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Kompetenzraster Dialoganalyse

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Kriterium

Aspekte der Lösung: Kompetenzstufen

A

B

C

Situativer Kontext des Gesprächs

Nach dem Unfall und Sabeths Einlieferung in die Klinik begegnen sich Faber und Hanna wieder. Hanna will in einer Art Verhör wissen, wie es zur Begegnung Fabers mit Sabeth kam und ob sie schon mit einem Mann (Faber?) zusammen war. Neben dem Essen und Trinken berichten die beiden aus ihrem Leben. „Ich kleistere Vergangenheit zusammen.“ (139) Im Dialog geht es um die Vergangenheit der beiden Gesprächspartner selbst.

Der Dialog wird in die Rahmenhandlung eingebettet, indem deutlich wird, dass das Gespräch in Hannas Wohnung in Athen stattfindet, nachdem Sabeth ins Krankenhaus eingeliefert wurde.

Zusammenhang zum Unfall und der Wiederbegegnung von Faber und Hanna in deren Wohnung in Athen ist hergestellt.

Die Frage, wer Sabeths Vater ist, wird thematisiert.

Zusammenhang zum Unfall und der Wiederbegegnung von Hanna und Faber ist hergestellt.

Die Frage, wer Sabeths Vater ist, wird aus Fabers und Hannas Perspektive thematisiert. Darüberhinaus wird die Rekonstruktion der Liebes-Vergangenheit der Gesprächspartner erkannt.

Absichten, Interessen, Ziele

Hanna möchte erfahren, ob Faber ein libidinöses Verhältnis mit Sabeth hatte, ohne zu viel von ihrem Wissensmonopol über Sabeths Vater preiszugeben. Sabeth betrachtet sie als „mein Kind, nicht dein Kind“ (138) und will weder die Sorge um ihre Gesundheit noch die Erinnerung an die Vergangenheit mit Faber teilen. Faber will eigentlich wissen, ob er Sabeths Vater ist, ohne der Zeitrechnung allzu ernsthaft nachzugehen (Z 13f). Gleichzeitig will er sich im Konsens mit Hanna an die gemeinsame libidinöse Erfahrung – damals – erinnern.

Hannas und Fabers Ablenkungsmanöver (Geschirrwaschen, Kaffeekochen, Frau Oppikofer) sind ansatzweise erkannt, aber nicht belegt. Erfasst, dass jeder Gesprächsteilnehmer andere Ziele verfolgt.

Hannas und Fabers Ablenkungsmanöver (Geschirrwaschen, Kaffeekochen, Frau Oppikofer) sind erkannt und am Text belegt. Erfasst, dass jeder Gesprächs­teilnehmer andere Ziele verfolgt und an einem Beispiel belegt .

Hannas und Fabers Ablenkungsmanöver (Geschirrwaschen, Kaffeekochen, Frau Oppikofer) sind erkannt und am Text detailliert belegt . Erfasst, dass jeder Gesprächs­teilnehmer andere Ziele verfolgt und an Text-Beispielen belegt. Themawechsel, Handlungen und Reden als Ablenkungen vom Ziel des anderen identi­fiziert. Wenn diese Strategien als Ablenkungen von der Wahrheitssuche auch Hannas er­kannt werden, stellt dies eine besondere Leistung dar (C+).

Thema des Gesprächs

Faber will sich – beim Geschirrabtrocknen - an die schöne gemeinsame Zeit  mit Hanna erinnern. Den Indizien, dass er Sabeths Vater ist (20 oder 21 Jahre her?), geht er weiter aus dem Weg: „Eine hübsche Küche“ (Z 15).  Hanna redet lieber über Joachim und lenkt von der Erinnerung an damals mit Geschirrwaschen und Kaffeekochen ab.

Vergangenheit als Thema identifiziert.

Vergangenheit als Thema aus der Perspektive beider Dialogpartner identifiziert.

Vergangenheit als Thema aus der Perspektive beider Dialogpartner identifiziert. Am Text belegt, dass die Gesprächspartner nur ihrer eigenen Verganheits­rekonstruktion nachgehen.

Kommunika-tionsstruktur

Die unterschiedlichen Absichten der Gesprächspartner lassen sich mit Kategorien Schulz v. Thuns be­schreiben. Danach kann man z.B. Fabers Erinnerung an das Leben mit Hanna in der Bude vor 20/21 Jahren (Z 22f) als Selbstoffenbarung kenn­zeichnen. Das Erlebnis mit Sabeth lädt die Erinnerung an Hanna sexuell auf. Faber tauscht hier nicht zum ersten Mal in seiner Selbstkonstruk­tion Tochter und Mutter aus. Hannas Frage nach „Kaffee“ enthält über die sachliche Ebene hinaus die Selbst­offenbarung Ich will mich jetzt nicht daran erinnern, weiter den Bezie­hungsaspekt Angesichts des vermu­teten Inzestes will ich nicht mit dir über unsere erotische Verg­angenheit reden und enthält schließlich den Appell Lass uns das Thema wechseln!

Die misslungene Kommunikation wird ansatzweise erkannt.

In einem Dialogausschnitt werden 2-3 Seiten der Botschaft erkannt und mit korrekten Begriffen beschrieben.

Die misslungene Kommunikation wird als den Dialog konstituie­rende Erscheinung erkannt und beschrieben.

