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Bauanleitung für einen schulinternen Schreibwettbewerb

Die Bedeutung umfassender Schreibförderung auch und gerade im kreativ-gestaltenden Bereich ist für den Deutsch-Unterricht schon länger unumstritten. Damit aber das Schreiben, das im Unterricht in zunehmendem Maße gefördert wird, nicht im weiteren Sinne schulisches Schreiben bleibt, sind Impulse nötig, die über den Deutschunterricht hinaus wirksam sind . (1) Als ein besonders wirksames Mittel, selbstbestimmtes Schreiben nachhaltig zu fördern, können Schreibwettbewerbe angesehen werden. Wettbewerbe allerdings fördern absichtlich das nicht angeleitete Schreiben im privaten Umfeld, das heißt, enge Führung oder Anleitung verbietet sich hier. Auch kann die Vermittlung von Techniken und Methoden nicht ihr Ziel sein. Insofern ergänzt ein Schreibwettbewerb im Idealfall den Deutschunterricht, verfolgt aber Ziele, die dort nicht oder nur am Rande verfolgt werden können, insbesondere die Erfahrung des Schreibens als Tätigkeit, die zur eigenen Person und Persönlichkeit gehört und die eigenen, nicht von außen herangetragenen Bedürfnissen dient. Insofern kann auch ein Schreibwettbewerb nur ein Angebot sein, das ergriffen oder ignoriert wird.

In der Folge soll ein Verfahren skizziert werden, einen schulinternen Schreibwettbewerb ins Leben zu rufen und zu einer andauernden Einrichtung zu machen. Es soll gezeigt werden, dass mit überschaubarem Aufwand an Zeit und Geld eine Möglichkeit geschaffen werden kann, persönliches kreatives Schreiben zu unterstützen und, im günstigsten Fall, Schreibbiographien einige Jahre lang fördernd zu begleiten. Die Beschreibung ist chronologisch geordnet, um eine unkomplizierte Verwendung zu gewährleisten. Dies bringt mit sich, dass einzelne Aspekte mehrfach erwähnt werden. Das beschriebene Verfahren muss keineswegs so ausgeführt werden, wie die Beschreibung es vorschlägt. Vielmehr ist es sinnvoll, die je unterschiedlichen Rahmenbedingungen wie die besondere Schulsituation oder besondere Vorlieben der Jurymitglieder zu berücksichtigen.

Der Zeitplan

Für den geschilderten Verlauf wird davon ausgegangen, dass der Wettbewerb an einer Schule im jährlichen Rhythmus veranstaltet werden soll.

