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China: Einheit / Unterrichtsbeispiele

Klasse 10

Hinweis

Die Sequenzplanung umfasst 10 Doppelstunden, wovon 7 für eine Erfüllung des Bildungsplans im Sinne des Kerncurriculums ausreichend sind. Eine rot markierte Doppelstunde und zwei ebenfalls rot markierte Einzelstunden stellen eine optionale Vertiefung dar. Die beiden in grün markierten Stunden 13/14 und 15/16 sind jeweils als Alternativen zu sehen. (Siehe PDF für farbliche Gliederung!)

Übergeordnete Kompetenzbeschreibung

Die Schülerinnen und Schüler können Strukturen und aktuelle Herausforderungen der chinesischen Gesellschaft aus ihrer Geschichte und den Beziehungen zum westlichen Europa erklären.

Prozessbezogene Kompetenzen

Inhaltsbezogene Kompetenzen

Konkretisierung, Vorgehen im Unterricht

Ergänzende Hinweise Arbeitsmittel, Organisation, Verweise

RK 1: Historisches Vergleichen

Fenster nach Westen:
die Handelspolitik Chinas beschreiben, seine Abschottung gegenüber Europa sowie die Entwicklung der europäischen Dominanz im Indischen Ozean analysieren
(Zheng He-Expedition, Seeweg nach Indien)

1./2. Stunde: Die Fahrten des Zheng He als Wendepunkt zwischen vernetzender Expansion und Abschottung; Isolation als Beginn des Niedergangs an Weltgeltung

Einstieg:

  • Anknüpfung an Vorwissen über China

  • Wie sähe die Welt heute aus, wenn nicht Kolumbus und die Europäer, sondern die Chinesen Amerika entdeckt und erobert hätten?

Warum haben sie es nicht getan? Waren sie dazu nicht in der Lage oder die Europäer einfach schneller?

Erarbeitung:

  • Die abgebrochene Globalisierung der Ming: Zheng He im Indischen Ozean im Vergleich mit Kolumbus

  • Schatzflotte als fahrende Stadt; Tribute statt direkte Herrschaft

  • Abbruch aus geostrategischen und weltanschaulichen Hintergründen: Konzentration auf Große Mauer und Isolation (Konfuzianismus); dauerhafte Folgen für chinesische Technologie und Innovation

  • Reaktion der Europäer: Kanonenbootpolitik im Indischen Ozean

  • Systematische Gewaltanwendung durch Portugiesen, Engländer und Niederländer

  • Zerstörung des selbstregulierten Handelssystems

Fazit und Problematisierung:

Abschottung aus Tradition als langfristiger Fehler Chinas und die europäische Gewalt als Strukturelement des beginnenden Kolonialismus

Schulbuch-Seiten zu China: Erster Erhabener Kaiser (Klasse 6), Mongolen (Klasse 7), Imperialismus (Klasse 8), Zweiter Weltkrieg im Pazifik (Klasse 9)

D1 Übersicht der chinesischen Geschichte für Schüler

AB 01 Zheng_He

AB 02 Wahrnehmungen

Sachkompetenz: Strukturierung

China als Imperium charakterisieren
(multiethnisches Imperium, Kaiserreich, Konfuzianismus, Schrift, Beamte, Hochkultur)

3./4. Stunde:

Einstieg:

  • Macartney-Mission: Macartney möchte im Auftrag des britischen Königs China für englische Waren öffnen und somit das Außenhandelsdefizit verringern. Dabei kommt es zum diplomatischen Disput, ob Kniefall oder Kotau vor dem Kaiser zu machen sind. Man einigt sich auf einen Kniefall ohne Handkuss, der Kaiser schickt aber eine Depeche mit:

  • Welcher Anspruch wird hier formuliert? Die chinesische Selbstsicht: nur Arroganz oder echte Größe?

Erarbeitung:

Betrachtung: Der chinesische Kaiser Quianlong hat in seinem Palast große Gemälde aufgehängt, die dem Hofstaat und auch den Gesandten der tributpflichtigen Länder die Macht des Himmelssohnes und seines Reiches zeigen sollten.

Betrachtet diese Darstellungen und sammelt Fragen, die euch hierzu einfallen.

