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Unterrichtsmaterialien


Vorschlag zum „Erlebten Erzählen“: Was tun, wenn die Katastrophe naht?


Vorworte:

Stellt euch vor, wir könnten uns in vergangene Zeiten und Menschen hineinversetzen lassen und spüren, wie es den Menschen damals ging und was sie dachten.

Ich werde euch gleich eine Geschichte erzählen und immer, wenn ich ein Signal gebe 1 , verwandle ich mich in einen Reporter/ eine Reporterin und ihr euch in die Menschen aus der Erzählung, die auf meine Fragen antworten.

(Folie 1) Zurzeit flüchten Hunderttausende von Menschen aus Syrien zu uns, weil dort Krieg herrscht.
Die Geschichte, die ich euch erzählen will, ereignete sich vor langer Zeit gar nicht so weit weg: in der Stadt Jerusalem, die heute die Hauptstadt von Israel ist (Folie 2) . Auch in meiner Geschichte wird es darum gehen, dass Menschen Krieg erleiden und ihre Heimat verlassen müssen, um in ein ganz unbekanntes Land zu ziehen. Vielleicht entdeckt ihr noch andere Parallelen.


Teil 1
[Die Not der Belagerten]

(Folie 3) Die Karte, die ihr gerade gesehen habt, war von heute. Wir wandern jetzt auf dem Zeitstrahl etwa 2600 Jahren zurück in das Jahr 587 v.Chr. (Folie 4 ) nach Jerusalem, in die Hauptstadt des kleinen Königreiches Juda.

Jerusalem wird seit über einem Jahr von der neuen Großmacht Babylon belagert. (Folie 5) – Seit über einem Jahr! Da fragt man sich doch: Wieso interessierte sich eine Weltmacht für so einen kleinen Staat wie Juda?

Das liegt zum einen an der Lage Judas: Wie ihr seht, liegt es zwischen dem Mittelmeer und dem Toten Meer. (Folie 6) Die größten Konkurrenten Babylons sind die Ägypter. Wenn Babylon und Ägypten sich bekriegen wollen, müssen sie durch Juda ziehen. Nördlich von Juda gibt es wichtige Handelsstädte (vor allem am Mittelmeer), die alle zum Babylonischen Reich gehören und viel Geld einbringen. Deshalb braucht Babylon Juda als einen Puffer gegen Ägypten, das auch Interesse an diesen Handelsstädten hat.

Der andere Grund für die lange Belagerung ist, dass Babylons König Nebukadnezar (Folie 7) sehr empört über den judäischen König ist. Nebukadnezar hatte Juda nämlich schon 10 Jahren zuvor erobert. Weil sich der damalige König gleich ergeben hatte, hatte Nebukadnezar die Stadt verschont, aber den König und einen Teil der Bevölkerung als Gefangene nach Babylonien mitführen lassen.

Und Nebukadnezar hatte persönlich einen neuen König namens Zedekia in Jerusalem eingesetzt, der das Land in seinem Auftrag regieren und ihm dafür Steuern zahlen sollte. (Folie 8) Aber nach ein paar Jahren wurde Zedekia samt seinen Beratern übermütig. Sie dachten sich: „Die Ägypter werden uns bestimmt gegen die Babylonier unterstützen. Wir hören einfach auf, Steuern zu zahlen und erklären uns von Babylon unabhängig.“ Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass der mächtige König Nebukadnezar sich so etwas nicht gefallen ließ. Er fühlte sich von König Zedekia ganz persönlich verraten und beleidigt.

Nun also belagern die Babylonier Jerusalem. Und nach so einer langen Belagerung geht es den Menschen in der Stadt sehr schlecht.

Ihr erhaltet zu zweit (bzw. zu dritt) eine Rollenkarte. Überlegt euch gemeinsam, wie es dieser Person im belagerten Jerusalem geht und welche Sorgen sie beschäftigen. Sucht dann eine Person unter euch aus, die die Rolle übernimmt und sich das Namensschild anheftet 2 .

Bell Szenenanfang

Lasst uns mal hören, welche Probleme die Menschen im belagerten Jerusalem haben!

(L geht mit Mikrofon und Headset herum und spricht in jeder Gruppe die Person an, die das Namensschild trägt. 3 )

Ich befinde mich hier auf dem Marktplatz der Stadt Jerusalem, 4 die seit über einem Jahr von den Babyloniern belagert wird. Man sieht den Leuten die bedrückte Stimmung an. Ich will mal einige fragen:

Marktfrau Hannah , kannst du uns bitte deine Situation und deine Probleme schildern?

