Zur Hauptnavigation springen [Alt]+[0] Zum Seiteninhalt springen [Alt]+[1]

Konstruktive Unterstützung

Item 2.1 - Qualität des Feedbacks

Im Unterrichtsgespräch dienen die soeben genannten Impulse nicht nur der gemeinsamen inhaltlichen Weiterentwicklung entlang der Problemfrage, sondern bestimmen zugleich wesentlich die Qualität des Feedbacks mit, indem mit ihrer Hilfe sachliche, konstruktive und zeiteffiziente Mitteilungen erfolgen, wenn Beiträge z.B. zu pauschale Aussagen oder ungestützte Behauptungen enthalten, nicht ohne Weiteres intersubjektiv nachvollziehbar sind oder sich als thematisch nicht zielführend bzw. sachlich fehlerhaft erweisen. In den letzten Jahren hat sich darüber hinaus in Bezug auf die Feedbackkultur im Ethikunterricht eine erhöhte fachdidaktische Aufmerksamkeit für die Bedeutung der Lehrkraft für die Förderung einer konstruktiven Diskussionskultur herausgebildet. Bemängelt wird demgegenüber eine unterrichtspraktische Dominanz kompetitiver und latent aggressiver, vordergründig auf persönliche Durchsetzung ausgerichteter Formate (Montag 2015). Plädiert wird stattdessen, auch in Anlehnung an Entwicklungen im englischsprachigen Raum, für eine Einübung in das Prinzip der wohlwollenden Interpretation, für eine primäre Fokussierung auf Stärken vor den Schwachstellen in Argumentationen und für eine wiederkehrende gemeinsame Praxis des Argument Repair (Romizi 2023).

Item 2.2 - individuelle Unterstützung im Lernprozess

In Bezug auf die individuelle Unterstützung im Lernprozess betonen Expertinnen und Experten vor ihrem philosophiedidaktischen und unterrichtspraktischen Hintergrund eine besondere Bedeutung inhaltlich vielfältiger, auch den engen Kanon der westlichen Philosophie überschreitender Angebote sowie geeigneter Formen des Scaffoldings schon während der Vorbereitung von Ethikunterricht (Bussmann/Helbling/Thomas 2024, 233f.). Verwiesen wird in diesem Zusammenhang insbesondere auf spezifische Verständnisbarrieren im Zusammenhang mit der kulturellen Heterogenität der Schülerinnen und Schüler, die den Unterricht aufgrund ihrer jeweiligen religiösen und weltanschaulichen Eingebundenheit als Ersatzfach für den christlichen Religionsunterricht besuchen. Die verschiedenen Familienhintergründe gehen z.T. auch mit erheblichen Schwierigkeiten beim Erschließen der philosophisch geprägten Fachsprache einher, was Konsequenzen für die Bewältigung von Aufgaben im Bereich der Begriffsklärung, Textarbeit und Argumentation hat, denen im Ethikunterricht ein zentraler Stellenwert zukommt. Diese Beobachtungen unterstreichen die Relevanz der Vermittlung elementarer, von den Lernenden zunehmend selbständig anwendbarer Methoden des Philosophierens in den genannten Bereichen (z.B. Brüning 2003; Wittschier 2010). Zugleich verdeutlichen sie die Anforderung an Ethiklehrkräfte, an Aufgabenformate verschiedenen Schwierigkeitsgrades curricular bewusst heranzuführen (z.B. Franzen/Burkard/Löwenstein 2023). Wichtig für eine leistungsdifferenzierte Arbeit mit entsprechenden Standards ist die individualdiagnostische Verfüg-barkeit von Beispielindikatoren für die unterschiedlichen Kompetenzstufen in für den Ethikunterricht relevanten Verstehens- und Handlungskontexten (z.B. Rösch 2009). Zu erkennen ist gegenüber solchen Forderungen allerdings bislang eine ausgeprägte Zurückhaltung der Unterrichtspraxis in Bezug auf eine Text- und Aufgabendifferenzierung (Bussmann/Helbling/Thomas 2024, 234), wofür neben dem im Ganzen noch lückenhaften Stand der fachdidaktischen Ausarbeitung v.a. die Verfügbarkeit notwendiger Zeitressourcen bei den Lehrkräften verantwortlich zu machen ist. Die Nutzung von KI-Anwendungen stellt in diesem Zusammenhang eine vielversprechende Perspektive für die kommen-den Jahre dar, denn schon auf dem aktuellen Entwicklungsstand der Large Language Models funktionieren Prompts wie die nachfolgenden oft überzeugend: „Bitte fasse die zentralen Aussagen des Textes nach den Grundsätzen der einfachen deutschen Sprache zusammen.“ „Bitte reduziere den Text auf wesentliche Aussagen, ohne ihn sprachlich zu verändern. Markiere dabei wichtige Termini im Fettdruck.“

