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Rainer Brambach: Känsterle


Thema:
Beziehungslosigkeit, Kälte in einer Beziehung

Kompetenzaufbau

Möglicher Schwerpunkt der Behandlung im Unterricht:

Charakterisierung von Figuren und ihrer Beziehung auf der Basis einer Dialoganalyse

(Vgl. die gestörte Kommunikation zwischen Agnes und dem Erzähler in Peter Stamms Roman Agnes)

Relevante Aspekte der Dialoganalyse
Figuren / Figurenkonstellation (sozialer Status, Beziehung der Figuren, ihre Absichten und Ziele. Bedeutung des Gesprächs für die Beziehung Charakterisierung der Figuren durch eigene Redebeiträge)

  • Känsterle wird als einfacher Schlosser bezeichnet, er ist sprachlich unbeholfen, seiner Frau unterlegen.
  • Rosa ist die Ehefrau, die offensichtlich alles plant und bestimmt.
  • Das Gespräch zeigt das ungleiche Verhältnis der beiden zueinander, die verzweifelte Revolte Känsterles.
  • Redebeiträge:
    • Känsterle: reagiert ohne Widerspruch, gehorcht, versucht dem Befehl auszuweichen, gibt auf. (Z.37)
    • Rosa: befiehlt, belehrt, präsentiert Vorbilder, ordnet an, bestimmt über ihren Mann, schafft dadurch Tatsachen, beschimpft ihn.
    • Verhältnis: Herr — Knecht

Gesprächstyp: zerstreutes Gespräch, da die Partner nicht aufeinander eingehen — die Beziehungslosigkeit wird deutlich Sprache der Figuren (Sprachstil, rhetorische Mittel, Sprachhandlungen)

  • Känsterle: Einwortsätze, zwei vollständige Sätze, Begründungssatz bleibt unvollständig. (Z. 37-39) — ungewandt, hilflos
  • Rosa: Befehlssätze, Modalverben („musst") verstärkt durch Adverbial („unbedingt"), Fragesatz als Anordnung (Z. 33), Schimpfwörter, Ausrufe) — Sie geht nicht auf ihren Partner ein, ist rücksichtslos.

Gesprächsverlauf (Sprecherwechsel, Redeanteile, Gesprächsbeziehung)

  • Rosas Dominanz zeigt sich im hohen Redeanteil. Sie beginnt das „Gespräch”, zeigt durch ihre Sprachhandlungen ihre Überlegenheit. Sie stellt Forderungen.

Gesprächsverhalten (Strategien, Gesprächssteuerung)

  • Sie zeigt ihrem Mann, dass sie die Überlegene ist und deshalb Befehle erteilen kann. Direkte Aussagen.
  • Sie zeigt keine Bereitschaft auf ihn einzugehen, nimmt seine Reaktionen nicht wahr, akzeptiert nicht seinen Hinweis auf seine Unfähigkeit. Sie verbindet ihre Bemerkungen über Nachbarn mit Diskriminierung und weiteren Befehlen.

Die komplementäre Gesprächssituation wird während Känsterles Revolte kurz getauscht: Rosa reagiert mit einem hysterischen Schrei.

Steuerung des Lesers durch den Kommentar des Nachbarn Hansmann: „Mein lieber Känsterle, ist das alles?” (Sympathie, Vorwurf, Kritik und Mitleid).

Steuerung des Lesers durch den Erzähler

Der Er-Erzähler berichtet weitgehend aus der Außensicht, unterbricht das neutrale Erzählverhalten an einigen Stellen, um die Hilflosigkeit Känsterles deutlich zu machen und den Leser zu lenken. (Mitgefühl für Känsterle: Attribute, Adverbien, Vergleich mit dem verstorbenen Weckhammer)

Darstellungsform: Bericht — Der Leser gewinnt das Gefühl des unmittelbaren Erlebens. Dieser Eindruck wird verstärkt durch den überwiegend dialogisch gehaltenen Text.

Atmosphäre: Die Kälte („kalter Wind", Z.90) korrespondiert mit dem Verhältnis der beiden Ehepartner.

Struktur

  • Zeit: Zwei Abende (Abend des „Gesprächs” — Nikolausabend)
  • Erzählverlauf: Steigend - fallend: Anfang: Dialog mit Auftrag — Känsterle allein — Höhepunkt: Känsterles Revolte — Schluss: Resignation

 

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