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Un­ter­richts­pra­xis

In­fo­box

Diese Seite ist Teil einer Ma­te­ria­li­en­samm­lung zum Bil­dungs­plan 2004: Grund­la­gen der Kom­pe­tenz­ori­en­tie­rung. Bitte be­ach­ten Sie, dass der Bil­dungs­plan fort­ge­schrie­ben wurde.

Essay - Me­tho­dik u. Un­ter­richts­pra­xis

2011, Dr. Schmitt-Kauf­hold

  1. Es­say­is­ti­sche Texte lesen und ana­ly­sie­ren -> Kri­te­ri­en ent­wi­ckeln
  2. Text­dos­sier aus­wer­ten -> ge­dank­lich durch­drin­gen
  3. Ideen ent­wi­ckeln (z.B. Per­spek­ti­ven­wech­sel)
  4. Einen ei­ge­nen Stand­punkt ge­win­nen: „Egal, was du denkst, denk das Ge­gen­teil!“
  5. Wech­sel von Emo­ti­on u. Ratio: As­so­zia­ti­ons­spiel
  6. Li­te­ra­ri­sches Schrei­ben üben (sinnl. Wahr­neh­mung: Schrei­ben vor Ort)
  7. Ge­stal­te­ri­sche Mit­tel er­pro­ben: Um­schrei­ben, Ana­ly­se von Schü­ler­tex­ten, Ein­setz­übun­gen, …
  8. Krea­ti­ve Schreib­spie­le

Hil­fen:

Übun­gen im Ge­stal­ten­den Schrei­ben (Cur­ri­cu­lum)

Tex­t­rät­sel/Krea­ti­ves Schreib­spiel:

Tod am Fens­ter

Ein Mann schau­te aus dem Fens­ter und be­ob­ach­te­te eine hüb­sche Frau, die ge­ra­de an sei­nem Haus vor­bei ging.

Kurz da­nach war er tot.

Was ist pas­siert?

No­ti­zen

  1. Viele Texte, ei­ni­ge genau ana­ly­sie­ren
    • Für Er­fas­sen der spe­zi­fi­schen Merk­ma­le u. ihres Va­ri­an­ten­reich­tums leis­tet die Ana­ly­se von Bei­spiel­tex­ten mehr. 
    • On­line-Auf­tritt: Ar­beits­blät­ter mit Fra­gen zur Ana­ly­se – His­to­ri­scher Quer­schnitt – spä­tes­tens nach den Som­mer­fe­ri­en im Netz – hand­lungs­ori­en­tier – gut ge­eig­net
    • Texte soll­ten nicht zu lang und nicht zu „bil­dungs­ge­sät­tigt“ sin.  - Rück­griff auf das Feuille­ton (Vgl. swr 2)
    Oder: De­fi­ni­tio­nen der Text­sor­te ver­glei­chen – ana­ly­ti­scher, we­ni­ger ge­eig­net
  2. z.B. Vor­ur­tei­le auf­spü­ren – z.B. in Dis­kus­sio­nen – ei­ge­ne Stel­lung­nah­me üben
  3. Als Schreib- oder Ar­gu­men­ta­ti­ons­übung Scheur­mann: Der Pa­pa­lagi, Ge­dan­ken eines Süd­see­häupt­lings zur west­li­chen Zi­vi­li­sa­ti­on / oder: Aus dem Ta­ge­buch einer Tank­stel­le
  4. Übun­gen in Prak­ti­scher Rhe­to­rik (RP: PuR – Prä­sen­ta­ti­on und Rhe­to­rik – Fach­be­ra­ter Bütt­ner)
  5. Sinn­li­che Wahr­neh­mung: Si­tua­tio­nen, Men­schen, Land­schaf­ten durch Schrei­ben vor Ort – Port­fo­lio Stol­per­stei­ne

Mög­lich­kei­ten des Übens

  • Klei­ne Por­tio­nen: Teil­kom­pe­ten­zen an­bah­nen
  • Ge­gen­tex­te (Essay) ver­fas­sen
  • Einen Kom­men­tar, eine Re­por­ta­ge, … schrei­ben
  • Übun­gen zur Logik
  • Übun­gen zur Struk­tur (Auf­satz­glie­de­rung)
  • Sti­lis­ti­sche Übun­gen
  • Dia­log mit dem Leser (z.B. In­ter­view, Brief, ..)

