Wildner: „Der Himmel über dem Platz“
Kurzinformation
Empfehlung für Klassenstufe 7-8
Abb. 1: Fussball [sic!], Frauen, Länderspiel, Deutschland - Serbien, von Steffen Prößdorf [CC BY-SA 4.0] via Wikimedia
Im Mittelpunkt von Wildners Roman stehen die Erfahrungen einer überdurchschnittlich begabten Fußballspielerin in einer Jungenmannschaft. Dabei findet eine differenzierte Auseinandersetzung mit Geschlechterrollen und Diskriminierungserfahrungen im Leistungssport und darüber hinaus statt. Die Protagonistin Jo, aus deren Sicht die Geschichte erzählt wird, ist etwa dreizehn Jahre alt (ihr genaues Alter wird im Text nicht genannt, lässt sich aber erschließen). Da ihre Mädchenmannschaft ihr nicht die Möglichkeit bieten kann, auf einem höheren Niveau zu spielen, schließt sie sich einem Jungenverein an. Dort entwickelt sie sich zwar sportlich weiter, sie ist aber auch erheblichem ‚Mobbing‘ vonseiten ihrer Mitspieler ausgesetzt. Die Jungen können es offensichtlich nicht akzeptieren, dass ein erfolgreiches Mädchen die traditionelle ‚Männerdomäne‘ Fußball erobert. Zugleich wird sie auch von ihren ehemaligen Mitspielerinnen gemieden, da diese ihr den Weggang nicht verzeihen. Hinzu kommen durch Joes Vater ausgeübter Leistungsdruck und innerfamiliäre Konflikte. Am Ende deutet sich für die Protagonistin eine vielversprechende Zukunft an, in der sich sportlicher Erfolg, ein Wandel der traditionellen Geschlechterrollen und familiärer Zusammenhalt miteinander verbinden.
Der Text lässt sich im weiteren Sinne dem populären Genre des – bislang weitgehend männlich dominierten – ‚Fußballromans‘ zuordnen, weist aber in seiner thematischen Vielschichtigkeit und ästhetischen Gestaltung zugleich weit über dieses hinaus. Die Genderthematik wird äußerst differenziert beleuchtet. So werden bestehende binäre Oppositionen im Sprechen und Handeln über Geschlechtszugehörigkeiten repräsentiert, aber immer wieder auch durch Figuren und Diskurse durchkreuzt, die sich jenseits eindeutiger Zuschreibungen bewegen. Diese facettenreiche Auseinandersetzung mit der Genderthematik spiegelt sich auch in einer komplexen literarästhetischen Gestaltung wider, die unter anderem durch ein dichtes Netz an Symbolen und Leitmotiven sowie intertextuellen und intermedialen Verweisen gegeben ist und dadurch altersgerechtes und doch anspruchsvolles literarisches Lernen ermöglicht. Wildners Text zeichnet sich trotz dieser Komplexität durch eine große Lebensnähe und Zugänglichkeit aus und dürfte damit gerade jugendliche Leserinnen und Leser ansprechen, und zwar, aufgrund seiner thematischen Vielschichtigkeit, unabhängig davon, ob sie sich bereits für Fußball interessieren oder durch den Roman einen Einblick in ihnen bisher unbekannte Lebenswirklichkeiten erhalten. Da das Thema ‚Frauenfußball‘ – inklusive vieler Chancen und weiterhin bestehender Aspekte der Benachteiligung – in den letzten Jahren eine starke gesellschaftliche und mediale Präsenz erhalten hat, bietet sich zudem der Einsatz von Sach- und Meinungstexten sowie audiovisuellen Beiträgen zu dieser Thematik an.
Aufgrund der anspruchsvollen literarästhetischen Gestaltung und des jugendlichen Alters der Protagonistin erscheint der Roman für die Jahrgangsstufen 7 und 8 empfehlenswert (und weniger für Klasse 6, wie zum Teil in didaktischen und unterrichtspraktischen Publikationen zu finden).
Textausgaben:
Marc Böhmann: »Der Himmel über dem Platz« im Unterricht. Lehrerhandreichung zum Ju-gendroman von Martina Wildner (Klassenstufe 6-7, mit Kopiervorlagen). Weinheim / Basel 2022 .
Literaturwissenschaftl. Einordnung & Deutungsperspektiven
Didaktische Hinweise & Vernetzung
Literatur, Textausgaben & mediale Umsetzungen
Wildner: „Der Himmel über dem Platz“: Herunterladen [docx][752 KB]
Weiter zu Inhalt