Zur Hauptnavigation springen [Alt]+[0] Zum Seiteninhalt springen [Alt]+[1]

(2) Bestimmung einer Anforderungssituation

 

Zu jeder Unterrichtseinheit gehört zumindest eine Anforderungssituation, die verständlich macht, wofür man die Schwerpunktkompetenz(en) im Leben eigentlich braucht.
Anforderungssituationen sind demnach Alltags- und Lebenssituationen, deren Bewältigung die Anwendung von Kenntnissen, Fähigkeiten, Fertigkeiten und Einstellungen „anfordert“ und deren Erwerb im Religionsunterricht unterstützt werden. An ihnen kann zum einen gezeigt werden, dass der Religionsunterricht lebensrelevant ist. An ihnen kann aber auch sichtbar werden, wie es um den Kompetenzstand steht (Lernstandsdiagnose), man kann mit ihnen aber auch herausfinden, zu welchem Ergebnis der Unterricht geführt hat (Schluss­evaluation).

Solche Anforderungsituationen zu formulieren ist gar nicht so einfach. Entweder man findet sie oder man muss sie sorgfältig konstruieren. Zwischenzeitlich werden sie in verschiedenen Veröffentlichungen vorgestellt und diskutiert (entwurf). Eine wunderschöne Anforderungs­situation habe ich in dem neuen Heft Religion 5-10 gefunden.

„Die junge Familie ist gerade umgezogen, der Garten noch nicht angelegt, und so sieht man eines Morgens aus dem Fenster blickend den Gärtner dort stehen, wie er mit prüfendem Blick auf Erdaushub und unstrukturiert Wachsendes Vorschläge zur Gestaltung entwickelt und einen Mitarbeiter für die ersten Schritte der Umsetzung anweist. In der typischen leichten Körperfülle von Menschen „mittleren Alters" steht er da, lockig das leicht ergrauende Haar und mit einem stattlichen Vollbart. Die fünfjährige Lena versetzt dieser Anblick in tiefe, ernsthafte Aufregung, die sie flüstern lässt: „Ist das der liebe Gott?" 1

Die Aufgabe bestünde darin, dazu einen Kommentar zu schreiben. Dabei würde sich heraus­stellen, welche Bilder von Gott Schülerinnen vor Augen haben und ob sie in der Lage sind, zwischen Gott selbst und den Vorstellungen von Gott zu unterscheiden sowie die Fähigkeit Bilder für das Reden von Gott angemessen einzuschätzen und zu gebrauchen.

Die Auseinandersetzung mit solchen Anforderungssituationen lässt auch die Heterogenität der Schülerinnen und Schüler erkennen, ihre unterschiedliche religiöse Prägung, ihre unter­schiedlichen Lernstände und ihre unterschiedlichen Lernstrategien. Sie haben darüber hin­aus motivierenden Charakter, denn sie können dazu führen, dass die Schülerinnen und Schüler selber entdecken, was sie gerne besser können wollten. Von hieraus kann ich eine Unterrichtseinheit noch einmal neu und anders planen.


Eingangsdiagnose


Vortrag Kompetenzorientierter Religionsunterricht Kurzfassung:
Herunterladen [pdf] [175 KB]

Vortrag Kompetenzorientierter Religionsunterricht:
Herunterladen [pdf] [200 KB]

Vortrag Kompetenzorientierter Religionsunterricht Präsentation:
Herunterladen [pptx] [101 KB]



1   Ulrike Link-Wieczorek Wer ist das eigentlich-Gott? Eine religionspädagogische Annäherung, in: Religion 5-10, 1/2011, S.4