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Agnes als Roman der Postmoderne


Didaktische Hinweise zu AB #4.1:

  • Das deduktive Vorgehen ermöglicht einen kompakten Zugriff auf die Thematik; das Material könnte auch sehr früh in einer Unterrichtseinheit eingesetzt werden, um mögliche Themen zu formulieren und anzureißen.
  • Alternative: induktives Vorgehen, d.h. Erarbeitung der relevanten Merkmale aus dem Roman heraus. Dies kann auch zum Abschluss der Einheit geschehen oder später, zur Wiederholung.
  • In jedem Fall empfiehlt sich eine Kontextuierung durch weitere Werke / Medienerfahrungen der Lernenden, sofern die Postmoderne an dieser Stelle als Epoche eingeführt wird.

NB: Die Postmodernität von „Agnes“ ist vielleicht weniger offensichtlich als in Hauptwerken postmoderner Literatur, z.B. von Cortázar, Bolaño, Eco, Foster Wallace, Barth, Handke oder Pynchon. Eine Einführung in die Postmoderne kann im Rahmen eines Epochenunterrichts gattungsübergreifend erfolgen, z.B. anhand von Spike Jonzes Film „Being John Malkovich“, dem Bestell-Flyer eines beliebigen Pizza-Services (mit Pizza, Indischem, Thailändischem und Mexikanischem auf der Karte, neben Maultaschen), der Popmusik von Jason Forrest und Tocotronic sowie mit Texten von Thomas Glavinic, Jonathan Lethem und der Fabel mit Wolf und Lamm von Helmut Arntzen (es gibt unzählige weitere Möglichkeiten). Zur Einführung in die Gedankenwelt der Postmoderne sind folgende Texte besonders geeignet und in einigen Handreichungen aufbereitet greifbar: Hanns-Josef Ortheil: „Texte im Spiegel von Texten“, Umberto Eco: „Nachschrift zum Namen der Rose“, Peter Gross: „Die Multioptionsgesellschaft“.


Inhaltliche Hinweise zu AB #4.1:

Zur Postmodernität von Agnes vgl. äußerst instruktiv: Markus Schwahl: „Die Leere in der Mitte. Postmoderne Literatur im Unterricht. Peter Stamms Roman Agnes“, in: Literatur im Unterricht 10.2 (2009), S. 93-105. – Die folgenden Merkmale postmoderner Literatur sind für Stamms Roman charakteristisch:

  • Intertextualität: Vielzahl an Anspielungen und expliziten Bezügen auf andere Texte (vgl. Material 5.2)
  • Entgrenzung von Fiktion und Realität: Die Erzählung wirkt auf ihre Urheber zurück („Eine Geschichte hat sie getötet.“) Durch die Verschriftlichung erscheint sogar die „Biografie als Spiel“ (Schwahl 2009, S. 101)
  • Im Zusammenhang damit steht eine Entgrenzung der Erzählebenen, auch wenn der Kursivdruck die Binnenerzählung erkennbar macht.
  • Auflösung des Individuums: Agnes liefert sich dem Schweizer aus, indem sie sich von ihm als Figur führen lässt (vgl. Schwahl 2009, S. 97-100).
  • Sprachkritik: Die Sprachlosigkeit, vor allem des Schweizers, ist auch auf eine Unfähigkeit zurückzuführen, Emotionen in Worte zu fassen. Häufiges Aneinandervorbeireden, z.T. aber auch strategisch eingesetzt.
  • Multiperspektivität: kein Strukturmerkmal des Gesamtromans, aber die Binnenerzählung liefert z.T. eine Alternative zur Romanwirklichkeit (vgl. z.B. S. 88-91 vs. S. 99).
  • Offenheit: Vieldeutigkeit vieler Dialoge und Situationen, offenes Ende, Versuche des Erzählers durch das Video Klarheit zu erlangen
  • Mehrdeutigkeit: s. Offenheit und: Das gesamte Geschehen liegt in drei Fassungen vor (Romanwirklichkeit, Agnes in der Geschichte des Erzählers, Agnes als Erzählerin). Die Perspektivenvielfalt lässt das Erzählte mehrdeutig werden, der Roman ist durchzogen von „[k]onkurrierende[n] Wahrheiten“ (Schwahl 2009, S. 94)

 

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