Kognitive Aktivierung
Item 1.1: Verständnisorientierung
Fachspezifische Konkretisierung der Positivindikatoren
- Eine zu Anfang entwickelte Problem- oder Inhaltsorientierung wird während des Übersetzens immer wieder aufgegriffen.
- Es wird deutlich, dass Übersetzen ein Prozess des Verstehens in mehreren Stufen ist.
- Die SuS werden dazu angehalten, verschiedene Arten von Übersetzungen (z. B. Roh-/Arbeitsübersetzung, zielsprachenorientierte Übersetzung) zu reflektieren und ihre spezifischen Leistungen einzuschätzen.
- Das Textverständnis wird abschnittsweise und ggf. durch fokussierende Impulse dokumentiert.
- Der Bezug zu den zentralen Konzepten (z. B. grundlegende Fragestellungen bzw. Aussagen des Textes, historische Distanz vs. Identifikationsangebote, Umgang mit semantischer Offenheit, Grammatikphänomene) wird im Verlauf der Stunde immer wieder hergestellt.
- Textinhalt und sprachliche Erscheinungen werden aufeinander bezogen.
- Übersetzungsmethoden (z. B. Drei-Schritt-Methode, Konstruktionsmethode) werden so angewandt, dass sich das inhaltliche Verständnis sukzessive aufbaut bzw. erweitert.
- Bezüge innerhalb des Textes, z. B. durch Pro-Formen, werden zur Verständnissicherung geklärt.
- Die SuS sind am Ende der Übersetzung in der Lage, die übersetzte Passage in eigenen Worten kompakt wiederzugeben.
Fachspezifische Konkretisierung der Negativindikatoren
- Musterübersetzungen werden absolut gesetzt.
- Inhalte des Textes oder andere zentrale Konzepte (z. B. Argumentationsstruktur, zentrale Begriffe, sprachlich-stilistische Gestaltung) werden kaum thematisiert.
- Texte werden überwiegend zur Einführung von Grammatik benutzt.
- Es gibt lange Phasen sprachlicher Klärung, ohne dass der Bezug auf die Inhaltserschließung deutlich wird.
Item 1.2: Ermittlung von Denkweisen und Vorstellungen
Fachspezifische Konkretisierung der Positivindikatoren
- Die Textumgebung oder zusätzliche Impulse werden genutzt, um das Vorverständnis der SuS zu eruieren und ggf. zu erweitern.
- Die SuS werden durch gezielt fokussierende Nachfragen ermutigt, ihr Verständnis bzw. Unverständnis zu artikulieren.
- Die Lehrkraft verschafft sich bei schülerzentrierten Phasen Einblicke in Prozess und Ergebnisse des Übersetzens der SuS und passt ihren Unterricht ggf. daran an.
- Die Lehrkraft hält die SuS dazu an, eigene Erwartungen über den Text bzw. seinen Fortgang zu formulieren und diese textorientiert zu begründen.
- Nach der Übersetzung wird durch geeignete Aufgaben (z. B. Paraphrase, Kontrollfragen) das Verständnis noch einmal überprüft.
Fachspezifische Konkretisierung der Negativindikatoren
- Die Lehrkraft steigt unvermittelt in die Übersetzung des Textes ein.
- Informationen aus dem Textumfeld werden nicht geklärt und nicht für die Texterschließung genutzt.
- Die Lehrkraft nimmt die Synthese von einzelnen Verständnisleistungen, die die SuS erarbeitet haben, vorweg.
Item 1.3: Herausfordernde Aufgaben und Fragen
Fachspezifische Konkretisierung der Positivindikatoren
- Die Lehrkraft greift problematisierende Fragestellungen (und ggf. affektiv-emotionale Zugänge), die vor der Übersetzungsphase entwickelt worden sind, während des Übersetzungsgesprächs auf.
- Zu übersetzende Abschnitte werden nicht rein formal (durch Zeilen- oder Versangaben), sondern inhaltlich abgegrenzt.
- Die Lehrkraft hält die SuS dazu an, für eine kohärenz- und verständnisorientierte Übersetzung Konnektoren und ggf. auch Partikeln zu berücksichtigen.
- Die SuS werden zu Selbsterklärungen aufgefordert:
- Wie bist du zu dieser Übersetzung / zu der Übersetzung dieser Stelle (z. B. Sinnrichtung bei einem PC) gekommen?
- Welche Schritte bist du bei deiner Übersetzung gegangen?
- Wie würdest du deinem Sitznachbarn erklären, wie du zu deiner Übersetzung gekommen bist?
- Mehrere Übersetzungen (der SuS oder auch von der Lehrkraft vorgelegte) werden kontrastiv verglichen.
- Die SuS werden angehalten, über ihr methodisches Vorgehen beim Übersetzen zu reflektieren.
- Es wird ein Bewusstsein für die Bandbreite der Bewertung von Übersetzungen entwickelt: falsch – richtig, fehlerhaft – fehlerfrei, gut/besser – schlecht(er), sprachlich getroffen – holprig, der Textsorte/dem eigenen Sprachniveau angemessen – unangemessen.
- SuS stellen, z. B. zur Vorentlastung oder Vorerschließung, eng begrenzte Bereiche des Textes (z.B. neue Grammatikthemen, Lexemfelder) ihren Mitschülern vor oder moderieren deren Besprechung.
- Die Lehrkraft gibt inhaltlich überleitende, Kohärenz sichernde Impulse, durch die die SuS z. B. aufgefordert werden, Vermutungen über die Fortsetzung anzustellen oder Beobachtungen zur Argumentationsstruktur zu machen.
- Vokabel- und Grammatikhilfen erschöpfen sich nicht in reinen Übersetzungsanweisungen, sondern beziehen auch Möglichkeiten der Ableitung (z. B. anhand von Prinzipien der Wortbildung), Erschließung (auch aus dem Kontext) und Analyse von vorgegebenen Monosemierungen mit ein.
Fachspezifische Konkretisierung der Negativindikatoren
- Der Fokus liegt nicht überwiegend auf dem Inhalt, sondern wird häufig bzw. länger unterbrochen, z. B. von sprachlichen Erklärungen.
- Die Lehrkraft verhindert durch kleinschrittiges Nachfragen und Überprüfen zu vieler Details die Verständniserfassung beim Übersetzen.
- Statt der Lehrkraft moderieren SuS ein Übersetzungsgespräch, das text- (statt satz-) und verständnisorientiert zu führen für SuS zu anspruchsvoll ist.
- Für manche grammatischen Erscheinungen (z. B. Modi, Partizipialkonstruktionen) werden standardmäßig Übersetzungsmuster eingesetzt, die dem deutschen Sprachgebrauch nicht entsprechen.
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