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4. Der aufbauende Lernprozess in Klasse 5/6

 

Um moralisches Lernen grundlegend aufzubauen, geht es, entwicklungspsychologische Grundgegebenheiten berücksichtigend, zunächst um das Durchleben von moralisch relevanten Situationen, menschlichen Problemen und Konflikten. Das kann in den Klassen 5/6 z.B. durch Rollenspiele, aber auch und insbesondere durch das Erzählen von biblischen Geschichten und Gleichnissen erfolgen, in denen sozial wichtige Werte thematisiert und veranschaulicht werden, z.B. Verzeihen, Mitleid, Barmherzigkeit, Hilfsbereitschaft ohne Ansehen der Person, Toleranz gegenüber Fremden, sich dem Kleinen und Verlorenem zuwenden.


Die Ausgangskompetenzen im Standardzeitraum 5/6 lauten:

  1. SuS können drei Gleichnisse nacherzählen [...].
  2. SuS können Gleichnisse als Erzählungen deuten, die auf ein verändertes Verhalten in der Gesellschaft zielen.


Das Etappenziel für Ende Klasse 6 lautet:

  1. SuS können die Situation beschreiben.
  2. SuS können das Problem erkennen und analysieren.
  3. SuS können die Problemlösung beschreiben.
  4. SuS können die Handlung(en) bewerten.


Als didaktisches Leitmedium werden beginnend mit Klasse 5/6 das Gleichnis vom verlorenen Sohn und vom barmherzigen Samariter mit dem Doppelgebot der Liebe (Lk 15,11-32 und Lk 10, 25-37) etabliert und bis Klasse 10 immer wieder herangezogen.

In Anlehnung an die „Erzählwerkstatt“ von Manfred Hilkert 1 lernen die SuS in Klasse 5/6 Gleichnisse (und andere biblische Geschichten) selbst zu erzählen: So werden sie hinein­genommen in die jüdisch-christliche Tradition des Erzählens und machen die biblischen Geschichten somit zu ihren eigenen Geschichten, die ihnen im Gedächtnis bleiben. Sie internalisieren (so die neurophysiologische Sicht) auf diese Weise Werte und erwünschte Konfliktlösungsstrategien, die später das eigene Verhalten beeinflussen werden – und die es ihnen später auch ermöglichen (ab etwa Ende Klasse 10), auch anhand von abstrakten Prinzipien über Werte nachzudenken und diese zu reflektieren.

Das Einüben des Erzählens im RU im Allgemeinen und in der Klassenstufe 5/6 im Besonderen kann also der Grundlegung eines nachhaltigen moralischen Lernens und ethischen Reflektierens dienen, denn neben dem Durchleben (Erzählen, Rollenspiel) einer moralisch relevanten Situation beginnt auch die ethische Reflexion: Warum nimmt der Vater den Sohn wieder auf? Welche Argumente hätte der Vater und welche der Bruder? Warum hilft der Samariter? Wie würde ich handeln? Welche Argumente könnten der Samariter, der Priester und der Levit nennen und warum?

Die Frage nach dem Nächsten wird durchlebt, aber auch auf einer entwicklungsgemäßen theoretischen Ebene reflektiert, so dass bereits in Klasse 5/6 auf einem basalen Niveau erste Schritte des ethischen Argumentierens eingeübt werden: „Ich lasse den Menschen in Not nicht liegen, denn ich will auch nicht so liegen gelassen werden.“ Aus neurobiologischer Sicht reift und entwickelt sich so allmählich der orbitofrontale Kortex und Werte werden internalisiert. 2


4.1 Schritte der moralischen Urteilsbildung
4.2 Erzählen im Religionsunterricht
4.3 Lernstandserhebung
4.3.2 Evaluation

5. Der aufbauende Lernprozess in Klasse 7/8


Aufbauendes Lernen in der Sekundarstufe I: Ethische Kompetenz
Moralisches und ethisches Reflektieren: Herunterladen [pdf] [441 KB]



1   Manfred Hilkert, Einblicke in die Erzählwerkstatt oder: Praktische Tipps für eine gelungene Erzählpraxis, in: Entwurf 2/2003, 57-60. Der Artikel findet sich im Materialanhang.
2   Siehe Kapitel 4.2 Erzählen im Religionsunterricht als Beitrag zum moralischen Lernen in Klasse 5/6
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