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Julia Franck: Streuselschnecke


Thema: Diagnose einer Familie

Kompetenzaufbau

  • Erzählform, Erzählperspektive
  • Erwartungsbruch als Gestaltungsmerkmal literarischer Texte
  • Leerstellen: Offenheit der Deutung (Symbolverstehen)

Erzähler / Erzählstruktur

Ich-Erzählerin: Subjektivität, begrenzter Blickwinkel, Erzählung aus der Rückschau: Der Leser erlebt das Geschehen so, wie es die Ich-Erzählerin erlebt hat.

Kontrast: neutrales Erzählverhalten, sachlicher Bericht

Narrative Handlungslogik: Die Erzählstruktur (bewusste Gestaltung des Aufbaus)spiegelt die Entwicklung der Beziehung der beiden Figuren. Der Leser  muss an entscheidenden Stellen logische Beziehungen selbst herstellen. (Der Schluss ist der Schlüssel zum Verständnis der ganzen Geschichte.)

Die Entwicklung der Beziehung
Entwicklung der Beziehung


Leerstellen

    • Gründe für den Auszug der Ich-Erzählerin
    • Das Zögern der Ich-Erzählerin, den Mann zu treffen
    • Gründe, sich zu verabreden
    • Pfeil nach links: Erwartung des Lesers (Vorstellungsbildung): Seltsame Liebesgeschichte à 

Verwirrspiel mit dem Leser 



als es so weit war

Text

Der Anruf kam , als ich vierzehn war. […],

der Mann […]. Ich hatte mich geschminkt. […]

Ich fragte mich, ob er mir Geld geben würde […]

Er sagte, er hätte gerne mit mir gelebt , …

[…]  war er tot. …

Pfeil nach links: Erwartungsbruch



 

[…] hatte sie meinen Vater […] nicht geliebt.         (Pointe)

Erwartungsbruch

Der Handlungszusammenhang wird dem Leser erst am Schluss mit dem letzten Satz klar. Sinnbezüge werden erkannt, weil vom letzten Satz aus die gesamte Kurzgeschichte neu gelesen wird. Dadurch werden die Unbestimmtheitsstellen reduziert.

Der Leser zieht Schlussfolgerungen (Inferenzen) und kommt so zur Erkenntnis sinnstiftender Zusammenhänge und einer Deutung. Die Gestaltungsmittel des Textes können jetzt in die Deutung einbezogen werden.

Diese Erkenntnis wird beim kompetenten Leser zur „lokalen Re-Lektüre“ der Geschichte genutzt: Die Unbestimmtheit wird reduziert.  

Sinnbezüge werden  erkannt, Schlussfolgerungen hergestellt werden. (Inferenzen ziehen, die das Verstehen der Geschichte ermöglichen.

Symbol Streuselschnecke

  • Zeichen für Zuwendung, Fürsorge, Liebe („Schnecke“ im Sinn einer Metonymie)
  • Zeichen für die langsame Entwicklung der Beziehung Vater – Tochter („Schnecke“ im Sinn einer Metapher)

Beide Deutungen lassen sich begründen. Schüler erfahren so die Mehrdeutigkeit literarischer Texte.

Vgl. dazu:
Clemens Kammler, Literarische Kompetenzen beschreiben, beurteilen und fördern. In: Heidi Rösch (Hrsg.), Literarische Bildung im kompetenzorientierten Deutschunterricht . Fillibach Verlag, Freiburg 2010, S. 197 ff

 

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