Zur Hauptnavigation springen [Alt]+[0] Zum Seiteninhalt springen [Alt]+[1]

Didaktische Hinweise & Vernetzung

Didaktische Hinweise

Tonio Schachingers „Echtzeitalter“ kommt dem Leben und Lebensgefühl heranwachsender Jugendlicher besonders nahe. Um dies für die Jugendlichen im Unterricht erlebbar zu machen, kann auf manche Aspekte ein unterrichtlicher Schwerpunkt gelegt werden, anderes als Vertiefungsmöglichkeit angeboten, wiederum anderes auch weggelassen werden.

Für die Auseinandersetzung mit der eigenen Lebensrealität und damit fürs Lernen am literarischen Beispiel bieten die Figuren und Themen des Romans mannigfaltige Anknüpfungspunkte. Till kann hier exemplarisch für die Entwicklung von Jungen fruchtbar gemacht und auch kritisch erarbeitet und diskutiert werden. Bei Feli wiederum trifft dies für die Mädchen zu. Bruno Dolinar ist als Lehrer das Negativbeispiel schlechthin, dessen Wirken für Till und viele Schülerinnen und Schüler lebensbestimmende Folgen hat.

Besonders ist die Gestaltung, Verarbeitung und Darstellung des Gamings. Auch hier lässt sich eine Verknüpfung zwischen Unterricht und Lebenswirklichkeit der Schülerinnen und Schüler herstellen. Ist Gaming eine Sucht? Ist es ein Fluchtraum oder ist es gar die Möglichkeit eines neuen Weltzugriffs? Und auch stilistisch ermöglicht das Gaming für den Roman gewinnbringende Erkenntnisse. So wird zum Beispiel in Kapitel 10 über die Sprache des Gamings räsoniert. Hier kann man in der Klasse über Sprachgestaltung und –entwicklung miteinander ins Gespräch zu kommen.

„Echtzeitalter“ leistet darüber hinaus auch einen Beitrag zur Demokratiebildung. Das Thema Rassismus ist hier zentral zu nennen. Der latente Rassismus in der österreichischen Gesellschaft ist Thema in „Echtzeitalter“. Für die Klassen 9 und 10 können hier dann auch Anknüpfungspunkte fürs materialgestützte Schreiben oder für das Thema „Rassismus in der Sprache“ gefunden und so die Demokratiebildung im Deutschunterricht konkret angegangen werden. Außerdem lassen sich auch Verbindungen zum Geschichtsunterricht oder anderen gesellschaftswissenschaftlichen Fächern herstellen. So ist zum Beispiel im Normalfall in Klasse 9 ein Besuch in einer Gedenkstätte eines Konzentrationslagers oder zumindest die unterrichtliche Beschäftigung mit der Shoa im Curriculum verankert. Die interfachliche Verknüpfung der Themen Rassismus und Antisemitismus kann die Schülerinnen und Schüler zur Reflexion der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen anregen.

Das literarästhetische Lernen ist nicht nur anhand der Figurengestaltung möglich, sondern auch auf weiteren Ebenen. So kann am Beispiel der Erzählsituation die Frage nach der Modernität und modernem Erzählen thematisiert werden. Durch das zentrale Gestaltungsmittel der Intertextualität kann literaturhistorisches Bewusstsein erzeugt werden. So werden diverse Werke und Autoren zitiert (Klassiker der deutschen Literatur, wie Schillers „Wilhelm Tell“ (vgl. S. 19), Klassiker der Moderne, wie Thomas Manns „Tod in Venedig „Tod in Venedig“ (vgl. S. 18), und weitere), auch fallen die Namen aktuellerer Autoren wie zum Beispiel Daniel Glattauer (vgl. S. 17).

Die sprachliche Gestaltung ermöglicht auch Anknüpfungspunkte an den Sprachgebrauch der Jugendlichen heutzutage.

Vernetzung

Alfred Andersch: Der Vater eines Mörders. Eine Schulgeschichte. 1980.

Hermann Hesse: Das Glasperlenspiel 1943.

Hermann Hesse: Unterm Rad 1905.

Erich Kästner: Das fliegende Klassenzimmer 1933.

Ursula Poznanski: Erebos 2011.

Yasmina Reza: Der Gott des Gemetzels 2006.

Textausgabe:

Taschenbuchausgabe: Tonio Schachinger: Echtzeitalter. Hamburg 2024.

Schachinger: „Echtzeitalter“: Herunterladen [docx][172 KB]