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Einführung und Überblick


  1. Das Rätsel der Sphinx – Das Rätsel „Sprache“
  2. Sprachreflexion als Ziel des Griechisch-Unterrichts
  3. Prinzipien der vorgestellten Übungen
  4. Hinweise für die Benutzung
  5. Literatur

1. Das Rätsel der Sphinx – Das Rätsel „Sprache“

„Was besitzt eine einzige Stimme und bewegt sich auf vier, auf zwei und auf drei Beinen?“ 1 So lautet das bekannte Rätsel der Sphinx, welche das Fabelwesen dem Ödipus stellt. Möglich wird dieses αἴνιγμα dadurch, dass der Begriff „Bein“ in einem dreifachen Sinne verwendet wird: im eigentlichen Wortsinn und in zwei metaphorischen Verwendungen, nämlich einmal als Ersatz für „Arm“ und einmal für den „Stock“ als stützendes Hilfsmittel zur Fortbewegung.

Wenn man einmal darauf achtet, findet sich die metaphorische (und auch metonymische) Verwendung eines Wortes, die von der Sphinx so kunstvoll eingesetzt ist, ubiquitär in unserer Alltagssprache und wird von jedem native speaker meist auch problemlos verstanden: 2 Jeder weiß, was gemeint ist, wenn man sagt: „Ich stelle einen Plan auf“, auch wenn damit etwas ganz Anderes als das „Aufstellen“ eines Regals gemeint ist.

Folgt man der Sprachwissenschaft, 3 so ist die Verwendung von Metaphern nicht nur ein selbstverständlicher Vorgang in der Alltagssprache, sie ist zugleich ein zentraler Motor – schon wieder eine Metapher! – für die Entwicklung von Sprache, welcher es ermöglicht, ausgehend von bekannten (am Beginn der Ausbildung von Sprache konkret-anschaulichen) Begriffen neue immer abstraktere Bedeutungen zu erschaffen. 4

Besonders eindrucksvoll verdeutlichen lässt sich dies am Beispiel der Präpositionen, da sich bei dieser Wortart auch für Schülerinnen und Schüler (fortan: SuS) die Abfolge von konkret-anschaulicher räumlicher Bedeutung über die zeitliche bis hin zu einer übertragen-abstrakten Bedeutung nachvollziehen lässt. (vgl. die Übung unter H)

Wenn SuS eine fremde und historisch ferne Sprache wie das Griechische lernen, sind sie allerdings mit den vielen verschiedenen (häufig versteckt metaphorischen) Bedeutungen eines Wortes oft überfordert. Denn meist ist die Schwierigkeit, die richtige Bedeutung zu finden, mindestens ebenso groß wie das Lernen einer ‚Grundbedeutung‘. Daher ist es sinnvoll, Sprachreflexion mit dem Wortschatzerwerb zu verbinden. So wird das Nachdenken darüber, nach welchen Prinzipien sich sprachliche Bedeutung entwickelt, nicht zum Selbstzweck, sondern zu einem notwendigen Instrument, um Vokabeln nachhaltig und mit dem Verständnis zu lernen, das es in der Lektüre ermöglicht, auch eine nicht so gelernte Bedeutung aus dem Kontext zu erschließen. Denn nur so kann man der Schwierigkeit begegnen, die STEINTHAL für das Lateinische so treffend provokativ formuliert hat: „Ein lateinisches [respektive griechisches] Wort hat keine deutsche Bedeutung!“ 5


1 So die Kurzvariante in Apollodors Bibliothek 3 [53] 5, 8; ausführlicher in der antiken Inhaltsangabe
zu Soph. Oid. Tyr. (Hypoth. III); dazu LLOYD -JONES , HUGH 1990: Greek Epic, Lyric and Tragedy, 332-334.

2 Darauf verweist schon Aristoteles: πἁντες [...] μεταφοραῑς διαλέγονται (Rhet. 1404b 34).
3 DEUTSCHER 2011; JACKENDORFF 1983; LACKOFF /JOHNSON 2003.
4 Dazu ausführlich und zugleich anschaulich-unterhaltsam DEUTSCHER 2011; vereinfachend wird hier der Begriff „metaphorisch“ verwendet, obwohl man streng genommen eigentlich zwischen dem„metaphorischen“ und „metonymischen“ Gebrauch unterscheiden müsste: Zum Beispiel liegt in ἀργύριον für Geld ein metonymischer Gebrauch (Material „Silber“ für spezifische Ausprägung) vor. Zur genaueren Unterscheidung WIRTH /SEIDL /UTZINGER , 2006, 75-93.
5 STEINTHAL 1971, 29.

 

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