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Inhalt

Szene 1: Pierre stürmt in die Mädchentoilette, um dort seine zum wiederholten Male schlecht ausgefallene Mathearbeit zu entsorgen. Er wird überrascht von Lisasophie, die ihren Geigenkasten auf der Toilette vergessen hat. Als Lisasophie die Toilette verlassen will, stellt sie fest, dass die Tür inzwischen abgeschlossen worden ist.

Szene 2: Die beiden Kinder unternehmen verschiedene erfolglose Versuche, die Tür zu öffnen und am Fenster auf sich aufmerksam zu machen. Da Pierre kein Handy besitzt und Lisasophies Guthaben aufgebraucht ist, können sie niemanden benachrichtigen. Lisasophie entdeckt Pierres Mathearbeit als Ursache für die verstopfte Toilette und kommentiert abfällig Pierres mathematische Fähigkeiten.

Szene 3: Pierre und Lisasophie sprechen über die Mathearbeit und Pierres unglaubwürdige Erklärung dafür, dass sie in der Toilette gelandet ist. Lisasophies Trostversuche sowie ihre wenig empathischen Reaktionen auf Pierres Erklärungen lassen erkennen, dass es ihr kaum möglich ist, sich in Pierres Situation zu versetzen.

Szene 4: Pierre gelingt es, Lisasophie vom Thema Schule abzubringen, indem er vorschlägt, etwas zu spielen. Sie beginnen, ausgehend vom Theaterspiel im Unterricht, ein Rollenspiel zu entwickeln. Eine Taube am Fenster lenkt sie ab und führt sie zurück in die Realität.

Szene 5: Das Gespräch kommt auf außergewöhnliche Fähigkeiten und Interessen. Pierre irritiert Lisasophie dadurch, dass er erzählt, wie er sie in der Schule und auch außerhalb davon beobachtet hat. Dabei hat er Lisasophie in ihrer privaten Fantasiewelt agieren sehen.

Szene 6: Es gelingt Pierre, Lisasophie davon zu überzeugen, dass er sie nicht gestalkt, sondern lediglich beobachtet hat, um sich eventuell etwas abzuschauen, das er nutzen kann, um bessere Leistungen zu erzielen. Beide schwören sich gegenseitig, ihr privates Wissen über den anderen für sich zu behalten.

Szene 7: (Kein Dialog, nur Nebentext): Die Nähe, die durch den Schwur entstanden ist, erzeugt Verlegenheit. Lisasophie und Pierre sprechen nicht miteinander und irritieren sich gegenseitig durch ihr Verhalten und die Geräusche, die sie dazu machen.

Szene 8: Das Gespräch wird wieder aufgenommen; Thema sind unter anderem die Werte der beiden Familien. In Bezug auf den Umgang mit schulischen Leistungen wird abermals deutlich, dass Lisasophie, die den Leistungserwartungen ihrer bildungsbürgerlichen Eltern vollkommen entspricht, zwar die Floskeln reproduziert, mit denen in ihrer Familie die Bedeutung schulischer Leistungen herunterspielt wird, Pierres Verzweiflung angesichts seines Schulversagens trotz zahlreicher Fördermaßnahmen jedoch nicht wirklich nachvollziehen kann. Zum wiederholten Male stellt Lisasophie im Gespräch zudem fest, dass Pierre Schwierigkeiten mit dem Verstehen bildlicher Redewendungen hat.

Szene 9: Pierres Weinen löst in Lisasophie Mitleid aus; sie wendet sich ihm zu und versucht ihn aufzubauen. Kurz darauf kommt das Gespräch wieder auf die Beziehungen in den Familien. Beide Kinder wissen sich geliebt von ihren Eltern. Die Situation entspannt sich vorübergehend, doch die Stimmung kippt, als Lisasophie von Pierre erfährt, dass sie in der Klasse, unter anderem wegen des Auftretens ihrer Eltern in der Schule, als „Prinzessin Schleim“ gilt. Besonders hart trifft sie die Erkenntnis, dass ihre Freundin ihr nichts davon gesagt hat.

Szene 10: Lisasophies Handy klingelt; ihre Mutter ist am Apparat. Anstatt die Möglichkeit zur Befreiung aus der misslichen Toilettensituation zu nutzen, stellt Lisasophie ihre Mutter wegen des elterlichen Ehrgeizes zur Rede, der ihr in der Klasse geschadet hat. Als die Mutter darauf nicht eingeht, beendet sie das Gespräch und verweigert zu Pierres Entsetzen die Annahme weiterer Anrufe der Mutter. Beim Ringen der Kinder um das Telefon fällt es in die Toilette und lässt sich nach dem Herausholen nicht mehr anschalten.

Szene 11: Nach einer Gesprächspause gibt Lisasophie freiwillig mehr von ihrer privaten Fantasiewelt preis (vgl. Szene 5). Pierre zeigt sich zugewandt und interessiert, was wiederum Lisasophie beeindruckt. Die Kinder teilen sich einige Nüsse, die Pierre noch in seiner Tasche findet.

Szene 12: Es ist dunkel geworden, Erschöpfung macht sich breit; die Kinder unternehmen erneut den Versuch, auf sich aufmerksam zu machen. Schließlich werden sie von der Turnhalle aus vom Hausmeister bemerkt, der sich auf den Weg zum Schulhaus macht. Damit endet das Stück.

Textausgabe:

Milena Baisch: Die Prinzessin und der Pjär, © Verlag der Autoren, Frankfurt am Main 2013.

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