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Dia­logana­ly­se: Faber - Sa­beth

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Diese Seite ist Teil einer Ma­te­ria­li­en­samm­lung zum Bil­dungs­plan 2004: Grund­la­gen der Kom­pe­tenz­ori­en­tie­rung. Bitte be­ach­ten Sie, dass der Bil­dungs­plan fort­ge­schrie­ben wurde.

65 Dia­logana­ly­se: Faber Sa­beth

Das ver­ba­le Ping­pong-Spiel

als Fort­set­zung des rea­len Ping­pong­spiels auf dem Schiff (S. 150-152)

Schon am Abend jenes ers­ten Tages, nach­dem ich den Son­nen­un­ter­gang ge­filmt hatte, spiel­ten wir Ping­pong , unser ers­tes und letz­tes. (S. 73)

Vor vier­und­zwan­zig Stun­den (es kam mir wie eine Ju­gend­er­in­ne­rung vor!) saßen wir noch auf Akro­ko­rinth, Sa­beth und ich, um den Son­nen­auf­gang zu er­war­ten. Ich werde es nie ver­ges­sen! Wir sind von Pa­tras ge­kom­men und in Ko­rinth aus­ge­stie­gen, um die sie­ben Säu­len eines Tem­pels zu be­sich­ti­gen, dann Abend­es­sen in einem Guest-House in der Nähe. Sonst ist Ko­rinth ja ein Hüh­ner­dorf. Als sich her­aus­stell­te, daß es keine Zim­mer gibt, däm­mert es be­reits; Sa­beth fand es eine Glan­z­idee von mir, ein­fach wei­ter­zu­wan­dern in die Nacht hin­aus und unter einem Fei­gen­baum zu schla­fen. Ei­gent­lich habe ich's als Spaß ge­meint, aber da Sa­beth es eine Glan­z­idee fin­det, zie­hen wir wirk­lich los, um einen Fei­gen­baum zu fin­den, ein­fach quer­feld­ein. Dann das Ge­bell von Hir­ten­hun­den, Alarm rings­um, die Her­den in der Nacht; es müs­sen ziem­li­che Bes­ti­en sein, nach ihrem Ge­kläff zu schlie­ßen, und in der Höhe, wohin sie uns trei­ben, gibt es keine Fei­gen­bäu­me mehr, nur Dis­teln, dazu Wind. Von Schla­fen keine Rede! Ich habe ja nicht ge­dacht, daß die Nacht in Grie­chen­land so kalt sein würde, eine Nacht im Juni, ge­ra­de­zu naß. Und dazu keine Ah­nung, wohin er uns füh­ren wird, ein Saum­pfad zwi­schen Fel­sen hin­auf, stei­nig, stau­big, daher im Mond­licht weiß wie Gips . Sa­beth fin­det: Wie Schnee ! Wir ei­ni­gen uns: Wie Jo­ghurt ! Dazu die schwar­zen Fel­sen über uns: Wie Kohle! finde ich, aber Sa­beth fin­det wie­der ir­gend etwas an­de­res, und so un­ter­hal­ten wir uns auf dem Weg, der immer höher führt. Das Wie­hern eines Esels in der Nacht: Wie der erste Ver­such auf einem Cello! fin­det Sa­beth, ich finde: Wie eine un­ge­schmier­te Brem­se! Sonst To­ten­stil­le; die Hunde sind end­lich ver­stummt, seit sie un­se­re Schrit­te nicht mehr hören. Die wei­ßen Hüt­ten von Ko­rinth: Wie wenn man eine Dose mit Wür­fel­zu­cker aus­ge­leert hat! Ich finde etwas an­de­res, bloß um unser Spiel wei­ter­zu­ma­chen. Eine letz­te schwar­ze Zy­pres­se. Wie ein Aus­ruf­zei­chen! fin­det Sa­beth, ich be­strei­te es; Aus­ruf­zei­chen haben ihre Spit­ze nicht oben, son­dern unten. Wir sind die ganze Nacht ge­wan­dert. Ohne einen Men­schen zu tref­fen. Ein­mal er­schreckt uns Ge­bim­mel einer Ziege, dann wie­der Stil­le über schwar­zen Hän­gen, die nach Pfef­fer­minz duf­ten, Stil­le mit Herz­klop­fen und Durst, nichts als Wind in tro­cke­nen