  1. Der Wettbewerb braucht Veranstalter, also eine Jury, die sich zu Beginn des Schuljahres konstituiert haben sollte. In der Praxis hat sich hier eine Gruppengröße von drei bis vier Mitwirkenden bewährt. Die Mitwirkenden müssen nicht unbedingt alle das Fach Deutsch vertreten, es ergibt sich allerdings meistens. Übereinstimmung in literarischen Vorlieben ist gar nicht wünschenswert, wohl aber die Fähigkeit, als Gruppe miteinander ergebnisorientiert zu arbeiten. Die erste gemeinsam zu klärende Frage kann die nach der thematischen Einschränkung sein. Soll formal oder inhaltlich alles zugelassen werden? Ist eine thematische Engführung gewünscht? In der Praxis hat sich gezeigt, dass thematische Offenheit, vereint mit der Bereitschaft, Schreibprojekte von Anfang an zu beraten, zu guten Ergebnissen führt.
  2. Der Zeitplan ist von großer Bedeutung für das Gelingen. Es ist sinnvoll, das gesamte Verfahren des Wettbewerbs von der Bildung der Jury bis zur Preisverleihung im gleichen Schuljahr anzusiedeln. Wichtige zeitliche Einschnitte sind die Ausschreibung, der Abgabeschluss und die Preisverleihung. Es ist wichtig darauf zu achten, dass in der Schreib- wie in der Lesephase mindestens ein Ferienblock enthalten ist, um zu keinem Zeitpunkt vermeidbaren Zeitdruck entstehen zu lassen. Eine Möglichkeit ist, die Ausschreibungsplakate am ersten Tag nach den Weihnachtsferien auszuhängen, bis zum letzten Tag vor den Osterferien Texte anzunehmen und nach den Pfingstferien die Preisverleihung anzusetzen. In der Phase der zeitlichen Planung empfiehlt sich übrigens ein besonders enger Kontakt zur Schulleitung, um Kollisionen mit anderen Ereignissen im Verlauf des Schuljahres zu vermeiden.
  3. Ausschreibung und Werbung entscheiden maßgeblich über den Erfolg des Literaturpreises. An die Schülerinnen und Schüler richtet sich eine großzügig angelegte Plakatierung, die aber alleine nicht ausreicht. Es hat sich bewährt, den Wettbewerb in den einzelnen Klassen kurz vorzustellen. Sehr sinnvoll ist auch eine Erinnerungsaktion kurz vor Schluss der Schreibphase. Neben den Schreibenden sind auch Unterstützende von großer Bedeutung für das Gelingen des Wettbewerbs. Insbesondere die auszuschüttenden Preise kosten Geld, aber auch Urkunden, Plakate etc. können Kostenfaktoren werden. Insgesamt ist es sinnvoll, für einen Wettbewerb wie den hier skizzierten von einem Finanzbedarf von ungefähr 500 bis 600 Euro auszugehen. Als Geldgeber bieten sich zunächst der Förderverein der Schule, ein örtliches Geldinstitut und eine örtliche Buchhandlung an, weitere Sponsoren sind aber durchaus sinnvoll.
  4. Wenn die Werbung erfolgreich war und in größerem Umfang geschrieben und eingereicht worden ist, folgt die Phase des Lesens und der Bestimmung der Siegertexte. Für eine erfolgreiche Auswahl dieser Preistexte ist es unabdingbar, dass jedes Jurymitglied jeden Text liest. Ist das geschehen, ist es sinnvoll, dass sich die Jury einen Tag lang zum Besprechen und Auswählen zusammenfindet. Bei guter Vorbereitung reicht der eine Tag erfahrungsgemäß aus, um zu einvernehmlichen Entscheidungen zu kommen. Ein Wort zur Findung der Preisträger: Es ist sinnvoll, für verschiedene Altersstufen getrennt Preise zu verleihen, ebenso hat sich die Unterscheidung in Preise für Lyrik und Preise für Prosa bewährt. Durch solche Unterscheidungen erhöht sich natürlich die Anzahl der vergebenen Preise, dies ist aber durchaus positiv im Sinne einer wirksamen Schreibförderung. Zusätzlich zu den Hauptpreisen bietet sich die Vergabe von Anerkennungspreisen (z.B. Buchpreise) an, die deutlich machen, dass Qualitäten erkannt wurden, aber weitere Arbeit nötig ist.
  5. Die Preisverleihung kann zu einem Höhepunkt des Schuljahres werden. Hierzu sind einige Punkte zu beachten:
    • Die Preisverleihung muss rechtzeitig über Plakate angekündigt werden, je früher desto besser. Durchsagen am Tage selbst sind zusätzlich hilfreich.
    • Es ist sinnvoll, mit den Ankündigungen nicht nur die Teilnehmer, sondern auch deren Freunde und Verwandte anzusprechen.
    • Die örtliche Presse muss frühzeitig informiert werden, damit über die Preisverleihung und die Preisträger berichtet werden kann.
    • Niemand darf vorab wissen, wer gewonnen hat. Die Spannung ist ein wesentliches Element der Veranstaltung.
    • Zusätzlich zu den Urkunden für Preise und Anerkennungspreise empfiehlt sich die Ausstellung von Teilnahmeurkunden für diejenigen, die nicht gewonnen haben.
    • Musikalische Umrahmung der Veranstaltung erzeugt eine zusätzlich festliche Atmosphäre.
    • Insgesamt kann eine gelungene Preisverleihung wirksame Schreibanreize setzen.
  1. Zusätzlich zur Preisverleihung empfiehlt sich eine Dokumentation der Siegertexte in Form einer kleinen Broschüre. Idealer Zeitpunkt zur Präsentation einer solchen Textsammlung ist die Preisverleihung. Die Broschüre bietet auch eine Möglichkeit, den Sponsoren auf angemessene Weise für ihr Engagement zu danken.

