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Klau­sur

In­fo­box

Diese Seite ist Teil einer Ma­te­ria­li­en­samm­lung zum Bil­dungs­plan 2004: Grund­la­gen der Kom­pe­tenz­ori­en­tie­rung. Bitte be­ach­ten Sie, dass der Bil­dungs­plan fort­ge­schrie­ben wurde.

07 Eva­lua­ti­on: Klau­sur­vor­schlag

[Bevor die ver­glei­chen­de Be­trach­tung unter einem zen­tra­len the­ma­ti­schen As­pekt ver­tie­fend er­ar­bei­tet wor­den ist, kön­nen im Kurs K1 Klau­su­ren und Teil­auf­ga­ben (als Haus­auf­ga­ben) trai­niert wer­den, die sich im We­sent­li­chen der ers­ten Teil­auf­ga­be des Auf­ga­ben­typs I ab Ab­itur 2014 „ In­ter­pre­ta­ti­ons­auf­satz zu li­te­ra­ri­schen Wer­ken im Kon­text“ wid­men.  Zu Übungs­zwe­cken soll­ten früh – in ver­ein­fach­ter Form – eine Ver­gleichs­auf­ga­be an­ge­bo­ten wer­den.]

71  Mensch und Ma­schi­ne

Sie ge­fiel mir, aber ich flir­te­te in kei­ner Weise. Ich re­de­te wie ein Leh­rer, fürch­te­te ich, wäh­rend sie lä­chel­te. Sa­beth wußte nichts von Ky­ber­ne­tik, und wie immer, wenn man mit Laien dar­über redet, galt es, al­ler­lei kin­di­sche Vor­stel­lun­gen vom Ro­bo­ter zu wi­der­le­gen, das mensch­li­che Res­sen­ti­ment gegen die Ma­schi­ne, das mich är­gert, weil es bor­niert ist, ihr ab­ge­dro­sche­nes Ar­gu­ment: der Mensch sei keine Ma­schi­ne. Ich er­klär­te, was die heu­ti­ge Ky­ber­ne­tik als In­for­ma­ti­on be­zeich­net: un­se­re Hand­lun­gen als Ant­wor­ten auf so­ge­nann­te In­for­ma­tio­nen, be­zie­hungs­wei­se Im­pul­se, und zwar sind es au­to­ma­ti­sche Ant­wor­ten, größ­ten­teils un­se­rem Wil­len ent­zo­gen, Re­fle­xe, die eine Ma­schi­ne eben­so­gut er­le­di­gen kann wie ein Mensch, wenn nicht sogar bes­ser. Sa­beth rümpf­te ihre Brau­en (wie stets bei Spä­ßen, die ihr ei­gent­lich miß­fal­len) und lach­te. Ich ver­wies sie auf Nor­bert Wie­ner: Cy­ber­ne­tics or Con­trol and Com­mu­ni­ca­ti­on in the Ani­mal and the Ma­chi­ne, M.I.T. 1948. Na­tür­lich mein­te ich nicht die Ro­bo­ter, wie sie die Il­lus­trier­ten sich aus­ma­len, son­dern die Höchst­ge­schwin­dig­keits­re­chen­ma­schi­ne, auch Elek­tro­nen-Hirn ge­nannt, weil Steue­rung durch Va­ku­um-Elek­tro­nen­röh­ren, eine Ma­schi­ne, die heute schon jedes Men­schen­hirn über­trifft. In einer Mi­nu­te 2 000 000 Ad­di­tio­nen oder Sub­trak­tio­nen! In eben­sol­chem Tempo er­le­digt sie eine In­fi­ni­te­si­mal-Rech­nung, Lo­ga­rith­men er­mit­telt sie schnel­ler, als wir das Er­geb­nis ab­le­sen kön­nen, und eine Auf­ga­be, die bis­her das ganze Leben eines Ma­the­ma­ti­kers er­for­dert hätte, wird in Stun­den ge­löst und zu­ver­läs­si­ger ge­löst, weil sie, die Ma­schi­ne, nichts ver­ges­sen kann, weil sie alle ein­tref­fen­den In­for­ma­tio­nen, mehr als ein mensch­li­ches Hirn er­fas­sen kann, in ihre Wahr­schein­lich­keits­an­sät­ze ein­be­zieht. Vor allem aber: die Ma­schi­ne er­lebt nichts, sie hat keine Angst und keine Hoff­nung, die nur stö­ren, keine Wün­sche in Bezug auf das Er­geb­nis, sie ar­bei­tet nach der rei­nen Logik der Wahr­schein­lich­keit, darum be­haup­te ich: Der Ro­bo­ter er­kennt ge­nau­er als der Mensch, er weiß mehr von der Zu­kunft als wir, denn er er­rech­net sie, er spe­ku­liert nicht und träumt nicht, son­dern wird von sei­nen ei­ge­nen Er­geb­nis­sen ge­steu­ert (feed back) und kann sich nicht irren; der Ro­bo­ter braucht keine Ah­nun­gen –

Sa­beth fand mich ko­misch.(S. 74f)

(C) Text "Mensch und Ma­schi­ne" Text mit freund­li­cher Ge­neh­mi­gung des suhr­pamp-Ver­lags, Frank­furt am Main 1957, St 354 1980, S.74

Auf­ga­ben­stel­lung:

  • Legen Sie kurz dar, wie es zur Be­geg­nung Wal­ter Fa­bers mit Sa­beth kommt.
  • In­ter­pre­tie­ren Sie die Text­stel­le, be­zie­hen Sie die sprach­li­che und er­zäh­le­ri­sche Ge­stal­tung ein.
  • Ver­glei­chen Sie die Text­stel­le mit dem Ende von Ka­pi­tel 3 in Peter Stamms „Agnes“ (ab S. 20: „Ich frag­te Agnes, woran sie ar­bei­te.“) .

 

Klau­sur: Her­un­ter­la­den [doc] [35 KB]