Grä­sern: Wie wenn man Seide reißt! fin­det Sa­beth, ich muß mich be­sin­nen, und oft fällt mir über­haupt nichts ein, dann ist das ein Punkt für Sa­beth, laut Spiel­re­gel. Sa­beth weiß fast immer etwas. Türme und Zin­nen einer mit­tel­al­ter­li­chen Bas­ti­on: Wie Ku­lis­sen in der Opéra! Wir gehen durch Tore und Tore, nir­gends ein Ge­räusch von Was­ser, wir hören das Echo uns­rer Schrit­te an den tür­ki­schen Mau­ern, sonst To­ten­stil­le, so­bald wir ste­hen. Un­se­re Mond­schat­ten: Wie Sche­ren­schnit­te! fin­det Sa­beth. Wir spie­len stets auf ein­und­zwan­zig Punk­te, wie beim Ping­pong, dann ein neues Spiel, bis wir plötz­lich, noch mit­ten in der Nacht, oben auf dem Berg sind. Unser Komet ist nicht mehr zu sehen. In der Ferne das Meer: Wie Zink­blech! finde ich, wäh­rend Sa­beth fin­det, es sei kalt, aber trotz­dem eine Glan­z­idee, ein­mal nicht im Hotel zu über­nach­ten. Es ist ihre erste Nacht im Frei­en ge­we­sen. Sa­beth in mei­nem Arm, wäh­rend wir auf den Son­nen­auf­gang war­ten, schlot­tert. Vor Son­nen­auf­gang ist es ja am käl­tes­ten. Dann rau­chen wir zu­sam­men noch un­se­re letz­te Zi­ga­ret­te; vom kom­men­den Tag, der für Sa­beth die Heim­kehr be­deu­ten soll­te, haben wir kein Wort ge­spro­chen. Gegen fünf Uhr das erste Däm­mer­licht: Wie Por­zel­lan! Von Mi­nu­te zu Mi­nu­te wird es hel­ler, das Meer und der Him­mel, nicht die Erde; man sieht, wo Athen lie­gen muß, die schwar­zen In­seln in hel­len Buch­ten, es schei­den sich Was­ser und Land, ein paar klei­ne Mor­gen­wol­ken dar­über: Wie Quas­ten mit Rosa-Puder: fin­det Sa­beth, ich finde nichts und ver­lie­re wie­der einen Punkt. 19:9 für Sa­beth! Die Luft um diese Stun­de: Wie Herbst­zeit­lo­sen! Ich finde: Wie Cel­lo­phan mit nichts da­hin­ter. Dann er­kennt man be­reits die Bran­dung an den Küs­ten: Wie Bier­schaum! Sa­beth fin­det: Wie eine Rü­sche!! Ich nehme mei­nen Bier­schaum zu­rück, ich finde: Wie Glas­wol­le! Aber Sa­beth weiß nicht, was Glas­wol­le ist - und dann die ers­ten Strah­len aus dem Meer: Wie eine Garbe, wie Spee­re, wie Sprün­ge in einem Glas, wie eine Mons­tranz, wie Fotos von Elek­tro­nen- Be­schie­ßun­gen. Für jede Runde zählt aber nur ein ein­zi­ger Punkt; es er­üb­rigt sich, ein hal­bes Dut­zend von Ver­glei­chen an­zu­mel­den, kurz dar­auf ist die Sonne schon auf­ge­gan­gen, blen­dend: Wie der erste An­stich in einem Hoch­ofen! finde ich, wäh­rend Sa­beth schweigt und ih­rer­seits einen Punkt ver­liert ... Ich werde nie ver­ges­sen, wie sie auf die­sem Fel­sen sitzt, ihre Augen ge­schlos­sen, wie sie schweigt und sich von der Sonne be­schei­nen läßt. Sie sei glück­lich, sagt sie, und ich werde nie ver­ges­sen: das Meer, das zu­se­hends dunk­ler wird, blau­er, vio­lett, das Meer von Ko­rinth und das an­de­re, das at­ti­sche Meer, die rote Farbe der Äcker, die Oli­ven, grün­spa­nig, ihre lan­gen Mor­gen­schat­ten auf der roten Erde, die erste Wärme und Sa­beth, die mich um­armt, als habe ich ihr alles ge­schenkt, das Meer und die Sonne und alles, und ich werde nie ver­ges­sen, wie Sa­beth singt!

