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Literaturwissenschaftliche Einordnung & Deutungsperspektiven

Die Zahl der Nacherzählungen von Ilias und Odyssee ist groß; jede hat ihre Vorzüge und ihre Nachteile, die von denjenigen, die mit den Stoffen vertraut sind, unterschiedlich gewichtet werden. Wie bei Sagenstoffen üblich, gibt es eine Fülle von Einzelüberlieferungen; die teilweise schon in der Antike zu umfassenden Nacherzählungen zusammengeführt wurden. In Deutschland hat die in pädagogischer Absicht verfasste Nacherzählung von Gustav Schwab („Sagen des klassischen Altertums“, 1838-1840) besonders stark gewirkt.

Um abschätzen zu können, welche Entscheidungen Autoren und Autorinnen von Nacherzählungen getroffen haben, empfiehlt es sich, das zur Kenntnis zu nehmen, was diese selbst über ihr Anliegen äußern. So spricht Paul Hühnerfeld 1956 in seinem Vorwort zu „Der Kampf um Troja“ mit Blick auf Homers Epen von „Männer[n] und Frauen […], die wir verstehen, die wir mit Recht als unsere geistigen Ahnen ansehen können“ (S. 7) und erhebt den Anspruch „in unserer Sprache, mit unseren Worten, so, als ob die Helden […] erst gestern lebten“ (S.8) von diesen zu erzählen. Beides muss aus heutiger Sicht kritisch gesehen werden. Die Sprache der 1950er-Jahre ist ein Dreivierteljahrhundert später nicht mehr die der Schülerinnen und Schüler von heute und statt von „Verstehen“ würde man heute vorsichtigere Formulierungen bevorzugen, etwa „Ähnlichkeiten erkennen“ oder „Verbindungen herstellen“.

Die leicht ironisch kommentierende, Kindern zugewandte Erzählhaltung, die syntaktische Einfachheit und vor allem die Tatsache, dass trotz der knappen Darstellung und der pädagogischen Kommentierung genügend Raum bleibt für eine differenzierte Auseinandersetzung mit den Figuren und ihrem Handeln, lassen diese Nacherzählung jedoch auch heute noch für die erste Begegnung mit dem Stoff im Literaturunterricht geeignet erscheinen.

Textausgabe:

Paul Hühnerfeld: Der Kampf um Troja. München 1956/1986. Bearbeitete Neuauflage nach den Regeln der Rechschreibreform 17. Auflage, 2003.

Hühnerfeld: „Troja“: Herunterladen [docx][194 KB]