ten, und sie be­rich­ten von vie­len ne­ga­ti­ven Emo­tio­nen, die mit Ler­nen ver­bun­den sind, von Angst, von Leis­tungs­druck. Und es gibt auch wei­te­re Kon­text­fak­to­ren, die hier­bei eine Rolle spie­len. Des­halb kann man das nicht kau­sal in­ter­pre­tie­ren.

wei­ter