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Alleinerziehende

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Fallbeispiel 2: Alleinerziehende Mutter

Silke Linnemann (42) und ihr Sohn Joan (3) genießen am Strand von Sellin die ersten gemeinsamen Ferien. „Diese Urlaubswoche ist das, was ich mir an Luxus gegönnt habe“, sagt Silke Linnemann. Die selbstständige Architektin muss penibel rechnen: Vor eineinhalb Jahren hat sie sich von ihrem Mann getrennt. Der war mit seinen Geschäften in Konkurs gegangen und damit „psychisch nicht fertig geworden“. Nun versucht er in Dubai etwas Neues. Für Mutter und Kind bleibt allerdings auch jetzt nichts übrig. Deshalb hat Silke Linnemann zu Hause einen strikten Finanzplan aufgestellt und ein ebenso knappes Budget für ihr Büro, das sie in ihrer Mietwohnung untergebracht hat. Ohne die finanzielle Unterstützung ihrer Eltern wäre sie nie „rumgekommen“, sagt sie. „Ich fing ganz unten an“, „ich schaffe es nicht allein“, war die harte Einsicht. Das war eine völlig neue Erfahrung. Urlaub, schicke Kleidung, Showtanz und Stepworkshops in Spanien – „auf den Preis musste ich nicht so gucken“. Das ist jetzt vorbei. Aber die meisten finanziellen Einschränkungen tun ihr nicht ernsthaft weh. Kinder hat sie sich gewünscht und ihr Sohn sei ein „Strahlekind“. Die Architektin ist Meisterin im Organisieren und Planen - und muss es als alleinerziehende Mutter auch sein. Auf fünf Minuten genau hat sie zu Hause ihren Tagesablauf eingeplant. Kleine Abweichungen sind nicht ausgeschlossen. Manchmal steht sie schon um vier Uhr statt um fünf Uhr auf – etwa um zusätzliche Zeit für Entwürfe zu haben. Um bei allem Stress „nach außen immer sehr professionell zu erscheinen“, sagt Linnemann, sei es wichtig sich mit der Situation abzufinden, sie anzunehmen. Schließlich sei der Beruf für sie „existenziell wichtig“ und gebe ihr „auch Kraft“. Zum Glück hat sie neuerdings Hilfe im Büro. Donnerstags und freitags kommt ein junger Bauzeichner. Das entlastet sie, frisst aber auch gleich wieder das Geld auf, das sie seit einigen Monaten mehr verdient. Dass sie als Alleinerziehende ganz gut über die Runden kommt, verdankt sie auch dem Leben in einer kleinen Stadt. Die Wege sind kurz, so spart sie Zeit. Auch die besten Freunde und Eltern sind in der Nähe. Fünf- bis sechsmal im Jahr kommt Joans Vater und nimmt sich dann einen Tag für den Sohn, den er sich auch gewünscht hatte. Der Junge scheint damit ganz gut zurecht zu kommen, wenn auch immer wieder Ängste in der Seele des Jungen schlummern.

(nach: Renate Nimtz-Köster, Stillen auf der Baustelle, in: Spiegel-Special 4/2007, Sehnsucht nach Familie, S. 42-44)

Aufträge:

  1. Charakterisiert den Begriff „Alleinerziehende“.

  2. Stellt die Herausforderungen einer alleinerziehenden Mutter dar.

  3. Arbeitet Lösungsmöglichkeiten für diese Herausforderungen aus dem Text heraus.