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Lösung


Philo-Talk – Positionen und Argumente aus der aktuellen philosophischen Debatte

Heute mit dem Philosophen Rainer Forst zum Thema „Menschenwürde“

 

Philo-Talk: Rainer Forst, geboren 1964, ist Professor für Politische Theorie und Philosophie an der Universität Frankfurt/M. Er gilt als ein herausragender Vertreter der jüngsten Generation der sog. „Frankfurter Schule“. In seinen Forschungen z.B. zum Begriff der Toleranz oder dem der Menschenwürde wurde er sehr durch seinen akademischen Lehrer, Jürgen Habermas, beeinflusst. - Herr Forst, ich begrüße Sie herzlich und danke Ihnen, dass Sie Zeit gefunden haben, sich mit uns zu unterhalten! 

Forst: Guten Tag, ich freue mich auf unser Gespräch!

Philo-Talk: Wir wollen heute den Begriff der „Menschenwürde“ näher untersuchen. Ihrem Verständnis nach hat der Begriff der Menschenwürde eine Funktion in der Begründung der Menschenrechte. Könnten Sie uns in wenigen Worten sagen, welche Rolle die Menschenwürde Ihrer Meinung hier einnimmt?

Forst: Sofern die Menschenrechte institutionell sicherstellen sollen, dass kein Mensch auf eine Weise behandelt wird, die ihm oder ihr gegenüber nicht als moralisch Gleiche(r) gerechtfertigt werden kann, impliziert dies - reflexiv gesprochen -, dass es einen Grundanspruch gibt, der allen Menschenrechten voraus und zugrunde liegt, nämlich der Anspruch, in dem Sinne als autonomes Wesen respektiert zu werden, dass man das Recht hat, nicht bestimmten Handlungen oder Institutionen unterworfen zu werden, die einem gegenüber nicht angemessen gerechtfertigt werden können.

Philo-Talk: Sie verstehen die Menschenwürde also - grob gesagt - als Ausdruck eines Anspruches, als autonomes Wesen geachtet zu werden. Und das heißt konkret, unter politischen und sozialen Bedingungen zu leben, die durch den Respekt vor den Menschenrechten beschrieben werden kann. - Wie verstehen Sie die Menschenrechte genauer?

Forst: Erstens haben Menschenrechte einen gemeinsamen Grund in einem basalen moralischen Recht, dem Recht auf Rechtfertigung . Zweitens liegt die rechtliche und politische Funktion der Menschenrechte darin, dieses Grundrecht sozial effektiv zu gewährleisten, in substantieller und prozeduraler Hinsicht. Der substantielle Aspekt besteht in der Aufgabe, Rechte zu formulieren, die angemessene Formen des wechselseitigen Respekts ausdrücken und deren Verletzung zwischen freien und gleichen Personen als nicht rechtfertigbar angesehen wird; der prozedurale Aspekt betont die hierfür wesentliche Bedingung, dass niemand einem System von Rechten und Pflichten - einem rechtlich-politischen Regime, wenn man so will - unterworfen werden sollte, an deren Bestimmung er oder sie nicht als autonomes Rechtfertigungswesen partizipieren kann. So schützen die Menschenrechte nicht nur die Autonomie von Personen, sie drücken sie auch aus.

(...)

Die Fortsetzung der Philo-Talk – Positionen und Argumente aus der aktuellen philosophischen Debatte finden Sie im Download.

 

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