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Vorschläge für die Umsetzung

Als Einstieg in den Roman bieten sich folgende Möglichkeiten an:

Der Roman steht in einer oralen Tradition. Er ist einfach, formhaft und episodenhaft gehalten. Preußler selbst hat seinen Roman auch eingelesen. Daher ist ein Einstieg über das (Vor-)Lesen oder Hören möglich.

Selbstredend ist „Krabat“ damit auch komplett als (Vor-)Leseeinheit konzipierbar. Im Zentrum können zunächst Vorlesetechniken stehen. Auch können Lautleseverfahren hier ihren Einsatz finden, um die basale Lesefähigkeit der Schülerinnen und Schüler (erneut) in den Blick zu nehmen. Thematisch können dann die Sage/das Märchen als typische Muster des Erzählens er- und bearbeitet werden. Eine historische Verortung des Romans in die Lausitzner Sagenwelt kann hier auch seinen Platz finden. Produktionsorientiert können eigene Sagen produziert werden, so zum Beispiel eigene Pumphutt-Geschichten. Doch auch wenn die Behandlung auf andere Aspekte des Romans Schwerpunkte legt, ist das gemeinsame Lesen des Romans, das Erleben seiner Wirkmacht wichtig. Für das Erleben der Sprache kann auch die Lesung Preußlers herangezogen werden.

Ein anderer Erstzugriff könnte über die Band ASP gehen. Diese hat als sechstes Album „Zaubererbruder – Der Krabat-Liederzyklus“ aufgenommen. Als Einstieg vor der Lektüre können die ersten beiden Titel daraus nutzbar gemacht werden. Damit können Vorhersagen für die Inhalte des Romans gemacht werden. Nach der Lektüre können die Erwartungen dann überprüft und diskutiert werden. Die weiteren Lieder des Albums können ergänzend in der Einheit bearbeitet werden.

Die Kunst bietet einen weiteren alternativen Zugang zum Roman. Für die Erstausgabe gestaltete Herbert Holzing (1931-2000) Bilder, die sowohl für einen vorentlastenden Einstieg, wie auch für eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Verhältnis zwischen Wort und Bild genutzt werden können. Eine von Mehrdad Zaeri (*1970) neu illustrierte Ausgabe von „Krabat“ ist anlässlich von Preußlers hundertstem Geburtstag im Jahr 2023 erschienen. Im Gegensatz zu den bunten Märchenbildern der Erstausgabe heben Zaeris Kohlezeichnungen eher die düsteren Aspekte des Romans hervor und eignen sich damit gut für einen Vergleich verschiedener Illustrationen und ihrer Wirkung auf die Rezeption.

Im Zentrum einer Einheit, die einen Beitrag zur Demokratiebildung leisten kann, steht die Entwicklung der Figur Krabat. Sie lässt sich analytisch beispielhaft an den Kapiteln „Die Mühle am Koselbruch“, „Kein Honigschlecken“ und „Das Angebot“ zeigen:

Krabat wird als Junge in einer prekären Situation im Kapitel „Die Mühle am Koselbruch“ eingeführt: Er ist Waise, hat keinen Wohnsitz und ist arm. Neugierig und naiv folgt er den Lockungen des Meisters und er bleibt trotz ungutem Gefühl in der Mühle.

Zunächst hat er nur für seine Bedürfnisse Raum, was sich unter anderem im Kapitel „Kein Honigschlecken“ zeigen lässt. Die Arbeit auf der Mühle ist hart und Krabat sieht am Beispiel von Juro auch, dass hier nicht alle gut behandelt werden. Dennoch sieht er für sich mehr Vorteile darin, an dem beängstigenden Ort zu bleiben. Auch im Kapitel „Der mit der Hahnenfeder“ wird deutlich, dass er, der Gefahr ins Auge schauend, dennoch nur den Blick auf sich und seine Bedürfnisse gerichtet hat. Emotional wirft er hier den anderen Mühlenknaben vor, ihn nicht einweihen zu wollen.

Im letzten Kapitel begegnet dem Lesenden ein anderer Krabat. Er geht vorbereitet und überlegt in die letzte Konfrontation mit dem Meister, er lässt sich nicht manipulieren, ist willensstark und vor allem nicht um sich besorgt, sondern um die Kantorka. Dies führt letztlich zu seiner Befreiung durch eben diese.

Für diese Reifung sind unterschiedliche Figuren und Aspekte wesentlich, so zum Beispiel die Freundschaft mit Tonda und Juro und die Liebe, oder auch weiße Magie der Kantorka.

Mit Tonda kommen Vertrauen und Zutrauen in Krabats Leben. Bereits im Kapitel „Elf und einer“ wird deutlich, dass Tonda für ihn eine wichtige Vertrauensperson werden kann. Im Kapitel „Das Mal der Geheimen Bruderschaft“ wird die enge Verbindung der beiden deutlich. Die Kapitel „Das Andenken“ und „Ohne Pastor und Kreuz“ verdeutlichen dies. In „Ein milder Winter“ erscheint Tonda Krabat im Traum und verweist ihn auf einen weiteren Freund. Hier kann das Thema Freundschaft aufgegriffen und vertieft werden.