An­mer­kung: Den Text mit Zei­len­num­mern fin­den sie im An­hang.

Auf­ga­ben:

  1. Ver­voll­stän­di­gen Sie die Ta­bel­le nach dem Mus­ter in Zeile 1. (nächs­te Seite)
  1. (1) Be­schrei­ben Sie in einem Fließ­text das ver­ba­le Ping­pong-Spiel.
  1. (2) Z 54-60. Fa­bers Er­in­ne­rung wird ly­risch. Bre­chen Sie am Com­pu­ter den Text so um, dass das Ly­ri­sche sicht­bar wird.    mög­li­che Lö­sung
  1. (1) In­ter­pre­tie­ren Sie das ver­ba­le Ping­pong­spiel als Aus­druck der je­wei­li­gen
    Welt­sicht von Faber und Sa­beth.
  1. (2) Zie­hen Sie Pas­sa­ge S. 195f heran und prü­fen Sie, in­wie­fern Faber sich ge­wan­delt hat.

C+ Ex­kurs: Ver­gleich mit der Wech­sel­re­de zwi­schen Faust und He­le­na in Goe­thes Faust, Der Tra­gö­die zwei­ter Teil (9365 – 9384)Ana­ly­sie­ren Sie, wie He­le­na und Faust sich an­nä­hern und ver­glei­chen Sie diese An­nä­he­rung mit der Be­zie­hung Fa­bers und Sa­beths in der Akro­ko­rinth-Szene.

he­le­na
Viel­fa­che Wun­der seh' ich, hör' ich an,
Er­stau­nen trifft mich, fra­gen möcht' ich viel.
Doch wünscht' ich Un­ter­richt, warum die Rede
Des Manns mir selt­sam klang, selt­sam und freund­lich.
Ein Ton scheint sich dem an­dern zu be­que­men,
Und hat ein Wort zum Ohre sich ge­sellt,
Ein and­res kommt, dem ers­ten lieb­zu­ko­sen.

faust
Ge­fällt dir schon die Sprech­art uns­rer Völ­ker,
O so gewiß ent­zückt auch der Ge­sang,
Be­frie­digt Ohr und Sinn im tiefs­ten Grun­de.
Doch ist am si­chers­ten, wir üben's gleich;
Die Wech­sel­re­de lockt es, ruft's her­vor.

he­le­na
So sage denn, wie sprech' ich auch so schön?

faust
Das ist gar leicht, es muß von Her­zen gehn.
Und wenn die Brust von Sehn­sucht über­fließt,
Man sieht sich um und fragt - +

he­le­na
Wer mit­ge­nießt.

faust
Nun schaut der Geist nicht vor­wärts, nicht zu­rück,
Die Ge­gen­wart al­lein - +

he­le­na
ist unser Glück.

faust
Schatz ist sie, Hoch­ge­winn, Be­sitz und Pfand;
Be­stä­ti­gung, wer gibt sie? +

he­le­na
Meine Hand.

 

Tischtennis Schläger
Bi­lid­quel­le und Co­py­right (C) gno­kii https://​open­clip­art.​org/​de­tail/​152959/​table-​ten­nis-​by-​gno­kii

Akro­ko­rinth-Szene

S. 150-152

Tischtennis Schläger
Bi­lid­quel­le und Co­py­right (C) gno­kii https://​open­clip­art.​org/​de­tail/​152959/​table-​ten­nis-​by-​gno­kii

 

Fa­bers Be­zeich­nung

Ei­ni­gung

Sa­beths Be­zeich­nung

 

 

 

 

1

Saum­pfad. daher im Mond­licht weiß … wie Gips (Z 17f)

Jo­ghurt

wie Schnee

 

 

 

 

  Mög­li­che Lö­sung zu B 2

 

Dia­logana­ly­se: Faber - Sa­beth: Her­un­ter­la­den [doc] [66 KB]