Bauer Joab , was hast du für Nöte?

Priester Levi , du bist diese Woche für die Opferdarbringungen am Tempel zuständig. Was erlebst du da?

Und hier sehe ich Rahel, die Mutter von sieben Kindern . Rahel, schildere uns bitte, wie es euch ergeht.

Schuster Eli , kannst du uns mal bitte erzählen, was du erlebst?

Ach, der junge Soldat Ruben ! Kommst du gerade von der Wache? Welche Gedanken gehen dir durch den Kopf?

Hier sehe ich ein Kind . Ach, das ist ja d ie 10-jährige Lea . Lea, was tust du gerade? Erzähl mal.

Und zum Schluss möchte ich noch mit der alten Frau dort sprechen. Miriam , wie geht es dir?

Bell Szenenende

Je nach Antworten der SuS ergänzt L evtl. oder fasst zusammen:

Die Menschen können also die Stadt nicht mehr verlassen, die Nahrungsmittel werden immer knapper, überall sind Soldaten, die Männer müssen an der Stadtmauer abwechselnd Wache schieben; mit jedem Tag wächst die Sorge: „Wie lange halten wir das noch durch?“ und es wächst die Angst, dass die Feinde die Stadt stürmen und einnehmen werden.


[Der König und der Prophet]

(Folie 9) Die Menschen beklagen sich immer mehr bei König Zedekia. Sie wollen von ihm hören, wie es weitergeht, was er vorhat. Der judäische König und seine Berater, darunter auch die obersten Priester, bemühen sich, den Leuten Hoffnung zu machen, dass sie weiter durchhalten. Sie sagen zu ihnen:

„Leute, ihr wisst doch, dass Jerusalem unzerstörbar ist! Kämpft weiter, denn Gott ist auf unserer Seite!“

(Folie 10) Aber in der Stadt lebt auch der Prophet Jeremia. (Propheten sind im alten Israel Menschen, die Gott beauftragt, in seinem Namen dem Volk oder dem König Botschaften zu überbringen.)

Der Prophet Jeremia verkündigt etwas ganz anderes als der König und seine Berater.

Lasst uns mal hören, was er sagt:

Ein Schüler, der zuvor entsprechend instruiert wurde, tritt vor die Klasse und sagt: 5

„Wir müssen uns den Babyloniern ergeben, um Schlimmeres zu vermeiden. Unser König tut ja gerade so, als ob Gott, egal was wir tun, auf unserer Seite ist. Aber Gott ist nicht unsere Marionette. Er hat eigene Pläne! Ich sage euch: Wenn ihr nicht aufgebt, werden die Babylonier den Tempel und die Stadt zerstören und die Menschen in Gefangenschaft nach Babylonien führen.“

Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass solche Reden König Zedekia und seinen Beratern nicht gefielen. Denn sie waren auf die Kampfbereitschaft des Volkes angewiesen. Wenn die Babylonier siegen sollten, würden sie ganz sicher als erste bestraft werden.
Also ließ der König den Propheten Jeremia ergreifen und im Hof des Königspalastes gefangen halten. Jeremia war nun doppelt eingesperrt: ein Gefangener in einer belagerten Stadt!

Das ist ja hochspannend: Da behaupten doch beide, sie wüssten, was Gott will. Wie kommen sie darauf? Der Sache müssen wir genauer nachgehen.

(Erarbeitung 1)


Teil 2
[Die Mauer wackelt – Letzte Maßnahmen]

Nach einigen Monaten - insgesamt 15, seit die Stadt belagert und bestürmt wird - beginnt die Mauer Jerusalems an einer Stelle gewaltig zu wackeln. Die Wachen kommen immer aufgeregter von ihren Posten und haben jeden Tag neue Schreckensmeldungen. Es ist nun allen klar: Die Babylonier dringen hier in wenigen Tagen ein. - Die Menschen in der Stadt reagieren darauf ganz unterschiedlich.

Steht bitte auf und geht umher. Ihr seid auf dem Markt unterwegs und euch alle beschäftigt die bevorstehende Einnahme der Stadt.

Bildet nun mit den Leuten um euch herum Gruppen von höchstens 5 Personen: Unterhaltet euch in den Gruppen darüber, was ihr noch tun könnt oder tun müsst, bevor die Babylonier eindringen.

