Zur Hauptnavigation springen [Alt]+[0] Zum Seiteninhalt springen [Alt]+[1]

Klausur

07 Evaluation: Klausurvorschlag

[Bevor die vergleichende Betrachtung unter einem zentralen thematischen Aspekt vertiefend erarbeitet worden ist, können im Kurs K1 Klausuren und Teilaufgaben (als Hausaufgaben) trainiert werden, die sich im Wesentlichen der ersten Teilaufgabe des Aufgabentyps I ab Abitur 2014 „ Interpretationsaufsatz zu literarischen Werken im Kontext“ widmen.  Zu Übungszwecken sollten früh – in vereinfachter Form – eine Vergleichsaufgabe angeboten werden.]

71  Mensch und Maschine

Sie gefiel mir, aber ich flirtete in keiner Weise. Ich redete wie ein Lehrer, fürchtete ich, während sie lächelte. Sabeth wußte nichts von Kybernetik, und wie immer, wenn man mit Laien darüber redet, galt es, allerlei kindische Vorstellungen vom Roboter zu widerlegen, das menschliche Ressentiment gegen die Maschine, das mich ärgert, weil es borniert ist, ihr abgedroschenes Argument: der Mensch sei keine Maschine. Ich erklärte, was die heutige Kybernetik als Information bezeichnet: unsere Handlungen als Antworten auf sogenannte Informationen, beziehungsweise Impulse, und zwar sind es automatische Antworten, größtenteils unserem Willen entzogen, Reflexe, die eine Maschine ebensogut erledigen kann wie ein Mensch, wenn nicht sogar besser. Sabeth rümpfte ihre Brauen (wie stets bei Späßen, die ihr eigentlich mißfallen) und lachte. Ich verwies sie auf Norbert Wiener: Cybernetics or Control and Communication in the Animal and the Machine, M.I.T. 1948. Natürlich meinte ich nicht die Roboter, wie sie die Illustrierten sich ausmalen, sondern die Höchstgeschwindigkeitsrechenmaschine, auch Elektronen-Hirn genannt, weil Steuerung durch Vakuum-Elektronenröhren, eine Maschine, die heute schon jedes Menschenhirn übertrifft. In einer Minute 2 000 000 Additionen oder Subtraktionen! In ebensolchem Tempo erledigt sie eine Infinitesimal-Rechnung, Logarithmen ermittelt sie schneller, als wir das Ergebnis ablesen können, und eine Aufgabe, die bisher das ganze Leben eines Mathematikers erfordert hätte, wird in Stunden gelöst und zuverlässiger gelöst, weil sie, die Maschine, nichts vergessen kann, weil sie alle eintreffenden Informationen, mehr als ein menschliches Hirn erfassen kann, in ihre Wahrscheinlichkeitsansätze einbezieht. Vor allem aber: die Maschine erlebt nichts, sie hat keine Angst und keine Hoffnung, die nur stören, keine Wünsche in Bezug auf das Ergebnis, sie arbeitet nach der reinen Logik der Wahrscheinlichkeit, darum behaupte ich: Der Roboter erkennt genauer als der Mensch, er weiß mehr von der Zukunft als wir, denn er errechnet sie, er spekuliert nicht und träumt nicht, sondern wird von seinen eigenen Ergebnissen gesteuert (feed back) und kann sich nicht irren; der Roboter braucht keine Ahnungen –

Sabeth fand mich komisch.(S. 74f)

(C) Text "Mensch und Maschine" Text mit freundlicher Genehmigung des suhrpamp-Verlags, Frankfurt am Main 1957, St 354 1980, S.74

Aufgabenstellung:

  • Legen Sie kurz dar, wie es zur Begegnung Walter Fabers mit Sabeth kommt.
  • Interpretieren Sie die Textstelle, beziehen Sie die sprachliche und erzählerische Gestaltung ein.
  • Vergleichen Sie die Textstelle mit dem Ende von Kapitel 3 in Peter Stamms „Agnes“ (ab S. 20: „Ich fragte Agnes, woran sie arbeite.“) .

 

Klausur: Herunterladen [doc] [35 KB]