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Unterrichtspraxis

Essay - Methodik u. Unterrichtspraxis

2011, Dr. Schmitt-Kaufhold

  1. Essayistische Texte lesen und analysieren -> Kriterien entwickeln
  2. Textdossier auswerten -> gedanklich durchdringen
  3. Ideen entwickeln (z.B. Perspektivenwechsel)
  4. Einen eigenen Standpunkt gewinnen: „Egal, was du denkst, denk das Gegenteil!“
  5. Wechsel von Emotion u. Ratio: Assoziationsspiel
  6. Literarisches Schreiben üben (sinnl. Wahrnehmung: Schreiben vor Ort)
  7. Gestalterische Mittel erproben: Umschreiben, Analyse von Schülertexten, Einsetzübungen, …
  8. Kreative Schreibspiele

Hilfen:

Übungen im Gestaltenden Schreiben (Curriculum)

Texträtsel/Kreatives Schreibspiel:

Tod am Fenster

Ein Mann schaute aus dem Fenster und beobachtete eine hübsche Frau, die gerade an seinem Haus vorbei ging.

Kurz danach war er tot.

Was ist passiert?

Notizen

  1. Viele Texte, einige genau analysieren
    • Für Erfassen der spezifischen Merkmale u. ihres Variantenreichtums leistet die Analyse von Beispieltexten mehr. 
    • Online-Auftritt: Arbeitsblätter mit Fragen zur Analyse – Historischer Querschnitt – spätestens nach den Sommerferien im Netz – handlungsorientier – gut geeignet
    • Texte sollten nicht zu lang und nicht zu „bildungsgesättigt“ sin.  - Rückgriff auf das Feuilleton (Vgl. swr 2)
    Oder: Definitionen der Textsorte vergleichen – analytischer, weniger geeignet
  2. z.B. Vorurteile aufspüren – z.B. in Diskussionen – eigene Stellungnahme üben
  3. Als Schreib- oder Argumentationsübung Scheurmann: Der Papalagi, Gedanken eines Südseehäuptlings zur westlichen Zivilisation / oder: Aus dem Tagebuch einer Tankstelle
  4. Übungen in Praktischer Rhetorik (RP: PuR – Präsentation und Rhetorik – Fachberater Büttner)
  5. Sinnliche Wahrnehmung: Situationen, Menschen, Landschaften durch Schreiben vor Ort – Portfolio Stolpersteine

Möglichkeiten des Übens

  • Kleine Portionen: Teilkompetenzen anbahnen
  • Gegentexte (Essay) verfassen
  • Einen Kommentar, eine Reportage, … schreiben
  • Übungen zur Logik
  • Übungen zur Struktur (Aufsatzgliederung)
  • Stilistische Übungen
  • Dialog mit dem Leser (z.B. Interview, Brief, ..)

Notizen

Kleine Portionen:
z.B. nur einen Punkt der Gliederung ausgestalten lassen
Nur die Einleitung schreiben lassen

Struktur:
z.B. zuspitzende Entfaltung: auf eine Pointe hin
- inhaltlich: Steigerung
- Sprachliche Mittel  (Superlativ, Adverbien, … )

Unterrichtspraxis: Gegentexte verfassen

Vom Fleischbedecken des Papalagi [papalangi]

Es ist nun klar, dass durch dies alles der Leib des Papalagi weiß und bleich wird, ohne die Farbe der Freude. Aber so liebt es der Weiße. Ja die Frauen, zumal die Mädchen, sind ängstlich darauf bedacht, ihre Haut zu schützen, dass sie nie im großen Lichte rot werde, und halten zur Abwehr, sobald sie in die Sonne gehen, ein großes Dach über sich. Als ob die bleiche Farbe des Mondes köstlicher sei als die Farbe der Sonne. Aber der Papalagi liebt es, in allen Dingen sich eine Weisheit und ein Gesetz nach seiner Weise zu machen. Weil seine eigene Nase spitz ist wie der Zahn des Haies, ist sie auch schön, und die unsere , die ewig rund bleibt und ohne Widerstand, erklärt er für häßlich, für unschön, während wir doch genau das Gegenteil sagen.

