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Rai­ner Bram­bach: Käns­ter­le

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Diese Seite ist Teil einer Ma­te­ria­li­en­samm­lung zum Bil­dungs­plan 2004: Grund­la­gen der Kom­pe­tenz­ori­en­tie­rung. Bitte be­ach­ten Sie, dass der Bil­dungs­plan fort­ge­schrie­ben wurde.


Thema:
Be­zie­hungs­lo­sig­keit, Kälte in einer Be­zie­hung

Kom­pe­tenz­auf­bau

Mög­li­cher Schwer­punkt der Be­hand­lung im Un­ter­richt:

Cha­rak­te­ri­sie­rung von Fi­gu­ren und ihrer Be­zie­hung auf der Basis einer Dia­logana­ly­se

(Vgl. die ge­stör­te Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen Agnes und dem Er­zäh­ler in Peter Stamms Roman Agnes)

Re­le­van­te As­pek­te der Dia­logana­ly­se
Fi­gu­ren / Fi­gu­ren­kon­stel­la­ti­on (so­zia­ler Sta­tus, Be­zie­hung der Fi­gu­ren, ihre Ab­sich­ten und Ziele. Be­deu­tung des Ge­sprächs für die Be­zie­hung Cha­rak­te­ri­sie­rung der Fi­gu­ren durch ei­ge­ne Re­de­bei­trä­ge)

  • Käns­ter­le wird als ein­fa­cher Schlos­ser be­zeich­net, er ist sprach­lich un­be­hol­fen, sei­ner Frau un­ter­le­gen.
  • Rosa ist die Ehe­frau, die of­fen­sicht­lich alles plant und be­stimmt.
  • Das Ge­spräch zeigt das un­glei­che Ver­hält­nis der bei­den zu­ein­an­der, die ver­zwei­fel­te Re­vol­te Käns­ter­les.
  • Re­de­bei­trä­ge:
    • Käns­ter­le: re­agiert ohne Wi­der­spruch, ge­horcht, ver­sucht dem Be­fehl aus­zu­wei­chen, gibt auf. (Z.37)
    • Rosa: be­fiehlt, be­lehrt, prä­sen­tiert Vor­bil­der, ord­net an, be­stimmt über ihren Mann, schafft da­durch Tat­sa­chen, be­schimpft ihn.
    • Ver­hält­nis: Herr — Knecht

Ge­sprächs­typ: zer­streu­tes Ge­spräch, da die Part­ner nicht auf­ein­an­der ein­ge­hen — die Be­zie­hungs­lo­sig­keit wird deut­lich Spra­che der Fi­gu­ren (Sprach­stil, rhe­to­ri­sche Mit­tel, Sprach­hand­lun­gen)

  • Käns­ter­le: Ein­wort­sät­ze, zwei voll­stän­di­ge Sätze, Be­grün­dungs­satz bleibt un­voll­stän­dig. (Z. 37-39) — un­ge­wandt, hilf­los
  • Rosa: Be­fehls­sät­ze, Mo­dal­ver­ben („musst") ver­stärkt durch Ad­ver­bi­al („un­be­dingt"), Fra­ge­satz als An­ord­nung (Z. 33), Schimpf­wör­ter, Aus­ru­fe) — Sie geht nicht auf ihren Part­ner ein, ist rück­sichts­los.

Ge­sprächs­ver­lauf (Spre­cher­wech­sel, Re­de­an­tei­le, Ge­sprächs­be­zie­hung)

  • Rosas Do­mi­nanz zeigt sich im hohen Re­de­an­teil. Sie be­ginnt das „Ge­spräch”, zeigt durch ihre Sprach­hand­lun­gen ihre Über­le­gen­heit. Sie stellt For­de­run­gen.

Ge­sprächs­ver­hal­ten (Stra­te­gi­en, Ge­sprächs­steue­rung)

  • Sie zeigt ihrem Mann, dass sie die Über­le­ge­ne ist und des­halb Be­feh­le er­tei­len kann. Di­rek­te Aus­sa­gen.
  • Sie zeigt keine Be­reit­schaft auf ihn ein­zu­ge­hen, nimmt seine Re­ak­tio­nen nicht wahr, ak­zep­tiert nicht sei­nen Hin­weis auf seine Un­fä­hig­keit. Sie ver­bin­det ihre Be­mer­kun­gen über Nach­barn mit Dis­kri­mi­nie­rung und wei­te­ren Be­feh­len.

Die kom­ple­men­tä­re Ge­sprächs­si­tua­ti­on wird wäh­rend Käns­ter­les Re­vol­te kurz ge­tauscht: Rosa re­agiert mit einem hys­te­ri­schen Schrei.

Steue­rung des Le­sers durch den Kom­men­tar des Nach­barn Hans­mann: „Mein lie­ber Käns­ter­le, ist das alles?” (Sym­pa­thie, Vor­wurf, Kri­tik und Mit­leid).

Steue­rung des Le­sers durch den Er­zäh­ler

Der Er-Er­zäh­ler be­rich­tet weit­ge­hend aus der Au­ßen­sicht, un­ter­bricht das neu­tra­le Er­zähl­ver­hal­ten an ei­ni­gen Stel­len, um die Hilf­lo­sig­keit Käns­ter­les deut­lich zu ma­chen und den Leser zu len­ken. (Mit­ge­fühl für Käns­ter­le: At­tri­bu­te, Ad­ver­bi­en, Ver­gleich mit dem ver­stor­be­nen Weck­ham­mer)

Dar­stel­lungs­form: Be­richt — Der Leser ge­winnt das Ge­fühl des un­mit­tel­ba­ren Er­le­bens. Die­ser Ein­druck wird ver­stärkt durch den über­wie­gend dia­lo­gisch ge­hal­te­nen Text.

At­mo­sphä­re: Die Kälte („kal­ter Wind", Z.90) kor­re­spon­diert mit dem Ver­hält­nis der bei­den Ehe­part­ner.

Struk­tur

  • Zeit: Zwei Aben­de (Abend des „Ge­sprächs” — Ni­ko­laus­abend)
  • Er­zähl­ver­lauf: Stei­gend - fal­lend: An­fang: Dia­log mit Auf­trag — Käns­ter­le al­lein — Hö­he­punkt: Käns­ter­les Re­vol­te — Schluss: Re­si­gna­ti­on

 

Rai­ner Bram­bach: Käns­ter­le: Her­un­ter­la­den [doc] [55 KB]