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Schlussvariante 2


Lange schaute Agnes in die Sterne, die ihr auf dem Bildschirm entgegenkamen. Das Geheimnisvolle, dachte sie, ist die Leere in der Mitte. Sie fühlte, wie sie immer tiefer hineingezogen wurde. Es war ihr, als tauche sie in den Bildschirm ein, werde zu den Worten und Sätzen, die sie gelesen hatte. Die Hand, die den Computer ausschaltete, schien nicht die ihre, der Körper, der sich anzog, nicht der ihre zu sein. Agnes verließ die Wohnung, nahm den Fahrstuhl, ging wie in Trance am Portier vorbei, der über seiner Zeitung eingeschlafen war.

Die Fahrt nach Willow Springs dauerte fast eine Stunde. Als Agnes ausstieg, war Mitternacht lange vorüber, aber man hörte noch immer das Knallen von Feuerwerk, und manchmal wurde der Himmel einen Augenblick lang von bengalischem Feuer erleuchtet. Agnes fror, obwohl sie ihren dicken Wintermantel trug, aber selbst das Frieren schien weit weg zu sein, es war, als stelle sie die Kälte nur fest, ohne sie zu fühlen. Sie ging durch lange Straßen, an Reihen kleiner hölzerner Häuser vorbei, aus denen noch hier und da Stimmen und Musik zu hören waren.

Agnes hatte das Ende der Straße erreicht. Vor ihr lag der Park in vollkommener Dunkelheit. Blind machte sie einige Schritte ins Dunkle hinein, dann konnte sie wieder sehen. Es war, als würde sie eine andere Welt betreten. Der Himmel, der, vom Licht der Straßenlampen verschmutzt, wie eine orangefarbene Decke über den Wohnvierteln gelegen hatte, war hier durchsichtig schwarz. Sie sah unzählige Sterne, erkannte den Schwan und den Adler. Die Mondsichel war so schmal, daß sie gerade genug Licht gab, um die schneebedeckten Wege zu erleuchten.

Der Wind blies böig. Das Brausen in Agnes' Ohren überdeckte jedes andere Geräusch, jeden Gedanken. Sie verirrte sich auf den verschlungenen Wegen und mußte lange suchen, bis sie den Platz im Wald wiederfand. Die Bäume hatten ihre Blätter verloren, und der See war zugefroren. Aber Agnes erkannte die Stelle. Sie zog ihre Handschuhe aus und fuhr mit den Händen über die eiskalten Stämme der Bäume. Sie fühlte nicht die Kälte, aber sie spürte die schorfige Rinde an ihren fast tauben Fingerkuppen. Dann kniete sie nieder, legte sich hin und drückte ihr Gesicht in den pulvrigen Schnee. Langsam gewann sie das Gefühl zurück, erst in den Füßen, in den Händen, dann in den Beinen und Armen, es breitete sich aus, wanderte durch ihre Schultern und ihren Unterleib zu ihrem Herzen, bis es ihren ganzen Körper durchdrang und es ihr schien, als liege sie glühend im Schnee, als müsse der Schnee unter ihr schmelzen. (S. 152)

In der Schlussvariante der Geschichte von Agnes (Kap. 35) sind die wichtigsten Leitmotive miteinander konzentriert und inhaltlich eng miteinander verknüpft.


Arbeitsauftrag

  1. Kopieren Sie den Text auf ein DinA3-Blatt.
  1. Legen Sie eine Kartografie des Textes an:  
    • Markieren Sie die Motive farbig
    • benennen Sie sie (auf dem Rand) und stellen Sie ihre Verknüpfung grafisch dar
  1. Beschreiben Sie die inhaltliche Verknüpfung der Motive und arbeiten Sie ihre Bedeutung heraus.
  1. Deuten Sie den vorliegenden Text (Kap. 35) unter besonderer Berücksichtigung der Motive und ihrer Verknüpfung.


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