Häufig gestellte Fragen

Braucht ein Schreibwettbewerb ein Thema?

Die Tatsache, dass die Menge der potentiellen Teilnehmer auf die Schülerschaft einer Schule beschränkt ist, engt in der Regel das Feld hinreichend ein. Freilich kann eine Themenvorgabe hilfreich im Sinne einer förderlichen Konkretisierung sein, motivierende Vorschläge aber können auch ohne inhaltliche Einschränkung für alle transportiert werden.

Können mehrere Schulen kooperieren?

Es gibt Beispiele für mehrjährige Kooperationen zwischen Schulen und erfolgreiche gemeinsame Schreibwettbewerbe (zum Beispiel bei den drei Rottweiler allgemeinbildenden Gymnasien). Die Organisation ist für eine Schule alleine übersichtlicher, im Kooperationsfall verteilt sich die anfallende Arbeit auf mehr Schultern.

Wie erkenne ich Plagiate?

Eine ganz sichere Methode gibt es hier nicht, es kann sie auch nicht geben. Man sollte sich auch sehr sorgfältig überlegen, wie viel Energie man in die Suche nach dem Quellentext stecken will.

Soll wirklich die Jury die Texte bei der Preisverleihung vorlesen?

Natürlich ist es möglich, die Schreibenden innerhalb der Preisverleihung aktiv werden zu lassen. Allerdings ist es für viele unter ihnen ein besonderes Erlebnis, ihre Texte von fremder Stimme gelesen vor großem Publikum zu erleben. Organisatorisch ist es auch kaum möglich, die vortragenden Schüler anders als sehr überraschend in die Situation des öffentlichen Lesens zu bringen, da ja die Preisträger nicht vorzeitig bekannt werden dürfen.

Wie können Preise aussehen?

Preise können das Ziel der literarischen Förderung weiter verfolgen, indem sie in Büchern oder Büchergutscheinen bestehen. Preise können weiterhin auf die Wertschätzung der Schreibprodukte abzielen, indem Urkunden gestaltet und verliehen werden. Man darf darüber hinaus auch nicht vergessen, dass die Nennung bei einer Preisverleihung bzw. das Vorlesen des eigenen Textes vor größerem oder kleinerem Publikum in der Regel bereits als Preis erlebt wird.

Müssen alle Preise vergeben werden?

Es ist zu erwarten, dass in den unterschiedlichen Kategorien der Teilnahme unterschiedlich viele Beiträge eingehen. In der Unterstufe wird verbreiteter geschrieben als in der Oberstufe, Prosa entsteht mehr als Lyrik. Es kann auch geschehen, dass zu einer Kategorie nur sehr wenige Texte entstehen und diese auch noch nicht für Preise geeignet sind. Es hat sich als sinnvoll erwiesen und wurde immer akzeptiert, Preise nicht zu vergeben, manchmal gibt es eben keinen ersten Preis in einer Kategorie, vielleicht aber dafür zwei dritte.

Anmerkung

  1. Siehe hierzu auch: Karl Schuster: Das personal-kreative Schreiben im Deutschunterricht . Baltmannsweiler 1995. Gerade in der Beschäftigung mit dem situativen Schreiben wird hier deutlich, dass auch Schreibformen, die ihren Ursprung im Unterricht haben, schnell zu sehr persönlichem Schreiben führen können.

 

Bauanleitung für einen schulinternen Schreibwettbewerb:
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