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Ist Agnes tot? – Deutung


Ist Agnes tot?

Arbeitsauftrag

  1. Welche Hinweise im Text legen diese Lösung nahe?

Peter Stamm hat in einem Interview dazu Stellung genommen:

" Na ja, die Übereinstimmung ist nicht so klar. Man weiß nicht wirklich, ob sie das tut, was er aufgeschrieben hat. Für ihn tut sie es, glaube ich, das zeigt eher, in welcher geistigen Verfassunger ist, dass ereben gar nicht mehr anders denken kann, als dass Agnes vorzieht, was ergeschrieben hat. Ich sage oft in Schulen, wenn die Frage kommt, dass esunwahrscheinlich ist, dass sie sich umbringt. Psychologisch betrachtet: Was würde ich machen, wenn eine Freundin über mich schreibt, dass ichmich umbringe? Dann würde ich vermutlich sagen: diese Beziehung hatkeine Basis mehr. Oder ich gehe vielleicht besser weg, aber ich würde mich bestimmt nicht umbringen.

Aber das ist auch nicht so wichtig, es geht in dem Buch nicht darum, eine reale Beziehung zu beschreiben, sondern in gewissem Sinne darum,die Macht der Beziehung zu zeigen. …"

(Peter Stamm anlässlich der Sankelmark-Tagung in Schleswig Holstein 2010 / in: Literatur im Unterricht . Wissenschaftlicher Verlag Trier 12. Jahrgang, Heft 3, 2011)


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  1. Deuten Sie vor diesem Hintergrund die zweite Version des Endes der Geschichte von Agnes. Berücksichtigen Sie vor allem den Satz „ Langsam gewann sie das Gefühl zurück, …“

Der Wind blies böig. Das Brausen in Agnes' Ohren überdeckte jedes andere Geräusch, jeden Gedanken. Sie verirrte sich auf den verschlungenen Wegen und mußte lange suchen, bis sie den Platz im Wald wiederfand. Die Bäume hatten ihre Blätter verloren, und der See war zugefroren. Aber Agnes erkannte die Stelle. Sie zog ihre Handschuhe aus und fuhr mit den Händen über die eiskalten Stämme der Bäume. Sie fühlte nicht die Kälte, aber sie spürte die schorfige Rinde an ihren fast tauben Fingerkuppen. Dann kniete sie nieder, legte sich hin und drückte ihr Gesicht in den pulvrigen Schnee. Langsam gewann sie das Gefühl zurück, erst in den Füßen, in den Händen, dann in den Beinen und Armen, es breitete sich aus, wanderte durch ihre Schultern und ihren Unterleib zu ihrem Herzen, bis es ihren ganzen Körper durchdrang und es ihr schien, als liege sie glühend im Schnee, als müsse der Schnee unter ihr schmelzen.

(S. 152) [1]


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[1] Peter Stamm: Agnes . S. Fischer Verlag 2009, 5. Auflage, Fischer (Tb) © 1998 by Peter Stamm