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Ist Agnes tot? – Deu­tung

In­fo­box

Diese Seite ist Teil einer Ma­te­ria­li­en­samm­lung zum Bil­dungs­plan 2004: Grund­la­gen der Kom­pe­tenz­ori­en­tie­rung. Bitte be­ach­ten Sie, dass der Bil­dungs­plan fort­ge­schrie­ben wurde.


Ist Agnes tot?

Ar­beits­auf­trag

  1. Wel­che Hin­wei­se im Text legen diese Lö­sung nahe?

Peter Stamm hat in einem In­ter­view dazu Stel­lung ge­nom­men:

" Na ja, die Über­ein­stim­mung ist nicht so klar. Man weiß nicht wirk­lich, ob sie das tut, was er auf­ge­schrie­ben hat. Für ihn tut sie es, glau­be ich, das zeigt eher, in wel­cher geis­ti­gen Ver­fas­sun­ger ist, dass er­e­ben gar nicht mehr an­ders den­ken kann, als dass Agnes vor­zieht, was er­ge­schrie­ben hat. Ich sage oft in Schu­len, wenn die Frage kommt, dass es­un­wahr­schein­lich ist, dass sie sich um­bringt. Psy­cho­lo­gisch be­trach­tet: Was würde ich ma­chen, wenn eine Freun­din über mich schreibt, dass ich­mich um­brin­ge? Dann würde ich ver­mut­lich sagen: diese Be­zie­hung hat­kei­ne Basis mehr. Oder ich gehe viel­leicht bes­ser weg, aber ich würde mich be­stimmt nicht um­brin­gen.

Aber das ist auch nicht so wich­tig, es geht in dem Buch nicht darum, eine reale Be­zie­hung zu be­schrei­ben, son­dern in ge­wis­sem Sinne darum,die Macht der Be­zie­hung zu zei­gen. …"

(Peter Stamm an­läss­lich der San­kel­mark-Ta­gung in Schles­wig Hol­stein 2010 / in: Li­te­ra­tur im Un­ter­richt . Wis­sen­schaft­li­cher Ver­lag Trier 12. Jahr­gang, Heft 3, 2011)


Ar­beits­auf­trag

  1. Deu­ten Sie vor die­sem Hin­ter­grund die zwei­te Ver­si­on des Endes der Ge­schich­te von Agnes. Be­rück­sich­ti­gen Sie vor allem den Satz „ Lang­sam ge­wann sie das Ge­fühl zu­rück, …“

Der Wind blies böig. Das Brau­sen in Agnes' Ohren über­deck­te jedes an­de­re Ge­räusch, jeden Ge­dan­ken. Sie ver­irr­te sich auf den ver­schlun­ge­nen Wegen und mußte lange su­chen, bis sie den Platz im Wald wie­der­fand. Die Bäume hat­ten ihre Blät­ter ver­lo­ren, und der See war zu­ge­fro­ren. Aber Agnes er­kann­te die Stel­le. Sie zog ihre Hand­schu­he aus und fuhr mit den Hän­den über die eis­kal­ten Stäm­me der Bäume. Sie fühl­te nicht die Kälte, aber sie spür­te die schor­fi­ge Rinde an ihren fast tau­ben Fin­ger­kup­pen. Dann knie­te sie nie­der, legte sich hin und drück­te ihr Ge­sicht in den pulv­ri­gen Schnee. Lang­sam ge­wann sie das Ge­fühl zu­rück, erst in den Füßen, in den Hän­den, dann in den Bei­nen und Armen, es brei­te­te sich aus, wan­der­te durch ihre Schul­tern und ihren Un­ter­leib zu ihrem Her­zen, bis es ihren gan­zen Kör­per durch­drang und es ihr schien, als liege sie glü­hend im Schnee, als müsse der Schnee unter ihr schmel­zen.

(S. 152) [1]


Ist Agnes tot? – Deu­tung: Her­un­ter­la­den [doc] [34 KB]


[1] Peter Stamm: Agnes . S. Fi­scher Ver­lag 2009, 5. Auf­la­ge, Fi­scher (Tb) © 1998 by Peter Stamm