Zuteilung nach Interesse zu den 6 Bereichen:

- Kaiser als 2000 Jahre alte Repräsentations- und Integrationsfigur

- Modernes Heer und Logistik als Herrschaftsinstrument

- Verwaltung über direkte und indirekte Herrschaft; konfuzianischer Beamtenapparat

- Tolerierung verschiedener Religionen innerhalb des Reiches, Zusammenarbeit mit tibetischen und muslimischen Eliten

- Schaffung von Infrastruktur: Kaiserkanal

- Förderung von Schrift und Kultur (optional)

Fazit und Problematisierung:

China ist als Reich der Mitte eines der ältesten und stabilsten staatlichen Gebilde der Geschichte. Die Herrschaft einer bürokratischen Kaste von Beamten, die unterschiedliche Behandlung der verschiedenen Völker, fortschrittliche Infrastruktur und eine eigene literarisch-künstlerische Hochkultur halten das Reich zusammen. Gleichzeitig sorgen ein gottgleicher Kaiser als Inkarnation der staatlichen Ordnung und eine gewisse Offenheit gegenüber den eroberten Gebieten und ihrer Tradition für Legitimität.

Abschottung gegen äußere Einflüsse: Ursache eigener Stärke oder Beginn von Rückständigkeit?

Schüler spielen Kotau nach

AB03a_Antwort_Qianlong_MacCartney

AB03b_Gallery walk

AB04_Gruppenpuzzle_Qianlong

Sachkompetenz: Regionalgeschichtliche Beispiele

Fenster nach Westen:
die Handelspolitik Chinas beschreiben, seine Abschottung gegenüber Europa sowie die Entwicklung der europäischen Dominanz im Indischen Ozean analysieren
(Zheng He-Expedition, Seeweg nach Indien)

5. Stunde: Eurasischer Handel im 18.Jhdt. an regionalgeschichtlichen Beispielen (optional)

Einstieg :

  • Wie wirkte sich der eurasische Handel auf die chinesische und die europäischen Gesellschaften aus?

Erarbeitung:

  • Teilung der Klasse in 2 Hälften:

  • a) Europa und der chinesische Einfluss: Chinamanie in Europa (Chinoiserien, Feste am Beispiel Rastatt); Konsumrevolution bei der Oberschicht bis ins Bürgertum, Exportdefizit v.a. durch Tee,

  • b) China und der europäische Einfluss: Europäer am Hofe Qianlongs (Jesuiten),

  • Der gewerbliche Reichtum Chinas bleibt trotz Abschottung für Europa hoch attraktiv, billige Teeimporte sorgen in Europa sogar für eine Konsumrevolution und ein starkes Außenhandelsdefizit v.a. Großbritanniens. Im Gegenzug öffnete sich der Kaiser und die höchste Administration für Wissenschafts- und Kulturtransfer.

Fazit und Problematisierung:

  • Wie autark ist die chinesische Kultur im Vergleich zur europäischen Kultur wirklich?

AB05_China_Europa_Kontakte

AB06_Historikerurteil

Reflexionskompetenz/Orientierungskompetenz: Sach- und Werturteil

Fenster nach Westen:
China als Beispiel für informellen Imperialismus charakterisieren
(Opiumkrieg, Open Door)

6. Stunde: Schmugglerbekämpfung oder Kolonialismus? GB und China im Konflikt

Einstieg :

Warum reagiert Großbritannien mit einer Kriegserklärung auf die Bekämpfung von Schmuggel?

Erarbeitung:

Wirkungszusammenhänge herstellen:

- Probleme der chinesischen Landwirtschaft

- Korruption und Unzufriedenheit der Bevölkerung

- britisches Handelsdefizit mit China und der Entschluss: Opium statt Silber

- britisch-chinesische Schmugglerpraxis bis 1839

Fazit und Problematisierung:

  • Das chinesische Imperium „alten Typs“ unterliegt im Konflikt mit dem industrialisierten und modernisierten britischen Empire „neuen Typs“. Spätestens jetzt kann vom Aufstieg Europas, besonders GBs ausgegangen werden (great divergence)

  • „Right oder Wrong my country“: Wie unmoralisch darf Wirtschaftspolitik sein (Vergleich mit Adam Smith)

AB07_Opiumkrieg_Einstieg

AB08_Opium_mystery

AB09_Wirtschaftsmoral_Opium

Methodenkompetenz:

Textanalyse und Karikaturanalyse

Fenster nach Westen:
China als Beispiel für informellen Imperialismus charakterisieren
(Opiumkrieg, Open Door)

7/8. Stunde: Die britische China-Politik: Durchsetzung legitimer Freihandelsinteressen oder Beginn der Kolonialisierung?

Einstieg:

- Ist Abhängigkeit schon Kolonialisierung? Wann beginnt Kolonialisierung?