Der Papalagi

Ein Südseehäuptling erlebt unsere Zivilisation

Arbeitsauftrag

Markiere die Kernpunkte der Kritik im Text.
Entwickle Gegenpositionen mit Argumenten und Beispielen zu diesem Text. (Stichpunkte)

Notizen

Als Mitreisender in einer Völkerschaugruppe erlebt der Häuptling Tuiavii von der Südseeinsel Samoa das moderne Europa des beginnenden 20. Jahrhunderts. Die Aktualität des Textes auf dem Hintergrund der ökologischen Krise und der daraus resultierenden zivilisationskritischen Diskussion ließen den "Papalagi" zum Buchbestseller werden.

Der eigene, persönliche Stil: Rhetorische Mittel

(Analyse literarischer Texte / kreative Schreibübungen)

  • Subjektiver Stil – Ich-Bezug
  • Abschweifungen
  • Seitenhiebe
  • Umgangssprachliche Redewendungen
  • Ellipsen
  • Interjektionen
  • direkte Rede
  • Paradoxie
  • Ironie
  • Zuspitzung der Aussage
  • Provokation des Lesers

Der Essay – Eine Attacke?

  • Funktionalität in Bezug auf das Thema
  • Forderung : Ethischen Standards genügen!

Notizen

Keine beliebige Beschimpfung

Orientierung an ethischen Standards:
Egal, ob Essays mit feinen Spitzen oder im Anklagegestus vorgetragen werden, jede „Attacke“ – und sei sie noch so geschliffen – muss ethischen Standards genügen. Auch ironische oder polemische Schreiber müssen Verantwortung für ihre Texte übernehmen. Süffisanz oder Pathos entbinden sie nicht von der Aufgabe, ihren Standpunkt sowie dessen weltanschauliche Basis klar zu machen und ihre Thesen argumentativ zu stützen.

III. Schreiben

Vorübung
Adressatenbezogenes Schreiben
z.B. Eine Rezension verfassen

Kompetenzentwicklung:

  • Bewertungskriterien erkennen (-> eigene Haltung entwickeln)
  • Argumentationsschwerpunkte notieren (Position)
  • Aufbau und Stil untersuchen (Kommunikativer Kontext / sprachliche Mittel)
  • Eine eigene Rezension, schreiben (erproben)
  • Eine Reportage verfassen (üben)

Notizen

Adressatenbezogenes Schreiben

  • Zielt auf realistische Schreibsituationen (Brief, Kommentar, Dialog, … )
  • zweitieilig:
    • Textanalyse
    • Auseinandersetzung mit dem Text: in gestaltender Weise

Übung: Eine Rezension verfassen

Als Hinführung zum Schreiben eines Essays

  • Freie Form des Argumentierens: entspricht mehr dem essayistischen Schreiben
  • Kein strenges Argumentationsprinzip wie bei der Erörterung (z.B. Sanduhrprinzip)
  • Stil: frei, assoziativ

Schülerbeispiel: Stilübung „Lächeln“

Ein freundliches Lächeln (Schreiben zu Reizwörtern)

  „Du machst das schon”, sagt sie, streichelt dir die Wange und macht dir so Mut. Du fühlst dich stark, voller Vertrauen in dich selbst. Ein Wohlgefühl breitet sich in dir aus, es gefällt dir, weil es dir das Gefühl gibt, da wendet sich dir jemand zu. Diese Geste verleiht dir Stärke, weil du weißt, das schaffst du wirklich – sie traut dir etwas zu.

  So ein Lächeln mit einem warmen Blick ist wunderbar . So eines braucht man ab und zu, wenn man im Schlamassel sitzt. So eines ist enorm wichtig.

  „Na, wie geht’s, mein Schatz?” Plötzlich steht sie hinter dir, grinst dich an, kneift dich – freundschaftlich? in die Wange, linst auf deine Arbeit. Du zuckst zusammen, bist verunsichert, machst dich klein. Grölendes Gelächter. Die anderen amüsieren sich über deine Reaktion. Blöde Sprüche werden gerissen: „Na, ertappt, was?” So ein Lächeln kann in Ordnung sein, muss aber nicht . Es kann einen vielleicht auch ärgern, weil es einen zum Gespött macht, weil es einen stört, so im Mittelpunkt zu stehen. Oder aber , was die bessere Lösung wäre: So ein Lächeln erfreut einen ganz einfach.

Prinzipien: Wiederholung, Variation, Gegensatz

Versuch, versuch alles.

Und wenn es gar nichts geworden ist,

dann sag, es sei ein Essay.

Kurt Tucholsky

Notizen

Beliebigkeit? Anything goes??

  • Ethische Standards
  • Roter Faden
  • Sprachliche Originalität

  Rückmeldung

 

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