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Jenny Erpenbeck: Haare

(Prozess der Identitätsfindung erkennen)

Im Bauch meiner Mutter sind mir lange schwarze Haare gewachsen,…
… Maidemonstration, aber zu Hause liegen fünfzehnZentimeter von mir im gläsernen Sarg! An diesem Morgen defilieren Tausende an meinem kurzgeschorenen Kopf vorüber, sie zeigen mir ihre Zähne, sie lachen, nein, sie lachen mich aus .

Als ich sechzehn bin, verfängt sich der erste Mann in meinem Haar , und da, wie es scheint, haben die Fangschnüre ihren Zweck endlich erfüllt. Es wandelt mich eine Lust an, die ich bis dahin nicht kannte: diesen Flachs, der mir als Mädchen gewachsen ist, von mir zu trennen .

Die Revolution auf meinem Kopf sieht nicht rot oder lila aus wie bei meinen Altersgenossinnen – mich emanzipiert sie zum Weihnachtsengel . Offene Haare! Was bisher Feiertagsfrisur war, erlaube ich mir jetzt für immer, natürlich muss ich nun selber kämmen. …

Es gibt aber nichts mehr, das sich verwirren könnte.

Literarische Kompetenz

  • Metaphorische und symbolische Ausdrucksweise verstehen

Dr. Schmitt-Kaufhold