Erarbeitung:

  • Textanalyse Vertrag von Nanjing als erstes Beispiel der ungleichen Verträge:

  • Verlust staatlicher Souveränität über Vertragshäfen (Rechtshoheit, Zollhoheit)

  • Reparationen und diplomatische Gleichstellung der Briten

- Abtretung der Insel Hongkong an England

  • Europäischer Imperialismus und open door policy

  • Imperialistische Motive der Europäer am Bsp. Deutschland

  • Motive der aufständischen Boxer

Fazit und Problematisierung:

  • Anders als Indien wird China zwar nicht direkt von einer europäischen Großmacht kolonisiert, verliert aber große Teile seiner Souveränität. Europäer und USA sichern sich durch die ungleichen Verträge rücksichtslos Handelsverträge und schrecken im Fall von Widerstand auch vor rücksichtsloser Niederschlagung nicht zurück (informeller Imperialismus).

  • Das Kaisertum verliert an Akzeptanz in der Bevölkerung, ein auf nationale Stärke ausgerichteter Antimperialismus wird zum gemeinsamen Band der verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen Chinas.

Erosion oder Unterwerfung? Was bestimmte den Niedergang Chinas im 19.Jahrhundert?

AB10_Vertrag_Nanjing

AB11_Ungleiche Verträge

Z.B.:

https://www.dhm.de/lemo/kapitel/kaiserreich/aussenpolitik/boxeraufstand/

AB12a

AB12b

Sachkompetenz: Strukturierung

die Entstehung und Entwicklung der Volksrepublik China sowie die Lebensbedingungen der Bevölkerung analysieren und beurteilen
(Maoismus, „Der große Sprung nach vorn“, Kulturrevolution, Umerziehung, Personenkult)

9.Std. Überblick: Die Republik China: Implosion des Qing-Imperiums oder kommunistische Revolution?

10.Std. Vertiefung: Der Widerstand gegen Japan als Ursprung des kommunistischen Erfolgs? (optional)

Einstieg:

- Bild Sun Yatsen und Republik

Erarbeitung :

  • Revolution 1912, 4-Mai-Bewegung, Bürgerkrieg bis 1949, Akteure und Zielsetzungen im Vergleich

  • Japanische Besetzung und der nationale Widerstand: Vergleich der Guomindang und der Kommunistischen Partei (Ziele, Methoden, regionale Schwerpunkte, Parteimilizen, Ideologie, Ergebnis)

Fazit und Problematisierung:

  • Warum setzte sich sich die zunächst schwache KPChi durch?

Überblicksstunde China 1912-1949

Reflexionskompetenz: Urteilsbildung

die Entstehung und Entwicklung der Volksrepublik China sowie die Lebensbedingungen der Bevölkerung analysieren und beurteilen
(Maoismus, „Der große Sprung nach vorn“, Kulturrevolution, Umerziehung, Personenkult)

11/12. Stunde: Großer Sprung nach vorn und Hungerkrise als Beispiel für gescheiterte Modernisierungsutopie (Alternative 1)

Einstieg:

Gallery walk: Propaganda-Plakate (Versprechung: Wohlstand und Fortschritt für 1000 Jahre) und Realität: 40 Millionen Hungertote in 3 Jahren

kognitive Dissonanz

Fragen und Vermutungen entwickeln

Erarbeitung:

  • Übersicht über Zielsetzung und Vorgehen der chinesischen Regierung unter Mao beim „Großen Sprung nach vorn“:

  • direkte und indirekte Wirkungen der Umsetzung auf die Ernährungslage bis zur Hungernsnot

Partnerarbeit

  • Wirkungen des Großen Sprungs an ausgewählten Textquellen

  • 30 Millionen Tote; zerrüttete Wirtschaft; Verschwendung von Ressourcen, insbesondere Absinken des Grundwasserspiegels, Umweltschäden

Fazit / Problematisierung:

  • Kühne Vision oder verbrecherische Utopie? Wie viel Verantwortung trägt Mao?

Alternative

Filmsequenz aus Spiegel-Doku: Mao: Kampf gegen die Spatzen

AB13_Präsentation Folie 1-5

AB14_Großer Sprung-1 (Schema)

AB15a_Volkskommunen

AB15b_Mao_Imperialismus

AB16_Großer Sprung-Gruppenarbeit

Braucht man Utopien für politische Projekte? Welche Rolle dürfen ideologische bzw. utopische Planungen für Politik spielen?

Methodenkompetenz: Plakatanalyse

die Entstehung und Entwicklung der Volksrepublik China sowie die Lebensbedingungen der Bevölkerung analysieren und beurteilen
(Maoismus, „Der große Sprung nach vorn“, Kulturrevolution, Umerziehung, Personenkult)

13./14. Stunde: Große Proletarische Kulturrevolution: Fortschritt oder Barbarei? (Alternative 2)

Einstieg:

Wie beseitigt man autoritäre Strukturen in der Schule? Lösungsmöglichkeiten

Vorstellung eines Beispiels aus einer chinesischen Schule mit kognitiver Dissonanz

Die chinesische Gesellschaft unter Mao: Fortschritt oder Barbarei?