No­ti­zen

Klei­ne Por­tio­nen:
z.B. nur einen Punkt der Glie­de­rung aus­ge­stal­ten las­sen
Nur die Ein­lei­tung schrei­ben las­sen

Struk­tur:
z.B. zu­spit­zen­de Ent­fal­tung: auf eine Poin­te hin
- in­halt­lich: Stei­ge­rung
- Sprach­li­che Mit­tel  (Su­per­la­tiv, Ad­ver­bi­en, … )

Un­ter­richts­pra­xis: Ge­gen­tex­te ver­fas­sen

Vom Fleisch­be­de­cken des Pa­pa­lagi [pa­pal­an­gi]

Es ist nun klar, dass durch dies alles der Leib des Pa­pa­lagi weiß und bleich wird, ohne die Farbe der Freu­de. Aber so liebt es der Weiße. Ja die Frau­en, zumal die Mäd­chen, sind ängst­lich dar­auf be­dacht, ihre Haut zu schüt­zen, dass sie nie im gro­ßen Lich­te rot werde, und hal­ten zur Ab­wehr, so­bald sie in die Sonne gehen, ein gro­ßes Dach über sich. Als ob die blei­che Farbe des Mon­des köst­li­cher sei als die Farbe der Sonne. Aber der Pa­pa­lagi liebt es, in allen Din­gen sich eine Weis­heit und ein Ge­setz nach sei­ner Weise zu ma­chen. Weil seine ei­ge­ne Nase spitz ist wie der Zahn des Haies, ist sie auch schön, und die un­se­re , die ewig rund bleibt und ohne Wi­der­stand, er­klärt er für häß­lich, für un­schön, wäh­rend wir doch genau das Ge­gen­teil sagen.

Der Pa­pa­lagi

Ein Süd­see­häupt­ling er­lebt un­se­re Zi­vi­li­sa­ti­on

Ar­beits­auf­trag

Mar­kie­re die Kern­punk­te der Kri­tik im Text.
Ent­wick­le Ge­gen­po­si­tio­nen mit Ar­gu­men­ten und Bei­spie­len zu die­sem Text. (Stich­punk­te)

No­ti­zen

Als Mit­rei­sen­der in einer Völ­ker­schau­grup­pe er­lebt der Häupt­ling Tuia­vii von der Süd­see­insel Samoa das mo­der­ne Eu­ro­pa des be­gin­nen­den 20. Jahr­hun­derts. Die Ak­tua­li­tät des Tex­tes auf dem Hin­ter­grund der öko­lo­gi­schen Krise und der dar­aus re­sul­tie­ren­den zi­vi­li­sa­ti­ons­kri­ti­schen Dis­kus­si­on lie­ßen den "Pa­pa­lagi" zum Buch­best­sel­ler wer­den.

Der ei­ge­ne, per­sön­li­che Stil: Rhe­to­ri­sche Mit­tel

(Ana­ly­se li­te­ra­ri­scher Texte / krea­ti­ve Schrei­b­übun­gen)

  • Sub­jek­ti­ver Stil – Ich-Bezug
  • Ab­schwei­fun­gen
  • Sei­ten­hie­be
  • Um­gangs­sprach­li­che Re­de­wen­dun­gen
  • El­lip­sen
  • In­ter­jek­tio­nen
  • di­rek­te Rede
  • Pa­ra­do­xie
  • Iro­nie
  • Zu­spit­zung der Aus­sa­ge
  • Pro­vo­ka­ti­on des Le­sers

Der Essay – Eine At­ta­cke?

  • Funk­tio­na­li­tät in Bezug auf das Thema
  • For­de­rung : Ethi­schen Stan­dards ge­nü­gen!

No­ti­zen

Keine be­lie­bi­ge Be­schimp­fung

Ori­en­tie­rung an ethi­schen Stan­dards:
Egal, ob Es­says mit fei­nen Spit­zen oder im An­kla­ge­ges­tus vor­ge­tra­gen wer­den, jede „At­ta­cke“ – und sei sie noch so ge­schlif­fen – muss ethi­schen Stan­dards ge­nü­gen. Auch iro­ni­sche oder po­le­mi­sche Schrei­ber müs­sen Ver­ant­wor­tung für ihre Texte über­neh­men. Süf­fi­sanz oder Pa­thos ent­bin­den sie nicht von der Auf­ga­be, ihren Stand­punkt sowie des­sen welt­an­schau­li­che Basis klar zu ma­chen und ihre The­sen ar­gu­men­ta­tiv zu stüt­zen.

