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Ro­ma­n­an­fän­ge

In­fo­box

Diese Seite ist Teil einer Ma­te­ria­li­en­samm­lung zum Bil­dungs­plan 2004: Grund­la­gen der Kom­pe­tenz­ori­en­tie­rung. Bitte be­ach­ten Sie, dass der Bil­dungs­plan fort­ge­schrie­ben wurde.


Di­dak­ti­sche Hin­wei­se

  • Diese Auf­ga­be steht im Zu­sam­men­hang mit der Ver­gleichs-Auf­ga­be im ana­ly­ti­schen In­ter­pre­ta­ti­ons­auf­satz.
  • Ty­pi­sche Mo­ti­ve aus „Agnes“ müs­sen be­reits her­aus­ge­ar­bei­tet sein, damit die Auf­ga­be sinn­voll be­ar­bei­tet wer­den kann (vgl. Bau­stein 4).
  • Das Ar­beits­blatt kann zu un­ter­schied­li­chen Zeit­punk­ten ein­ge­setzt wer­den:
    • am Ende der „Agnes“-Ein­heit, zur Wie­der­ho­lung und als Aus­blick auf „Homo faber“
    • am An­fang der „Homo faber“-Ein­heit, als Aus­blick
    • am Ende der „Homo faber“-Ein­heit, zur ver­glei­chen­den Wie­der­ho­lung
    • zur Wie­der­ho­lung wäh­rend der un­mit­tel­ba­ren Ab­itur-Vor­be­rei­tung

„Agnes“

Ver­gleich­s­as­pek­te (Ober­be­grif­fe)

„Homo faber“

Agnes ist tot. Eine Ge­schich­te hat sie ge­tö­tet. Nichts ist mir von ihr ge­blie­ben als diese Ge­schich­te. Sie be­ginnt an jenem Tag vor neun Mo­na­ten, als wir uns in der Chi­ca­go Pu­blic Li­bra­ry zum ers­ten­mal tra­fen. Es war kalt, als wir uns ken­nen­lern­ten. Kalt wie fast immer in die­ser Stadt. Aber jetzt ist es käl­ter, und es schneit. Über den Mi­chi­gan­see kommt der Schnee und kommt der böige Wind, der selbst durch das Iso­lier­glas der gro­ßen Fens­ter noch zu hören ist. Es schneit, aber der Schnee setzt sich nicht, er wird wei­ter­ge­trie­ben und bleibt nur lie­gen, wo der Wind nicht hin­ge­langt. Ich habe das Licht ge­löscht und schaue hin­aus auf die be­leuch­te­ten Spit­zen der Wol­ken­krat­zer, auf die ame­ri­ka­ni­sche Flag­ge, die der Wind ir­gend­wo im Licht eines Schein­wer­fers hin und her schlägt, und weit hin­un­ter auf die lee­ren Plät­ze, wo selbst jetzt, mit­ten in der Nacht, die Am­peln von Grün zu Rot und von Rot zu Grün wech­seln, als sei nichts ge­sche­hen, als ge­sche­he nichts.

Hier habe ich mit Agnes ge­wohnt, in die­ser Woh­nung, für kurze Zeit. Wir waren hier zu Hause, aber jetzt, wo Agnes ge­gan­gen ist, ist mir die Woh­nung fremd und un­er­träg­lich ge­wor­den. Nur ein Zen­ti­me­ter Glas trennt mich von Agnes, nur ein Schritt. Aber die Fens­ter las­sen sich nicht öff­nen. (S. 9f.)

 

Wir star­te­ten in La Guar­dia, New York, mit drei­stün­di­ger Ver­spä­tung in­fol­ge Schnee­stür­men. Un­se­re Ma­schi­ne war, wie üb­lich auf die­ser Stre­cke, eine Super-Con­stel­la­ti­on. Ich rich­te­te mich so­fort zum Schla­fen, es war Nacht. Wir war­te­ten noch wei­te­re vier­zig Mi­nu­ten drau­ßen auf der Piste, Schnee vor den Schein­wer­fern, Pul­ver­schnee, Wir­bel über der Piste, und was mich ner­vös mach­te, so daß ich nicht so­gleich schlief, war nicht die Zei­tung, die un­se­re Ste­war­deß ver­teil­te, First Pic­tu­res Of World's Grea­test Air Crash In Ne­va­da , eine Neu­ig­keit, die ich schon am Mit­tag ge­le­sen hatte, son­dern ein­zig und al­lein diese Vi­bra­ti­on in der ste­hen­den Ma­schi­ne mit lau­fen­den Mo­to­ren – dazu der junge Deut­sche neben mir, der mir so­gleich auf­fiel, ich weiß nicht wieso, er fiel auf, wenn er den Man­tel aus­zog, wenn er sich setz­te und sich die Bü­gel­fal­ten zog, wenn er über­haupt nichts tat, son­dern auf den Start war­te­te wie wir alle und ein­fach im Ses­sel saß, ein Blon­der mit ro­si­ger Haut, der sich so­fort vor­stell­te, noch bevor man die Gür­tel ge­schnallt hatte. Sei­nen Namen hatte ich über­hört, die Mo­to­ren dröhn­ten, einer nach dem an­dern auf Voll­gas­pro­be –

Ich war tod­mü­de.

Ivy hatte drei Stun­den lang, wäh­rend wir auf die ver­spä­te­te Ma­schi­ne war­te­ten, auf mich ein­ge­schwatzt, ob­schon sie wußte, daß ich grund­sätz­lich nicht hei­ra­te.

Ich war froh, al­lein zu sein.

End­lich ging's los –

Ich habe einen Start bei sol­chem Schnee­trei­ben noch nie er­lebt, kaum hatte sich unser Fahr­ge­stell von der wei­ßen Piste ge­ho­ben, war von den gel­ben Bo­den­lich­tern nichts mehr zu­se­hen, kein Schim­mer, spä­ter nicht ein­mal ein Schim­mer von Man­hat­tan, so schnei­te es. Ich sah nur das grüne Blink­licht an uns­rer Trag­flä­che, die hef­tig schwank­te, zeit­wei­se wipp­te; für Se­kun­den ver­schwand sogar die­ses grüne Blink­licht im Nebel, man kam sich wie ein Blin­der vor. (S. 7)

Ver­glei­chen Sie die bei­den Roman-An­fän­ge.

Oder:

Be­stim­men Sie in den Text­stel­len jene Mo­ti­ve, die für die Werke ins­ge­samt von Be­deu­tung sind.

Nut­zen Sie an­schlie­ßend die­ses Zwi­schen­er­geb­nis, um aus den Text­stel­len wich­ti­ge Ver­gleich­s­as­pek­te zu er­mit­teln. No­tie­ren Sie diese in der mitt­le­ren Spal­te in un­ter­schied­li­chen Far­ben und mar­kie­ren Sie in den ent­spre­chen­den Far­ben die pas­sen­den Text­stel­len. Über­le­gen Sie sich an­schlie­ßend, wel­che Ver­bin­dun­gen zwi­schen die­sen As­pek­ten be­ste­hen, und for­mu­lie­ren Sie das Er­geb­nis ihrer Über­le­gun­gen in gan­zen Sät­zen.


Ro­ma­n­an­fän­ge: Her­un­ter­la­den [doc] [43 KB]