Bell Szenenanfang

L geht nach ein paar Minuten mit Headset und Mikrofon umher und befragt die Gruppen:

Ich bin auf dem Marktplatz von Jerusalem. Die Stimmung ist ganz anders als noch im letzten Monat. Ich will mal fragen, was die Leute denken und planen.

(L wendet sich an einige SuS:) Liebe Jerusalemer, könnt ihr mal berichten, was ihr nun vorhabt?

Mögliche Schülerantworten:

  • die wichtigsten Dinge einpacken (für Flucht oder Deportation)
  • nach Schuldigen suchen und diese bestrafen
  • eigene Schuld Gott gegenüber bekennen und ihn um Hilfe bitten
  • bis zum Letzten kämpfen
  • sich verstecken
  • Hamsterkäufe unternehmen
  • ...

L zeigt auf Headset:

Liebe Zuschauer: Gerade kommt vom Palast eine neue Meldung: König Zedekia ist es anscheinend gelungen, mit seinen Soldaten in der Nacht durch das Mauertor zu fliehen, aber die Feinde sind ihm dicht auf den Fersen.

(L geht auf eine Gruppe zu:) Was denkt ihr über Zedekias Flucht?

Bell Szenenende

[Jeremias Zeichenhandlung]

Ihr habt jetzt von ganz unterschiedlichen Reaktionen auf die bevorstehende Einnahme Jerusalems gehört. Einer muss sich nun so richtig bestätigt fühlen – der im Königshof gefangene Jeremia. Uns interessiert natürlich, was der Prophet in der Zeit vor der endgültigen Niederlage unternommen hat:

Jeremia hat etwas ganz Unerwartetes getan. Während er noch im Königshof gefangen gehalten wurde, kam ein Cousin zu ihm und sagte: „Jeremia, willst du mir meinen Acker in unserem Heimatdorf Anatot abkaufen? Ich brauche Geld.“

Anatot lag etwa zwei Wegstunden nördlich von Jerusalem und war natürlich längst in der Hand der Babylonier. 6 Der Cousin wollte ihm also ein Land verkaufen, das wertlos war.

Und was tat Jeremia? - Er ließ Zeugen herbeiholen, kaufte den Acker und ließ dies auf einer Kaufurkunde aufschreiben, die er in ein Tongefäß verschloss, damit sie lange hielt.

Bell Szenenanfang

L mit Headset:

Ich befinde mich vor dem Königshof. Soeben hat Jeremia seinen Ackerkauf abgeschlossen und wir möchten nun von den Menschen, die das gesehen haben, hören, was sie davon halten.

L fragt einzelne SuS:

  • Du warst bei dem Kauf des Ackers dabei. Denkst du, Jeremia hat sich hereinlegen lassen?
  • Kannst du uns erklären, warum Jeremia das gemacht hat?
    (Hoffnung; Heilsbotschaft; Wertanlage; ...)
  • (Zu zwei anderen SuS:) Denkt ihr beide, dass Jeremia nicht mehr an seine früheren Prophezeiungen glaubt?
Bell Szenenende

SuS setzen sich zurück auf ihre Plätze.


Präsentation

Stichwortkarten

Materialien Exilgeschichten: Herunterladen [docx] [5,1 MB]

Materialien Exilgeschichten: Herunterladen [pdf] [2,1 MB]



1   Z.B. mit einer Glocke oder L dreht sich demonstrativ einmal 180° um die eigene Achse, zieht Headset an, nimmt Mikrofon in die Hand und dreht sich dann zur Klasse.
2   Z.B. mit Büroklammer oder Sicherheitsnadel.
3   Falls kein Mikrofon verfügbar ist, Kochlöffel oder Ähnliches verwenden.
4   Optional kann L verschiedene Ecken des Klassenzimmers für Marktplatz, Tempel und Königshof bestimmen und durch Symbole (Waage, Krone, Räucheraltar) kennzeichnen. SuS bewegen sich der Szene entsprechend im Raum.
5   Mögliche Requisiten: Umhang, Schriftrolle
6   Anatot lag „etwa ein bis zwei Wegstunden nordöstlich Jerusalem, zwischen Jerusalem und Bet-El, im Lande Benjamin.“ (Schmidt, Werner H., Das Buch Jeremia - Kapitel 1-20, Göttingen 2008, 8.)

Quelle Glocke: www.openclipart.org/detail/21978/bell