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Lösung


Aufgabe 1

Originaltext: Die Natur des Menschen und seine Würde

In eigenen Worten nachformulierter Text („Dolmetschen“)  – Lösungsvorschlag

"Aber es geht die gesamte Frage nach dem rechten Handeln an, immer vor Augen zu haben, wie sehr die Natur des Menschen über dem Vieh und den übrigen Tieren steht.

Wenn man sich überlegt, wie der Mensch richtig handelt, dann muss man immer im Blick behalten, dass er sehr hoch über den Tieren steht.

Jene empfinden nichts außer der Lust und stürzen zu ihr mit aller Leidenschaft,

Tiere sind in erster Linie triebgesteuert.

der Geist des Menschen aber nährt sich durch Lernen und Denken, erforscht oder treibt immer irgend etwas und läßt sich durch Freude am Sehen und Hören leiten.

Der Mensch aber entwickelt sich, indem er Neues aufnimmt, erforscht, darüber nachdenkt und daraus lernt.

Ja, wenn einer den Vergnügungen ein wenig zugeneigt ist, wenn er nur nicht zur Gattung des Viehs gehört - manche sind nämlich Menschen nicht der Sache, sondern nur dem Namen nach -,

Dabei muss man einschränken, dass manche Menschen sich wie Tiere verhalten.

aber wenn einer auch nur ein wenig höher steht, verbirgt er sogar, auch wenn er von der Lust erfaßt wird, es doch und verheimlicht den Trieb zur Lust aus Scheu. 

Einer, der auch nur ein bisschen höher steht, verheimlicht den Trieb zur körperlichen Lust, weil er sich dafür schämt.

Daran erkennt man, daß körperliche Lust nicht recht des Vorranges des Menschen würdig ist und daß man sie geringschätzen und zurückweisen muß.

Aus diesem Verhalten lässt sich ablesen, dass man körperliche Lust geringschätzen und sie verdrängen muss, da sie der Vorrangstellung des Menschen nicht würdig ist.

Wenn es aber einen gibt, der etwas der Lust einräumt, so muß er in ihrem Genuß sorgsam Maß halten.

Wenn jemand aber gern Lust empfindet, so darf er dabei nicht übertreiben, sondern muss Maß halten.

Daher soll Lebensführung und Pflege des Körpers auf die Gesundheit abgestellt sein und auf die Körperkräfte, nicht auf die Lust. 

Infolgedessen sollte die Lebensführung auf die Erhaltung der Gesundheit, und nicht auf das Ausleben der Lust gerichtet sein.

Und wenn wir bedenken wollen, welche Auszeichnung und welche Würde in (unserer) Natur liegt, werden wir auch einsehen, wie häßlich es ist, in Ausschweifungen sich gehen zu lassen und üppig und weichlich zu leben,

Wenn wir uns vor Augen führen, welche Würde in der Natur des Menschen liegt, ist es leicht einzusehen, wie unpassend es ist, sich in Ausschweifungen gehen zu lassen, dabei zu üppig leben und dadurch zu verweichlichen.

und wie ehrenvoll, sparsam, enthaltsam, streng und nüchtern."

Marcus Tullius Cicero, Vom rechten Handeln
herausgegeben und übersetzt von Karl Büchner, Artemis Verlag, München und Zürich, 1987, S.91

Sparsam, enthaltsam, streng und nüchtern zu leben ist dagegen ehrenvoll.

 

Originaltext: Gleiche und Nicht-Gleiche

In eigenen Worten nachformulierter Text („Dolmetschen“)  – Lösungsvorschlag

Und es muß dieselbe Gleichheit bei den Personen, denen ein Recht zusteht, vorhanden sein, wie bei den Sachen, worin es ihnen zusteht: wie die Sachen, so müssen auch die Personen sich verhalten.

Wenn es um Gleichheit geht, dann kommt es nicht nur darauf an, dass jedem das Gleiche zusteht. Es kommt auch darauf an, ob die Personen, denen ein Recht zusteht, gleich – i.S. von ebenbürtig - sind.

Sind sie nämlich einander nicht gleich, so dürfen sie nicht gleiches erhalten.

Wenn sie nämlich nicht ebenbürtig sind, so haben sie keinen Anspruch auf das Gleiche.

Vielmehr kommen Zank und Streit eben daher, daß entweder Gleiche nicht Gleiches oder nicht Gleiche Gleiches bekommen und genießen.

Viel Zank und Streit kommt genau daher, dass entweder Gleiche nicht Gleiches oder nicht Gleiche Gleiches bekommen und genießen.

Das ergibt sich auch aus dem Moment der Würdigkeit.

Eine Ursache für dieses Prinzip der Gleichheit ist die Würdigkeit.

Denn darin, daß eine gewisse Würdigkeit das Richtmaß der distributiven Gerechtigkeit sein müsse, stimmt man allgemein überein,

Keiner bezweifelt, dass Würdigkeit, also der Stand in der Gesellschaft  bzw. die Verdienste für die Gemeinschaft ein Kriterium bei einer gerechten Verteilung sein muss.

nur versteht nicht jedermann unter Würdigkeit dasselbe,

Nur versteht jeder unter Würdigkeit etwas anderes.

sondern die Demokraten erblicken sie in der Freiheit, die oligarchisch Gesinnten in Besitz oder Geburtsadel, die Aristokraten in der Tüchtigkeit.

Aristoteles, Nikomachische Ethik, 60. Kapitel, übersetzt von Eugen Rolfes, 1911, Felix Meiner Verlag,
http://gutenberg.spiegel.de/
buch/2361/60

Die Demokraten erblicken Würdigkeit in der Geburt als freier Bürger Athens, die oligarchisch Gesinnten in Besitz oder Geburtsadel, die Aristokraten in der Tüchtigkeit.

 

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