Erarbeitung:

  • Plakatanalyse: Propaganda-Plakate zur Kulturrevolution

  • Kritische Überprüfung: Inwiefern werden die Ansprüche umgesetzt, welche Wandlungen gab es, welche Wirkungen erzielt? Umerziehung

  • Erarbeitung von Ursachen, Anlass und Ergebnis der Kulturrevolution

  • Der imperiale Schatten: Tibet, Mongolei und Xinjiang im kommunistischen China:

  • gezielte Sinisierung der Gebiete und Enteignung der Nomaden

  • Vertreibung des Dalai Lama 1959

  • erzwungene Assimilation: 20 000 tote Mongolen als „ethnische Abweichler“ während der Kulturrevolution

Fazit / Problematisierung:

  • Volksrepublik China: ein totalitärer Staat?

AB17 Plakatanalyse

AB 17a Hilfestellung

AB 18 Kulturrevolution Internetanalyse

AB18a Mao-Kult

SK 2: Zäsuren und Kontinuitäten benennen und in ihrer Bedeutung beurteilen

die Reformen seit Deng Xiaoping charakterisieren
(Marktwirtschaft, Sozialismus, Reformpolitik)

15./16. Stunde: Vom Ausland lernen? Die Reformen von Deng Xiaoping

Einstieg:

  • Welche Reformen sind notwendig, um das tief erschütterte China wieder ins Lot zu bringen?

Erarbeitung:

- 4 Grundprinzipien des chinesischen Reformkurses und ihre Umsetzung (Auslandsinvestitionen, Legalisierung, Ein-Kind-Politik, Privatisierungen, Auflösung der Volkskommunen)

- Der Song „Ich habe nichts“ und die Protestbewegung 1989 sowie deren Niederschlagung

Fazit / Problematisierung:

  • Blockierte Modernisierung oder importierte Reform?


17./18. Stunde: Tibet als Fallstudie für antimperialen Imperialismus kommunistischer Ausrichtung (optional)

Einstieg:

Tibet-Problem aus westlicher und chinesischer Sicht (Kontroversität)

Leitfrage: Wie kommt es zum umstrittenen Status von Tibet?

Erarbeitung:

Wikipedia -Text von 2015 im Vergleich zu heute über die Verlaufsgeschichte der wikis:

Erarbeitung von Differenzen, insbesondere in der Bewertung der Eroberung Tibets unter Qianlong und des Tibetaufstandes 1959

17-Punkte-Abkommen 1951 und dessen Bruch

Tibetaufstand 1959 und Vertreibung des Dalai Lama, blutige Unterdrückung

Zerstörung der Klöster in der Kulturrevolution

Sinisierung durch Han-Chinesen

Fazit/Problematisierung

Kampf gegen Autokratie oder neoimperialer Kolonialismus? Die Tibet-Politik Chinas seit 1950

Historiker-Texte

FK 1: Fragen an die Geschichte formulieren und vorgegebene historische Fragestellungen nachvollziehen

19./20. Stunde: Das Rätsel China: Aktuelle Herausforderungen und ihre Bedeutung für uns

Einstieg:

  • China: ein Rätsel

Erarbeitung:

Aktuelle Herausforderungen

  • anhaltendes Bevölkerungswachstum mit starkem Wohlstandsgefälle

  • Korruption und zunehmendes Legitimationsdefizit KP

  • wirtschaftliche Stagnation bei Wohlstandsversprechen

  • Stellung als Großmacht in Asien und im Weltzusammenhang

  • Umwltprobleme (Smog, Bodenerosion)

Fazit und Problematisierung:

  • Lösung der Probleme in historischer Perspektive

  • Kontrolle und Unterdrückung von Vielfalt/Autonomie, Bewahrung des kommunistischen Modells auf dem Territorium des Qing-Reiches

  • Großmachtpolitik in historischer Tradition, v.a. Rückkehr zur aktiven Außenhandelspolitik wie schon zu Zeiten der Seidenstraße und Zheng Hes

  • Erinnerungskultur und nationale Basisnarrative zur Identitätsstiftung, insbesondere Revitalisierung des Mao-Kultes, Tabuisierung der Katastrophen der 1950er-1970er Jahre

  • wie tragfähig sind die Lösungen?

  • Film: http://www.merics.org/de/merics-analysen/das-politische-system-der-volksrepublik-china/#c7317

AB 19a

AB 19b

AB 19c

 

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