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Postmoderne


Der postmoderne Roman ist Ausdruck einer als inkonsistent empfundenen Welt, in der es nicht mehr gelingt, objektive Wahrheiten darzustellen, die sich in einer autonomen literarischen Wirklichkeit spiegeln.

Der Roman zeigt  „die Unerzählbarkeit der Welt“. [1]

  1. Das Konstruktionsprinzip der Wirklichkeitsüberblendung

Der Text zeigt seinen fiktionalen Charakter und wird als Konstrukt sichtbar:

  • Der Akt des Erzählens ist Thema des Romans: Wichtige Bestandteile des litera­rischen Textes erscheinen als Verdopplung. (z.B. Fabel der Geschichte, der Ich-Erzähler, Figuren des Romans)
  • Literarisch biografisches Wechselspiel: Der Ich-Erzähler ist Autor und gleichzeitig erlebendes Ich einer Geschichte.   
  • Die Verknüpfung der Ebene der Romanwirklichkeit mit der der Fiktion, ist der Versuch des Erzählers, die Realität der einen durch die der anderen auszutauschen. => Die Grenzen von Wirklichkeit und Fiktion verschwimmen.
  • Anti-mimetische Haltung: Die Welt entzieht sich der Beschreibung. =>  Verzicht auf objektive Wahrheiten, auf eine autonome literarische Wirklichkeit.
  1. Das Prinzip der Intertextualität

Es gibt Intertextuelle Bezüge auf Personen und Werke aus den Bereichen der Literatur oder der Bildenden Kunst.

  1. Der Ich-Erzähler als Vermittler der Geschichte (Parallel mit Verschwimmen der Wirklichkeitsebenen)
  • Namenloser Ich-Erzäh­ler
  • Un­sichere Identität des Erzählers:  Er erscheint von „vorneherein weniger glaubwürdig" [2]  -  Führt ein Erzähler den Leser absichtlich in die Irre oder gibt er vor, mehr zu wissen, als es der Wirklichkeit entspricht, so bezeichnet man dies als unzuverlässiges Erzählen. [3] => Der Leser wird gezwungen, kritisch zu lesen.  
  • Versuch, mit Hilfe einer autobiografischen Erzählung, eine kohärente Existenz zu kreieren. => Dilemma einer brüchigen Selbst- und Weltwahrnehmung.
  1. Die Figuren Agnes und der Erzähler

Darstellung von Kommunikationslosigkeit und eine sich daraus andeutenden Beziehungsunfähigkeit. Unterkühlte und distanzierte Beziehungen, Fremdheit  => Erfahrungs- und Identitätskrise: Ausdruck einer unerfüllten  Sehnsucht der heutigen Menschen nach Liebe und Geborgenheit.

  1. Die Verwendung von Sprache, der Stil im Erzählerbericht
  • konsequente Reduktion der Spra­che auf ihre wichtigsten und wirkungsvollsten Möglichkeiten
  • keine erklärenden Übergänge zwischen einzelnen Episoden
  • keine ausführlichen Be­schreibungen
  • Dialoge:  bezugslose Wortwechsel
  1. Die intendierte Rolle des Lesers
  • Logische Verknüpfungen muss der Leser selbst herstellen.
  • Er muss die komplexen Deutungsangebote des Textes erfassen.
  • Der Leser fungiert als eine Art Co-Autor. – Er konstruiert sich seinen eigenen Sinngehalt. Die Art der Wirklichkeitsdarstellung durch den Erzähler erfordert eine Art stillschweigenden Vertrag zwischen Autor und Leser: „Die postmoderne Literatur setzt den universellen Leser voraus; sie zieht ihn in die In­trigen einer totalen Zeichensprache, auf deren labyrinthische Zumutung er selbst die Antwort geben muss. Statt ihn mit Theorien und Welterklärungen zu befriedigen, erzählt sie ununterbrochen Spielvorschläge, die variiert, abgebrochen, aber auch erwei­tert werden können.“

Hanns-Josef Ortheil, 1994 (1987), Was ist postmoderne Literatur?, in: Roman oder Le­ben. Postmoderne in der deutschen Literatur, hrsg. von Uwe Wittstock, Leipzig: Rec­lam, , S. 104, 126.



[1] Rosemarie Zeller, Der Neue Roman in der Schweiz. Die Unerzählbarkeit der modernen Welt. Freiburg, Schweiz: Universitätsverlag 1992, S. 46

[2] Ebenda, S. 78 u. 123

[3] Martinez/Scheffel: Einführung in die Erzähltheorie. München Beck 2002


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