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Einführung und methodische Überlegungen

Sachanalyse

In den Lektionstexten 15-17 Kairos geht es um das unheilvolle Geschehen um Agamemnon, das von der Opferung der Iphigenie bis zum Muttermord des Orestes reicht. Agamemnon, Klytaimnestra und Orestes laden jeweils Schuld auf sich, die unterschiedlich zu bewerten ist.

Lektion 15 : Agamemnon muss, um weiter gegen Troja segeln zu können, seine Tochter Iphigenie opfern. Dies fällt ihm offenbar schwer, denn der Text erwähnt, dass er lange Zeit mit sich zu Rate gegangen ist und es der Überredungskunst des Menelaos bedurft hat, um ihn davon zu überzeugen, seine Vaterverantwortung hinter den beabsichtigten Trojazug zurückzustellen. Agamemnon ist also per se nicht sicher, er hat keinen eigenen starken Handlungsimpuls, sondern ist in dieser wichtigen Frage Objekt der Interessen seines Bruders Menelaos. Hinzu kommt, dass der Opferung der Tochter die Ehre (Zeile 4) wohl seines Bruders gegenübersteht. Um die Opferung vollziehen zu können, muss er seine Tochter (sowie seine Frau) mit einem Trug heranlocken: Sie solle wegen einer Heirat (mit Achill) ins Lager kommen. Auch der nächste Abschnitt bringt Formulierungen, die die Schuld des Agamemnon weiter betonen: die Tochter bittet um Gnade, doch Diomedes und Odysseus zerren sie gewaltsam auf den Altar.

Zusammenfassend lässt sich eine gravierende Schuld bei Agamemnon feststellen. Er hat kein eigenes Motiv, seine Tochter zu opfern, sondern macht sich zum Erfüllungsgehilfen der Interessen seines Bruders und setzt diese durch Trug und Gewalt skrupellos um.

Lektion 16 : Klytaimnestra tötet ihren heimkehrenden Gatten Agamemnon zusammen mit seiner Geliebten Kassandra. Auch in diesem Text wird die Schuld der Akteurin betont. Sie handelt im Zorn (7, 8), verbirgt diesen jedoch hinter einer Maske, was mehrere Formulierungen des Textes betonen (8, 9). Der Mord an Agamemnon im Bad zeigt vollends, dass sie in Heimtücke handelt, indem sie einen wehr- und arglosen Mann hinterrücks umbringt. Indem sie auch Kassandra tötet, zeigt sich, dass sie auch eine nahezu unschuldige Person zu töten bereit ist. Ihr Handeln wird deshalb auch zu Recht im Text als Rache bezeichnet (5).

Anders als in Lektion 15 bei Agamemnon lassen sich jedoch auch Gesichtspunkte benennen, die Klytaimnestra entlasten und ihre Schuld mildern. Dass Agamemnon mit einer Nebenfrau heimkehrt, ist eine verletzende Taktlosigkeit. Und seine Untaten aus der Vergangenheit (die versuchte Opferung der Iphigenie) sowie der offenbar schon lange währende Ehebruch mit Kassandra lassen ein gewisses Verständnis für den Rachewunsch der Klytaimnestra aufkommen.

Lektion 17 : Dieser Lektionstext behandelt den letzten Akt des Atridenfluchs: Orestes bringt seine Mutter um. Der Muttermord ist einerseits besonders entsetzlich, andererseits bringt der Text vieles zur Sprache, was zu Gunsten von Orestes gewertet werden kann. Er handelt zum einen nicht aus eigenem Antrieb, sondern gezwungen und zwar von der göttlichen Autorität des Apoll. Er kämpft zum zweiten in einem offenen Zweikampf gegen den Ehebrecher Aigisthos (7) und beseitigt auf diese Weise die illegitime Herrschaftsform der Tyrannis, die von diesem etabliert wurde. Der Text betont eigens, dass der eigentliche Muttermord durch das göttliche Wort gefordert ist (7).

Dass Orest nun von den Erinyen verfolgt wird, ist eigentlich unsinnig und tatsächlich macht der Text durch ὅμως dieses Paradox auch deutlich (8). Orest wird schließlich in Athen von der Göttin Athene selbst entsühnt.

 


Kreative Textproduktionen zu den Lektionen 15-17 Kairos: Herunterladen [doc][58 KB]

 

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