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Schluss­va­ri­an­te 2

In­fo­box

Diese Seite ist Teil einer Ma­te­ria­li­en­samm­lung zum Bil­dungs­plan 2004: Grund­la­gen der Kom­pe­tenz­ori­en­tie­rung. Bitte be­ach­ten Sie, dass der Bil­dungs­plan fort­ge­schrie­ben wurde.


Lange schau­te Agnes in die Ster­ne, die ihr auf dem Bild­schirm ent­ge­gen­ka­men. Das Ge­heim­nis­vol­le, dach­te sie, ist die Leere in der Mitte. Sie fühl­te, wie sie immer tie­fer hin­ein­ge­zo­gen wurde. Es war ihr, als tau­che sie in den Bild­schirm ein, werde zu den Wor­ten und Sät­zen, die sie ge­le­sen hatte. Die Hand, die den Com­pu­ter aus­schal­te­te, schien nicht die ihre, der Kör­per, der sich anzog, nicht der ihre zu sein. Agnes ver­ließ die Woh­nung, nahm den Fahr­stuhl, ging wie in Tran­ce am Por­tier vor­bei, der über sei­ner Zei­tung ein­ge­schla­fen war.

Die Fahrt nach Wil­low Springs dau­er­te fast eine Stun­de. Als Agnes aus­stieg, war Mit­ter­nacht lange vor­über, aber man hörte noch immer das Knal­len von Feu­er­werk, und manch­mal wurde der Him­mel einen Au­gen­blick lang von ben­ga­li­schem Feuer er­leuch­tet. Agnes fror, ob­wohl sie ihren di­cken Win­ter­man­tel trug, aber selbst das Frie­ren schien weit weg zu sein, es war, als stel­le sie die Kälte nur fest, ohne sie zu füh­len. Sie ging durch lange Stra­ßen, an Rei­hen klei­ner höl­zer­ner Häu­ser vor­bei, aus denen noch hier und da Stim­men und Musik zu hören waren.

Agnes hatte das Ende der Stra­ße er­reicht. Vor ihr lag der Park in voll­kom­me­ner Dun­kel­heit. Blind mach­te sie ei­ni­ge Schrit­te ins Dunk­le hin­ein, dann konn­te sie wie­der sehen. Es war, als würde sie eine an­de­re Welt be­tre­ten. Der Him­mel, der, vom Licht der Stra­ßen­lam­pen ver­schmutzt, wie eine oran­ge­far­be­ne Decke über den Wohn­vier­teln ge­le­gen hatte, war hier durch­sich­tig schwarz. Sie sah un­zäh­li­ge Ster­ne, er­kann­te den Schwan und den Adler. Die Mond­si­chel war so schmal, daß sie ge­ra­de genug Licht gab, um die schnee­be­deck­ten Wege zu er­leuch­ten.

Der Wind blies böig. Das Brau­sen in Agnes' Ohren über­deck­te jedes an­de­re Ge­räusch, jeden Ge­dan­ken. Sie ver­irr­te sich auf den ver­schlun­ge­nen Wegen und mußte lange su­chen, bis sie den Platz im Wald wie­der­fand. Die Bäume hat­ten ihre Blät­ter ver­lo­ren, und der See war zu­ge­fro­ren. Aber Agnes er­kann­te die Stel­le. Sie zog ihre Hand­schu­he aus und fuhr mit den Hän­den über die eis­kal­ten Stäm­me der Bäume. Sie fühl­te nicht die Kälte, aber sie spür­te die schor­fi­ge Rinde an ihren fast tau­ben Fin­ger­kup­pen. Dann knie­te sie nie­der, legte sich hin und drück­te ihr Ge­sicht in den pulv­ri­gen Schnee. Lang­sam ge­wann sie das Ge­fühl zu­rück, erst in den Füßen, in den Hän­den, dann in den Bei­nen und Armen, es brei­te­te sich aus, wan­der­te durch ihre Schul­tern und ihren Un­ter­leib zu ihrem Her­zen, bis es ihren gan­zen Kör­per durch­drang und es ihr schien, als liege sie glü­hend im Schnee, als müsse der Schnee unter ihr schmel­zen. (S. 152)

In der Schluss­va­ri­an­te der Ge­schich­te von Agnes (Kap. 35) sind die wich­tigs­ten Leit­mo­ti­ve mit­ein­an­der kon­zen­triert und in­halt­lich eng mit­ein­an­der ver­knüpft.


Ar­beits­auf­trag

  1. Ko­pie­ren Sie den Text auf ein DinA3-Blatt.
  1. Legen Sie eine Kar­to­gra­fie des Tex­tes an:  
    • Mar­kie­ren Sie die Mo­ti­ve far­big
    • be­nen­nen Sie sie (auf dem Rand) und stel­len Sie ihre Ver­knüp­fung gra­fisch dar
  1. Be­schrei­ben Sie die in­halt­li­che Ver­knüp­fung der Mo­ti­ve und ar­bei­ten Sie ihre Be­deu­tung her­aus.
  1. Deu­ten Sie den vor­lie­gen­den Text (Kap. 35) unter be­son­de­rer Be­rück­sich­ti­gung der Mo­ti­ve und ihrer Ver­knüp­fung.


Schluss­va­ri­an­te 2: Her­un­ter­la­den [doc] [36 KB]