Juro wird zum wichtigsten Vertrauten. Wesentliche Kapitel für diese Figur sind „Kein Honigschlecken“, „Wege im Traum“, „Im Schein einer Osterkerze“, „Pferdehandel“. Am Ende des Kapitels „Hinter Sonne und Mond“ hilft Juro Krabat seine Träume zu bändigen. In „Überraschungen“ offenbart sich Juro dem Freund. Mit dem Kapitel „Ein schweres Stück Arbeit“ beginnen die beiden, sich gegen den Meister zu stellen. Auch in „Der Adler des Sultans“ wird die enge Verbundenheit zwischen den beiden deutlich.

Doch letztendlich ist es die Kantorka, die für Krabats Loslösung vom Meister eine entscheidende Rolle spielt. Sie tritt in der ersten Osternacht („Das Mal der Geheimen Bruderschaft“) in sein Leben. In der nächsten Osternacht („Im Schein einer Osterkerze“) sieht er sie zum ersten Mal. Sie findet Eingang in seine Träume („Wie man auf Flügeln fliegt“). In der dritten Osternacht („Ich bin Krabat“) sehen sich Krabat und die Kantorka von Angesicht zu Angesicht. Ihr Band ist ein zartes, und doch hat es große Auswirkungen. Mit diesem Zusammentreffen ändert sich Krabat („Hinter Sonne und Mond“), er träumt von der Kantorka. Seine Veränderung fällt seinen Mitgesellen fällt auf und schließlich auch dem Meister. Dieser wird hellhörig und beginnt, Krabat Fallen zu stellen. Letztlich wird die Kantorka zur Rettung. Sie verspricht Krabat Hilfe („Ein Ring von Haar“) und rettet ihn im letzten Kapitel. Die tiefe Liebe, die beide verbindet, zeigt sich letztlich darin, dass sie bereit ist, ihr Leben für ihn zu opfern und er dabei Angst um sie hat.

Mit der Kantorka kommt der Topos des Weiblichen als Erlösung zum Tragen. Hier können auch Parallelen zu Preußlers eigenen Erlebnissen in der Kriegsgefangenschaft (Ärztin im russischen Gefangenlager und Verlobte Annelies Briefe ins Lager) herangezogen werden. Überlegenswert ist auch ein Vergleich der weiblichen Figur Kantorka mit anderen z.B. in den Grimm’schen Märchen oder in Balladen, in denen die Rollenzuschreibung der Frau als Helferfigur des Mannes, oder als Projektionsfläche der Interessen des Mannes zum Tragen kommen kann. Am Anschluss an einen solchen Exkurs kann auch die Frage stehen, ob die Kantorka ein starke Haupt- oder eine schwache Nebenfigur ist. Eine mündliche Diskussion über diese Aussage kann auch als Vorbereitung einer literarischen Erörterung in den späteren Klassen fungieren.

An dieser Stelle kann ein historischer Exkurs zum Thema Nationalsozialismus oder ein politischer Exkurs zu totalitären Regimen eingefügt werden. Aber auch eher abstrakt über die Themen Macht oder Freundschaft können wesentliche Impulse mit den Schülerinnen und Schülern gemeinsam erarbeitet werden. Hier können auch kreative Schreibimpulse gesetzt werden. In welcher Gesellschaft möchte ich leben? Was zeichnet eine ungerechte Gesellschaft aus? All dies sind Fragen, deren Beantwortungen verschriftlicht werden können.

Denkbar ist hier auch eine Übung zur literarischen Erörterung. Preußler selbst sagt: „Die Schwarze Magie beruht auf Hass, die Weiße auf den Kräften der Liebe. Ich hoffe, dass das in meinem Buch von Krabat deutlich genug zum Ausdruck kommt.“ Dazu kann man die Schülerinnen und Schüler Stellung nehmen lassen oder produktiv mit diesem Zitat arbeiten lassen.

Hinweis: Neben der inhaltlichen Komposition ist auch die Erzählweise (Wortwahl, Sprache und Erzähltechnik) Preußlers wesentlich für den Erfolg des Romans. Daher kann diese an geeigneter Stelle auch Teil einer Unterrichtseinheit sein. Eventuell verbunden mit einem Blick auf den Schriftsteller Otfried Preußler.

Ende oder Ziel der Behandlung des Romans kann eine für die Schülerinnen und Schüler passende produktionsorientierte Verarbeitungsmöglichkeit der Lektüre sein. So kann etwa ein Whatsapp-Status gestaltet werden, eine Tiktok Buchempfehlung veröffentlicht oder auf Wattpad die Geschichte Krabats eigenständig fortgeschrieben werden. Bei allen Varianten entsteht durch Kommentarfunktionen die Möglichkeit, aufeinander Bezug zu nehmen, einen Diskurs zu starten. Damit wird aus einem eher passiven Leseakt ein aktiver kultureller (und eventuell auch demokratischer) Beitrag (siehe dazu: Anja Ballis/Mirjam Burkard 2023).

Textausgabe:

Otfried Preußler: Krabat. Stuttgart 2021.

Pressler: „Dunkles Gold“: Herunterladen [docx][84 KB]