In einem Dialogausschnitt werden alle 4 Seiten der Botschaft aus der Perspektive eines Partners erkannt und beschrieben.

Die misslungene Kommunikation wird als den Dialog konstituierende Erscheinung erkannt und als Nichtkongruenz von digitaler und analoger Kommunikation (Watzlawick) mit Fachvokabular beschrieben.

In einem Dialogausschnitt werden alle 4 Seiten der Botschaft aus der Perspektive eines Partners erkannt und beschrieben. Darüberhinaus werden Schulz von Thuns Kategorien ansatzweise auch auf den anderen Gesprächspartner angewandt.

(C+)

Charakteri­sierung der Figuren durch das Gesprächs­verhalten

Beide Figuren, leiden nicht nur unter einer „déformation professionelle“ (Z 3), sondern unter auch unter einer „déformation privée“: Faber will von Hannas Zeitrechnung, die seine Vaterschaft offenbaren würde, nichts wissen, er redet lieber „von irgend etwas“ (Z 20) oder ausweichend von der „hübsche(n) Küche (Z 15), Hanna will „keine Erinnerungen hören“ (Z  32), weil es erotische Erinnerungen sind. Die Ausweichmanöver sind sprachlicher (Themawechsel) und extraverbaler Art (Geschirrwaschen und Kaffeekochen).

Anknüpfen an bereits erarbeiteter Personencha­rakter­sierung.

Brüche im Dialog durch Themawechsel und formale Betriebsamkeit ansatzweise erfasst. Faber als Dialogdominator im zweiten Teil erkannt.

Erfasst, dass Faber den Dialog zum Schluss hin leitet und dominiert, Hanna nur eine substanzielle Frage (nach Joachim) stellt, ansonsten aber der Erinnerung ausweicht. Dass Faber der erotischen Erinnerung nachgeht , wird an seinem Insistieren auf dem „Damals“ festgemacht.

Hannas Ausweichmanöver exakt an ihrem Handlungen und nichtssagenden Nachfragen nachgewiesen.

Die misslungene Kommunikation nachgewiesen z.B. durch Fabers Antwort auf die Frage nach dem Kaffee mit der „lustigen Erinnerung“ an damals (vgl. Z 29).

Erzähler

Erzählstrategie

Wie im ganzen Roman erzählt Faber als Ich-Erzähler aus seiner Perspektive das Geschehen und bewertet dabei stark die Situation und den Gesprächspartner (Z 4, 32). Die Rede der Gesprächspartner wird im Erzählbericht neben der direkten Rede auf eine besondere Weise auch indirekt wiedergegeben (Z 3, 9f, 13). Während dem Leser zunächst Bedeutungslosigkeit suggeriert wird ( „Ich redete von irgend etwas –“ Z 20), zielt der Ich-Erzähler auf die Erinnerung an die gemeinsame erotische Vergangenheit (Z 21ff). Die - wegen der damit zusammenhängen Vaterschaft Fabers - bedeutende Frage, ob das Erinnerte vor 20 oder 21 Jahren war, wird als beiläufig berichtet (Z 10, 13f). Damit produziert Frisch eine Leerstelle, die der Leser mit Bedeutung auflädt. Dass diese Debatte offensichtlich intensiv und iterativ geführt wurde, verschleiert der Ich-Erzähler mit seinem üblichen Verdrängungsmecha­nismus. Er gibt aber lapidar zu, sich an Hannas Rechnung gehalten zu haben, „ damit sie mich nicht jedes Mal verbesserte“ (Z 14). Frisch lässt also den Ich-Erzähler so agieren, wie es für ihn charakteristisch ist, indem er der Wahrheit strategisch aus dem Wege geht. Dem Leser ermöglicht es der Autor aber, dem unzuverlässigen Erzähler auf die Schliche zu kommen, indem sich im Leser die Ahnung weiter verdichtet, dass Faber Sabeths Vater ist.

Der aus dem Romanganzen bekannte Verdrängungsmechanismus des Ich-Erzählers wird auch an dieser Passage identifiziert, aber nicht belegt.

Der aus dem Romanganzen bekannte Verdrängungsmechanis­mus des Ich-Erzählers wird auch an dieser Passage identifiziert und am Text belegt.

(Wiederholend) erkannt, dass Faber ein unzuver­lässiger Erzähler ist. Die besondere indirekte Redewiedergabe wird beschrieben.

Der aus dem Romanganzen bekannte Verdrängungsmecha­nismus des Ich-Erzählers wird auch an dieser Passage identifiziert und am Text belegt.

(Wiederholend) erkannt, dass Faber ein unzuverlässiger Erzähler ist. Die besondere indirekte Redewiedergabe wird beschrieben und an 1-2 Passagen belegt .

Autor und Ich-Erzähler werden in ihrer je unterschiedlichen Intention und Erzählstrategie ansatzweise differenziert betrachtet.

Das Kriterium „Kommunikationsstruktur“ kann nur angewendet werden, wenn Schulz von Thuns Modell im Unterricht behandelt wurde. Nach unserem Vorschlag eines Kompetenzverteilungsplans wird diese Grundlage zu Beginn von K1 in der Einheit „Kurzprosa“ gelegt. Selbstverständlich können auch die Modelle Watzlawicks oder das ältere von Bühler verwendet werden. Schulz von Thun hat den Vorteil, dass er unter den Autoren der jüngste ist und die beiden anderen quasi in sich aufhebt.

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