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4. Doppelstunde: Themendifferenziertes Textverstehen von Gall.6,21-22

Auch wenn dem Verstehen von Texten in den modernen Lehrwerken immer mehr Platz eingeräumt wird, gleicht der Übergang von einem bebilderten und kommentierten Lektionstext zu nackten Caesarkapiteln aus der Sicht der meisten Schüler doch immer noch eher einem Sprung als einem gewöhnlich Lernschritt. Umso tröstlicher ist die Erkenntnis, dass die grundlegenden methodischen Aspekte des Textverstehens überschaubar sind.

Bei jedem Text kann zwischen unmittelbarem Textverständnis, dem Verstehen von Einzelthemen und des gesamten Textes unterschieden werden. Außerdem lassen sich textimmanente Analyse und texttranszendierende Interpretation unter Einbeziehung textexterner Gesichtspunkte (Biographie, Gattungsgeschichte, Archäologische Quellen, Rezeptionsgeschichte usw.) unterscheiden. Während sich das Textverstehen bei der eher handwerklichen Analyse auf sicherem Boden befindet, verlässt es mit der meist spannenderen Interpretation denselben.

In der Doppelstunde, die dem Verstehen des übersetzten Textes gewidmet ist, können jeweils zwei Schüler nach Interesse wählen, ob sie sich den Themen Religion, Lebensinhalt und Sexualität (Kapitel 21) oder den Themen Ernährung und Agrarverfassung (Kapitel 22) widmen wollen. Dabei ist jedes Arbeitsblatt konsequent in Fragen zum unmittelbaren Textverständnis, zu Einzelthemen und zum Gesamtverständnis gegliedert. Ein freiwilliges Additum dient wieder, wie bei der Übersetzung, dem sinnvollen zeitlichen Ausgleich zwischen schnelleren und langsameren Teams. Außerdem steht den Schülern ein Materialienkonvolut für die texttranszendierende Interpretation zur Verfügung.

Die Ergebnisse werden im Plenum besprochen und in einem vom Lehrer vorstrukturierten Tafelanschrieb gesichert. Schon während der Partnerarbeit hat er ein aufgeschlagenes Buch als Symbol der Commentarii an die Tafel gezeichnet. Nun tragen die Schüler textanalytische Ergebnisse in dieses Buch ein, texttranszendierende Resultate dagegen um das Buch herum.

Beim vorliegenden Text wäre es eine vertane Chance, wenn der Unterricht auf bloßes Textverstehen beschränkt bliebe. Caesar selbst fordert immer wieder zu einem Vergleich des Verhaltens der Germanen mit dem Verhalten der Kelten und Römer heraus und ein Schüler wird bei der Lektüre des Germanenexkurses auch immer wieder das eigene Verhalten in Betracht ziehen. Wenn sich somit an das Verstehen eine Auseinandersetzung mit dem Text und seinem Autor anschließt, leistet Latein auch einen Beitrag zur Förderung personaler und sozialer Kompetenzen. Der Unterricht vermittelt dann, wie im Bildungsplan elegant formuliert ist, „ein Verständnis für fremde Vorstellungswelten und Verhaltensweisen, erleichtert die Orientierung in der Gegenwart und leistet damit einen wesentlichen Beitrag zur kulturellen Kompetenz der Schülerinnen und Schüler“ (S. 160). Die Arbeitsbereiche Texte und Antike Kultur sind deshalb in dieser Unterrichtseinheit nicht voneinander geschieden.

Die nächste Doppelstunde, in der die Schüler die verbleibenden zwei Caesarkapitel übersetzen, wird wieder vorentlastet. Da der Lexikongebrauch und die Übersetzungsmethode aber erst in der vorletzten Stunde besprochen wurden, beschränkt sich die Vorentlastung nun auf die Bedeutungserschließung durch Wortanalyse und findet in der Hausaufgabe statt.

 

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