III. Schrei­ben

Vor­übung
Adres­sa­ten­be­zo­ge­nes Schrei­ben
z.B. Eine Re­zen­si­on ver­fas­sen

Kom­pe­tenz­ent­wick­lung:

  • Be­wer­tungs­kri­te­ri­en er­ken­nen (-> ei­ge­ne Hal­tung ent­wi­ckeln)
  • Ar­gu­men­ta­ti­ons­schwer­punk­te no­tie­ren (Po­si­ti­on)
  • Auf­bau und Stil un­ter­su­chen (Kom­mu­ni­ka­ti­ver Kon­text / sprach­li­che Mit­tel)
  • Eine ei­ge­ne Re­zen­si­on, schrei­ben (er­pro­ben)
  • Eine Re­por­ta­ge ver­fas­sen (üben)

No­ti­zen

Adres­sa­ten­be­zo­ge­nes Schrei­ben

  • Zielt auf rea­lis­ti­sche Schreib­situa­tio­nen (Brief, Kom­men­tar, Dia­log, … )
  • zwei­ti­ei­lig:
    • Text­ana­ly­se
    • Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Text: in ge­stal­ten­der Weise

Übung: Eine Re­zen­si­on ver­fas­sen

Als Hin­füh­rung zum Schrei­ben eines Es­says

  • Freie Form des Ar­gu­men­tie­rens: ent­spricht mehr dem es­say­is­ti­schen Schrei­ben
  • Kein stren­ges Ar­gu­men­ta­ti­ons­prin­zip wie bei der Er­ör­te­rung (z.B. Sand­uhr­prin­zip)
  • Stil: frei, as­so­zia­tiv

Schü­ler­bei­spiel: Stil­übung „Lä­cheln“

Ein freund­li­ches Lä­cheln (Schrei­ben zu Reiz­wör­tern)

  „Du machst das schon”, sagt sie, strei­chelt dir die Wange und macht dir so Mut. Du fühlst dich stark, vol­ler Ver­trau­en in dich selbst. Ein Wohl­ge­fühl brei­tet sich in dir aus, es ge­fällt dir, weil es dir das Ge­fühl gibt, da wen­det sich dir je­mand zu. Diese Geste ver­leiht dir Stär­ke, weil du weißt, das schaffst du wirk­lich – sie traut dir etwas zu.

  So ein Lä­cheln mit einem war­men Blick ist wun­der­bar . So eines braucht man ab und zu, wenn man im Schla­mas­sel sitzt. So eines ist enorm wich­tig.

  „Na, wie geht’s, mein Schatz?” Plötz­lich steht sie hin­ter dir, grinst dich an, kneift dich – freund­schaft­lich? in die Wange, linst auf deine Ar­beit. Du zuckst zu­sam­men, bist ver­un­si­chert, machst dich klein. Grö­len­des Ge­läch­ter. Die an­de­ren amü­sie­ren sich über deine Re­ak­ti­on. Blöde Sprü­che wer­den ge­ris­sen: „Na, er­tappt, was?” So ein Lä­cheln kann in Ord­nung sein, muss aber nicht . Es kann einen viel­leicht auch är­gern, weil es einen zum Ge­spött macht, weil es einen stört, so im Mit­tel­punkt zu ste­hen. Oder aber , was die bes­se­re Lö­sung wäre: So ein Lä­cheln er­freut einen ganz ein­fach.

Prin­zi­pi­en: Wie­der­ho­lung, Va­ria­ti­on, Ge­gen­satz

Ver­such, ver­such alles.

Und wenn es gar nichts ge­wor­den ist,

dann sag, es sei ein Essay.

Kurt Tuchol­s­ky

No­ti­zen

Be­lie­big­keit? Any­thing goes??

  • Ethi­sche Stan­dards
  • Roter Faden
  • Sprach­li­che Ori­gi­na­li­tät

  Rück­mel­dung

 

Der Essay: Her­un­ter­la­den [ppt] [169 KB]