  • Bohlmann, Markus (2023): Conceptual Engineering and Conceptual Change. An Argument for the Learnability of Ameliored Concepts. In: Inquiry, doi: 10.1080/0020174X.2023.2289161 (9-25-2024).
  • Brüning, Barbara: Philosophieren in der Sekundarstufe. Methoden und Medien. Weinheim/Basel: Beltz.
  • Burkard, Anne/Franzen, Henning/Meyer, Kirsten (2018): Zwischen Dissonanz und Kohärenz: Ein Strukturmodell für den Philosophieunterricht. In: ZDPE. H. 1, 87-95.
  • Burkhard, Anne/Martena, Laura (2018): Zur Bedeutung von Präkonzepten im Philosophieunterricht. Theoretische Perspektiven und Möglichkeiten empirischer Forschung. In: Markus Tiedemann (Hg.): Werte und Wertevermittlung. Dresden: Thelem, 9-28.
  • Bussmann, Bettina (2019): Der wissenschaftsorientierte Ansatz. In: Martina Peters/Jörg Peters (Hg.): Moderne Philosophiedidaktik. Basistexte. Hamburg: Meiner, 231-243.
  • Bussmann, Bettina/Helbling, Dominik/Thomas, Philipp (2024): Wirksamer Ethik- und Philosophieunterricht. Eine Zusammenschau. In: Dieselben (Hg.): Wirksamer Ethik- und Philosophieunterricht. Baltmannsweiler: Schneider Hohengehren, 229-244.
  • Franzen, Henning/Burkard, Anne/Löwenstein, David (2023): Argumentieren lernen. Aufgaben für den Philosophie- und Ethikunterricht. Darmstadt: Wbg. philovernetzt.de.
  • IBBW (2021): Beobachtungsmanual zum Unterrichtsfeedbackbogen Tiefenstrukturen. Stuttgart: Institut für Bildungsanalysen Baden-Württemberg. ibbw-bw.de.
  • Köster, Juliane (²2018): Aufgaben im Deutschunterricht. Wirksame Lernangebote und Erfolgskontrollen. Seelze: Klett/Kallmeyer.
  • KM (2016): Ethik. Bildungsplan des Gymnasiums. Stuttgart: Ministerium für Kultus, Jugend und Spurt Baden-Württemberg. bildungsplaene-bw.de.
  • Martens, Ekkehard (2003): Methodik des Ethik- und Philosophieunterrichts. Philosophieren als elementare Kulturtechnik. Hannover Siebert.
  • Montag, Bärbel (2015): Debatten im Ethik- und Philosophieunterricht. In: Julian Nida-Rümelin/Irina Spiegel/Markus Tiedemann (Hg.): Handbuch Philosophie und Ethik. Bd. 1: Didaktik und Methodik. Paderborn: Schöningh, 196-205.
  • Pfeifer, Volker (22009): Didaktik des Ethikunterrichts. Bausteine einer integrativen Wertevermittlung. Stuttgart: Kohlhammer.
  • Pfister, Jonas (2023): Kritisches Denken: Zur Förderung einer überfachlichen Kompetenz. In: Uta Müller/Simon Meisch/Martin Harrat (Hg.): Kritisches Denken und darüber hinaus. Normative Fragen in Bildung und Unterricht. Universität Tübingen: Library Publishing, 39-49. dx.doi.org.
  • Pfister, Jonas (2013): Werkzeuge des Philosophierens. Stuttgart: Reclam.
  • Pollmann, Arnd (2014): Was ist ein moralisches Problem? In: Information Philosophie. H. 3, 16-25.
  • Rösch, Anita (2009): Kompetenzorientierung im Philosophie- und Ethikunterricht. Entwicklung eines Kompetenzmodells für die Fächergruppe Philosophie, Praktische Philosophie, Ethik, Werte und Normen, LER. Berlin: LIT.
  • Rohbeck, Johannes (2000): Didaktische Potenziale philosophischer Denkrichtungen. In: ZDPE. H. 2, 75-90.
  • Rohbeck, Johannes (2010): Philosophische Methoden im Unterricht. In: Kirsten Meyer (Hg.): Texte zur Didaktik der Philosophie. Stuttgart: Reclam, 237-254.
  • Romizi, Donata (2023): Ist das Argumentieren eine (latent) aggressive Praxis? Die Tücken des Argumentierens, und wie man ihnen im Philosophie- und Ethikunterricht begegnen kann. In: David Löwenstein/Donata Romizi/Jonas Pfister (Hg.): Argumentieren im Philosophie- und Ethikunterricht. Grundlagen, Anwendungen, Grenzen. Wien: Vienna University Press, 171-187.
  • Sistermann, Rolf (2008): Unterrichten nach dem Bonbon-Modell. In: Zeitschrift für Didaktik der Philosophie und Ethik. H. 4, 299-305.
  • Stelzer, Hubertus (2015): Lebensweltbezug. In: Julian Nida-Rümelin/Irina Spiegel/Markus Tiedemann (Hg.): Handbuch Philosophie und Ethik. Bd. 1: Didaktik und Methodik. Paderborn: Schöningh, 79-86.
  • Thein, Christian (2020): Präkonzepte und Gründe im lebensweltbezogenen Philosophieunterricht – Zur Relevanz der Gegenwartsphilosophie für die fachdidaktische Grundbildung. In: René Torkler (Hg.): Fachlichkeit und Fachdidaktik. Beiträge zur Lehrerausbildung im Fach Ethik/Philosophie. Berlin: Metzler, 155-169.
  • Tiedemann, Markus (2015): Problemorientierung. In: Julian Nida-Rümelin/Irina Spiegel/Markus Tiedemann (Hg.): Handbuch Philosophie und Ethik. Bd. 1: Didaktik und Methodik. Paderborn: Schöningh, 70-78.
  • Torkler, René (2023): Werten, Verstehen und Urteilen. Überlegungen zur Wertorientierung in der ethischen Bildung. In: A. Katarina Weilert (Hg.): Werteerziehung durch die Schule. Begriffliche Grundlagen, staatstheoretische Basis und institutionelle Ziele. Tübingen: Mohr, 207-232.
  • Wittschier, Michael (2010): Textschlüssel Philosophie. 30 Erschließungsmethoden mit Beispielen. München: Patmos.