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Umsetzungsbeispiel KompRU mit einem Jugendbuch


Die Geschichte


In „Moritz und der liebe Gott“ von J. H. Claussen geht es um den 13jährigen Moritz, der durch die sich anbahnende Trennung seiner Eltern in eine Lebenskrise gerät. Weil er nicht dabei sein will, während sein Vater die letzten persönlichen Gegenstände zusammenpackt, um anschließend aus der gemeinsamen Wohnung auszuziehen, fährt Moritz ziellos mit seinem Kickboard durch die Gegend und landet zufällig in einer Kirche. Dort trifft er auf Frau Schmidt, eine Bewohnerin des nahe gelegenen Altenheims, die sich an diesem für Moritz reichlich fremden Ort heimisch zu fühlen scheint. Ohne lange zu überlegen, hat Moritz für seine Eltern, seine Schwester und sich selbst vier Kerzen angezündet, die den düsteren Raum heller und freundlicher machen. Frau Schmidt weist ihn darauf hin, dass man die Kerzen auch bezahlen muss! Sie legt das Geld für ihn aus.

An einem der nächsten Tage macht sich Moritz auf den Weg zu Frau Schmidt ins Altenheim, um seine Schulden zurückzuzahlen. In ihrem Zimmer fällt ihm ihre alte Familienbibel auf, die Frau Schmidt auf der Flucht gerettet hat; die beiden kommen darüber ins Gespräch. Er fragt, warum dieses alte Buch einen so großen Wert für sie hat, und sie erzählt ihm von ihrem Leben und ihrem Glauben, von ihrem ganz persönlichen Verhältnis zu Gott und wie ihr die Bibel in verschiedenen Lebenslagen geholfen hat.
Durch die Begegnung mit Frau Schmidt werden in Moritz Erinnerungen an seine eigene Großmutter geweckt, die vor wenigen Jahren starb; er beginnt, sich für ihr Leben zu interessieren.
Es entwickelt sich eine merkwürdige Freundschaft zwischen der alten Frau und dem Jungen. Und in ganz normalen Gesprächen über „Gott und die Welt“ werden immer wieder biblische Inhalte thematisiert.

Weil Moritz in Kindertagen oft mit seinem Vater eine Bibliothek besucht hat, weil er den Vater dort ganz für sich hatte und wehmütig an diese Zeit zurück denkt, sucht er diesen Ort erneut auf und lernt eine junge Bibliothekarin, Sabine, kennen, die Theologie studiert hat. Sie ist gerade dabei, verschiedene Bibelausgaben in Regale einzusortieren, als Moritz auftaucht ... Mit ihr kann er die Gespräche über die Bibel und die Religion auf einer anderen Ebene fort­setzen: Von ihr erfährt er etwas über die Geschichte des Christentums, sie surfen zusammen im Internet, lachen bei der Lektüre von Bibelcomics, stöbern im Archiv und blättern in alten Folianten. Moritz lernt, was „Tohuwabohu“ und „Monotheismus“ heißt, er hört etwas von wilden Kerlen, die sich „Propheten“ nennen, betrachtet Jesusbilder und Ikonen, erfährt etwas von Christenverfolgungen und Kreuzzügen und davon, wie Martin Luther die Freiheit des Glaubens wiederentdeckte, sieht nach, wie die Zehn Gebote lauten und beichtet online ...

Während sich Moritz in der Schule oft nicht traut, etwas zu sagen, weil er plötzlich ins Stot­tern gerät und Angst hat, ausgelacht zu werden, kann er sich in den Gesprächen mit den beiden Frauen frei und ohne Scheu äußern, weil sie ihm gerne zuhören und ihn und seine Fragen ernst nehmen. Sabine beachtet sein Stottern nicht und ihm hilft, seinen Satz einfach fortzusetzen. Seine Unsicherheit verschwindet, seine Traurigkeit wird verstanden und sein Selbstvertrauen Schritt für Schritt wieder aufgebaut. Langsam beginnt er, sich selbst, sein Leben und die Welt in einem anderen Licht zu sehen: Auch wenn vieles unverständlich und ungerecht zu sein scheint, muss doch nicht alles automatisch sinnlos sein.
Aber auch für Frau Schmidt und Sabine ist die Beziehung zu Moritz ein Gewinn: Frau Schmidt hat keine Verwandten und erlebt die Gespräche mit Moritz als ein Geschenk, das sie aus ihrer Einsamkeit im Altersheim herausholt; Sabine war früher Lehrerin, hatte aber so viele Probleme mit Schülern, dass sie den Beruf aufgeben musste; Moritz davon zu erzählen, der sie mag und als Adressatin seiner Fragen schätzt, stellt für sie eine Art Entlastung und Befreiung dar.

Die beiden Frauen werden für Moritz so wichtig, weil er mit ihrer Hilfe der bedrückenden Realität seines Elternhauses entkommen kann. Indem er sich in Geschichten hineindenkt, die von Jesus, Paulus, Joseph und Mose handeln – sie alle stehen in dem „alten Buch“, das er nicht gut kennt –, wird er immer neugieriger.
Er staunt, wie aufregend diese Geschichten sind und wie sie manchmal genau zum eigenen Leben zu passen scheinen und mal völlig danebenliegen. Klar ist jedenfalls, dass sie ihn so schnell nicht mehr loslassen werden, auch wenn bis zum Schluss offen bleibt, ob er sich weiter mit der Bibel beschäftigen und jemals so glauben oder beten können wird wie Frau Schmidt ...


Kapitelübersicht
1

Kapitel   1:   In der Familie      
Kapitel   2:   In der Kirche     
Kapitel   3:   Im Altenheim     
Kapitel   4:   In der Bücherei      
Kapitel   5:   In Ägypten     
Kapitel   6:   Im Archiv      
Kapitel   7:   Im Gespräch mit Gott      
Kapitel   8:   Im Internet     
Kapitel   9:   Im Land der Samariter      
Kapitel 10:   Im Paradies    
Kapitel 11:   Im Land der Verlorenen  
Kapitel 12:   Im Gottesdienst   
Kapitel 13:   In Gesundheit und Krankheit    
Kapitel 14:   In Angst und Hoffnung: Passion und Ostern    
Kapitel 15:   Im Tod und im Leben - Du bist bei mir: Psalmen 
 


Anforderungssituation (Kapitel 3)


Umsetzungsbeispiel KompRU mit einem Jugendbuch:
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1   Die Kapitel im Buch sind lediglich nummeriert; die Überschriften stammen von der Verfasserin dieses Unterrichtsmaterials.