Vorschläge für die Umsetzung
Mit jüngeren Schülerinnen und Schülern (Kl. 7/8) empfiehlt sich eine lektürebegleitende Erarbeitung; für höhere Klassenstufen (Kl. 9/10) sollte eine individuelle Lektürephase vorgeschaltet werden.
Vorgestaltung / Einstieg (Kl. 7/8):
Ausgangspunkt der Beschäftigung mit dem Roman könnte der Titel „Schneeriese“ sein – möglicherweise haben Schülerinnen und Schüler die gleiche Assoziation wie Michael Sommer, der den Roman in einem seiner Playmobil-Kurzfilme präsentiert – und denken an den Yeti. Anschließend liest die Lehrkraft den letzten Absatz des vierten Kapitels (S. 42) vor, in dem geschildert wird, wie Stella einen „Schneeengel“ erzeugt und Adrian einen „Schneeriesen“. Vermutlich ist allen Kindern die Figur bekannt, die entsteht, wenn man sich rückwärts in frischen Schnee fallen lässt und durch Auf- und Abbewegungen der Arme Flügel erzeugt. Die Textstelle eignet sich zudem, um Vorausdeutungen als Merkmal literarischer Texte zu thematisieren: Ein „flügellos[er]“ Schneeriese auf „leichenblasse[m] Grund“ verheißt Unheil für den Protagonisten und da der Anfang noch nicht gelesen wurde, kann der Satz „Er begriff, dass auch dunkle Tage weiß sein konnten“ Anlass für eine Vorausdeutung in umgekehrter Richtung sein: Was könnte zuvor geschehen sein? Die Auflösung dieser und gegebenenfalls weiterer Fragen erfolgt durch die Lektüre des ersten Kapitels.
Vorgestaltung / Einstieg Klasse 9/10:
Der Schwerpunktsetzung „Intertextualität“ entsprechend geht die Behandlung des Romans im Unterricht in diesem Fall aus vom Song „A Lion’s Heart“ von The Tallest Man on Earth. Ein Auszug von 7 Versen ist dem Roman als Motto vorangestellt.
Lektürephase Klasse 7/8:
Der Roman wird in mehreren Abschnitten gelesen. In Anlehnung an die Struktur eines klassischen Dramas kann die Handlung dafür in die folgenden fünf Abschnitte unterteilt werden, die fünf Abschnitten der unterrichtlichen Behandlung entsprechen:
- I (Kapitel 1-5): Einführung der Figuren und Anbahnung des Konflikts
- II (Kapitel 6-9): Steigende Handlung – Adrians wachsende Wut
- III (Kapitel 10-14): Peripetie – Verkehrung der Wut in Kälte und Erstarrung
- IV (Kapitel 15-18): Fallende Handlung – Tauwetter
- V (Kap. 19-23): Lösung der Erstarrung.
Der erste Unterrichtsabschnitt dient der Annäherung an die Figuren und der Erarbeitung der Figurenkonstellation. Im zweiten Abschnitt steht die Analyse der Erzählsituation sowie die Vertiefung der Figurenanalyse im Vordergrund. Der dritte Abschnitt, an dessen Ende Adrian nur knapp dem Kältetod entrinnt, ist der Auseinandersetzung mit dem Thema „Kälte“ und den Parallelen zu Andersens „Schneekönigin“ gewidmet. Im vierten Unterrichtsabschnitt werden Aspekte der sprachlichen Gestaltung sowie Elemente der Komik analysiert. Der letzte Abschnitt eignet sich für die Untersuchung des Handlungsverlaufs und sollte auch Gelegenheit zur Wertung geben – z.B. im Booktok-Format.
Lektürephase Kl. 9/10:
In den höheren Klassenstufen können die obengenannten Aspekte nach der Lektüre arbeitsteilig von den Schülerinnen und Schülern selbständig erarbeitet werden. Anschließend werden die intertextuellen Bezüge des Textes und deren Relevanz für die Interpretation behandelt.
Leistungsüberprüfung:
In Klasse 7/8 könnte ausgehend von der Analyse der Erzählsituation ein Paralleltext aus der Sicht einer anderen Figur geschrieben werden. Eingeführt werden könnte der Aufgabentyp nach Abschluss von Abschnitt III, wenn deutlich geworden ist, dass das Bild, das Leserinnen und Leser sich von den Figuren gemacht haben, weitgehend Adrians Blickwinkel entspricht, also unvollständig oder in Teilen sogar unzutreffend ist. Eine weitergehende Aufgabe kann nach der Analyse der sprachlichen Gestaltung erfolgen und den Auftrag enthalten, für die gewählte Figur – analog zur Figur Adrian - eine passende Sprache zu finden.
In Klasse 9/10 könnten zweiteilige Aufgabenstellungen bearbeitet werden, die zunächst die Beschreibung eines der intertextuellen Bezüge inklusive relevanter Textzitate verlangt und im zweiten Teil eine wertende Auseinandersetzung mit der Intertextualität ermöglicht. Dafür müssten die Referenztexte (Song „A Lion’s Heart“, Andersen: Das Mädchen mit den Schwefelhölzern, Andersen: Die Schneekönigin) ebenfalls – zumindest auszugsweise und/oder in Form von Referaten im Unterricht behandelt worden sein. Zahlreiche Hinweise für die Auseinandersetzung mit intertextuellen Aspekten des Romans finden sich bei Schmitt (2015).
Textausgabe:
Susan Kreller: Schneeriese. Taschenbuch. Carlsen 2016.
Kreller: „Schneeriese“: Herunterladen [docx][228 KB]