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Bildungsstandards und Kompetenzen im Fach Evanglische Religionslehre


Allgemeiner Überblick 1


I. „Mehr Output bitte…“:

  • Unmittelbar nach dem „PISA-Schock“ (2001) entwickelte im Auftrag des Bundesbildungsministeriums ein Team unter der Leitung von Eckhard Klieme eine Expertise „Zur Entwicklung nationaler Bildungsstandards “ (2003). Dabei standen folgende zentrale Begriffe im Mittelpunkt:

  • Bildungsziele“:

    • Bildungsziele sind relativ allgemein gehaltene Aussagen darüber, welche Wissensinhalte, Fähigkeiten und Fertigkeiten, aber auch Einstellungen und Werthaltungen, Interessen und Motive die Schule vermitteln soll.“ (Klieme et al., S. 20).

    • Sie haben eine normierende Funktion und formulieren allgemeine Erwartungen der Gesellschaft an die Schülerinnen und Schüler. Dazu gehört auch ein Einverständnis darüber, „was den Kern von Lernbereichen und Fächern ausmacht.“ (Klieme et al., S. 20). Die konkrete pädagogische Umsetzung erfolgt mithilfe von Bildungsplänen und entsprechenden Kompetenzmodellen.
  • Bildungsstandards“:

    • Bildungsstandards orientieren sich an Bildungszielen, denen schulisches Lernen folgen soll, und setzen diese in konkrete Anforderungen um.“ (Klieme et al., S. 20):

    • Der Begriff „Standard“ hat nicht zuletzt etymologisch gesehen eine eher problematische Konnotation. Bildungspolitisch können „Standards“ verstanden werden als Beschreibung einer durchschnittlichen Leistung (Was haben Schüler/-innen innerhalb eines bestimmten Zeitraums erreicht?). In der allgemeinen Diskussion und im aktuellen Bildungsplan in Baden-Württemberg hat sich ein normatives Verständnis durchgesetzt (Was sollen Schüler/-innen verbindlich erreichen?).

    • Gleichwohl impliziert der Begriff Bildungsstandards nach Jürgen Oelkers drei gängige Konzepte :

  • Inhaltliche Standards“ (Content Standards, Curriculum Standards)

    • Diese bezeichnen die Inhalte und Lernziele schulischen Lernens; sie beschreiben, was zu unterrichten und was gelernt werden soll. Allerdings sind damit noch keine Differenzierungen zwischen verschiedenen Stufen der Zielerreichung möglich.

  • Leistungsstandards“ (Performance Standards)


    • Seit der Klieme-Expertise bezeichnen Bildungsstandards primär sog. Leistungsstandards, die sich auf den Output bzw. den Outcome des schulischen Lernens beziehen. Sie legen folglich fest, „welche Leistungsziele und welches Niveau der Kompetenz Schülerinnen und Schüler zu einem bestimmten Zeitpunkt erbringen müssen“ (J. Oelkers et al., 2009, S. 29).
    • Dabei lassen sich Leistungsstandards hinsichtlich ihres Zielniveaus unterscheiden:

      • Minimalstandards“: Festlegung eines Minimums an zu erwartenden Kompetenzen;
      • Maximalstandards“: höchstes erreichbares Leistungsniveau zu einem bestimmten Zeitpunkt;
      • Regelstandards“: bezeichnen ein durchschnittliches Erwartungsniveau, das empirisch aufgrund der tatsächlichen Schülerleistungen definiert wird.

    • Gegenüber der ursprünglichen Empfehlung der Klieme-Expertise, Mindests tandards einzuführen und diese empirisch langfristig zu evaluieren, entschied sich die KMK für die Einführung von Regel standards (2005).


  • Standards für Lehr- und Lernbedingungen “ (Opportunity-to-learn-Standards)

    • Hiermit werden sämtliche Ressourcen bezeichnet, die den Schülern zur Verfügung gestellt werden, um entsprechende Bildungsstandards zu erreichen (Kompetenzen der Lehrpersonen, Qualität der Lehrmittel, räumliche Umgebung o. Ä.).
    • So verstanden konkretisieren Bildungsstandards die Bildungsziele, (…) und machen sie pädagogisch – in Form von Kompetenzanforderungen – anwendbar.“ (J. Oelkers et al., 2009, S. 33).

  • Kompetenzen“:

    • Die Klieme-Expertise bezieht sich hierbei auf den von F. Weinert entwickelten Kompetenzbegriff und versteht darunter:
    • „… die bei Individuen verfügbaren oder von ihnen erlernbaren kognitiven Fähigkeiten und Fertigkeiten, bestimmte Probleme zu lösen, sowie die damit verbundenen motivationalen, volitionalen und sozialen Bereitschaften und Fähigkeiten, die Problemlösungen in variablen Situationen erfolgreich und verantwortungsvoll nutzen zu können.“ (Klieme et al., S. 72).
    • Folglich wird Kompetenz als eine Disposition betrachtet, die Schüler/-innen befähigen soll, komplexe Probleme zu lösen und damit konkrete „Anforderungssituationen“ zu bewältigen. Es geht somit primär um kognitive Leistungen, die sich artikulieren als: Fähigkeit, Wissen, Verstehen, Können, Handeln, Erfahrung und Motivation .


II. „… auch im evang. Religionsunterricht“:

  • Basale Bildungsstandards und Kompetenzen religiöser Bildung“

    • Mit dem Bildungsplan 2004 legte Baden-Württemberg als erstes Bundesland Bildungsstandards und ein entsprechendes Kompetenzmodell vor. Dabei sind die Bildungsstandards für den evang. RU „beschrieben als Kompetenzen und Inhalte, (…) in sieben Dimensionen angeordnet.“ (Bildungsplan 2004, S. 26).

      • Im Zentrum steht der Leitbegriff „religiöse Kompetenz“ als „Fähigkeit, die Vielgestaltigkeit von Wirklichkeit wahrzunehmen und theologisch zu reflektieren…“ (Bildungsplan 2004, S. 24). Als übergreifende Kompetenzen werden ausgewiesen: hermeneutische , ethische , Sach -, personale , kommunikative , soziale , methodische und ästhetische Kompetenz.

      • Im gleichen Jahr erschien das sog. Berliner Modell (D. Benner/ R. Schieder), das religiöse Kompetenz mithilfe einer Deutungs - und Partizipations kompetenz abbildet.

      • Eine Expertengruppe der EKD erstellte 2006 die Expertise „Grundlegende Kompetenzen religiöser Bildung“ , deren Kompetenzmodell vier „Gegenstandsbereiche“ (z.B. die „Bezugsreligion des RUs: Christentum evangelischer Prägung“) entfaltet und diese auf eine Matrix mit insgesamt zwölf Kompetenzen zuordnet.

 

Modelle

Aufgaben

Stundenplanschema


Bildungsstandards und Kompetenzen im Fach Evanglische Religionslehre:
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1   Die folgenden Hinweise stützen sich u.a. auf: Klieme, Eckhard et al: Zur Entwicklung nationaler Bildunngssandards. Eine Expertise, hrsg. vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, Bonn 2003. Criblez, Lucien / Oelkers, Jürgen: Bildungsstandards, Seelze-Velber 2009